Stuttgart-Sillenbuch Ein Mann wie ein ganzes Orchester

Von Caroline Holowiecki 

Das muss ihm erst einmal einer nachmachen: Mit 92 Jahren komponiert und musiziert Hans-Günther Bunz aus Stuttgart-Sillenbuch nach wie vor. In jüngeren Jahren war Bunz Musikchef beim SDR. Nun hat er eine neue CD herausgebracht.

Hans-Günther Bunz und sein Flügel – eine Liebe fürs Leben Foto: Caroline Holowiecki
Hans-Günther Bunz und sein Flügel – eine Liebe fürs Leben Foto: Caroline Holowiecki

Sillenbuch - Viele Menschen hoffen, in ihrem Leben die eine, die ganz große Liebe zu finden. Hans-Günther Bunz hat gleich zwei gefunden. An diesem Mittwoch feiert der Sillenbucher seinen 92. Geburtstag, und trotz des stattlichen Alters fühlt er sich gut. Die Liebe macht’s. „Die Musik erhält mich gesund. Und meine Frau. Ich bin froh, dass wir noch zusammen sind“, sagt er und strahlt. 1948 hat er seine Gabriele geheiratet, im kommenden Jahr wird Gnadenhochzeit gefeiert. In der Tanzstunde haben sie sich damals kennengelernt. Die Musik führte den jungen Kerl zu seiner zukünftigen Frau.

Die Musik hat so vieles bewegt in Hans-Günther Bunz’ Leben. Seine gesamte berufliche Laufbahn hat sie geprägt: Studium an der Musikhochschule in Stuttgart, später Dozent, außerdem Rundfunk. Von 1981 bis 1989 war er Musikchef beim SDR, bis 1990 außerdem der Mann für die virtuosen Übergänge in der Sendung „Von Melodie zu Melodie“. Seine Musik: Jazz, Swing, Bossa Nova. Sein Instrument: das Piano.

Oft sitzt er an seinem weißen Steinway-Flügel und spielt und komponiert – und geht ganz in der Musik auf. Hunderte Stücke hat er über die Jahrzehnte kreiert. Viele Einfälle kommen ihm nachts. Dann hilft alles nichts: aufstehen, Noten niederschreiben, wieder ins Bett.

Auch mit 92 Jahren gilt: von Müdigkeit keine Spur

Von Müdigkeit keine Spur bei Hans-Günther Bunz. Im Gegenteil: Er lernt Tag für Tag noch so viel Neues. Zum Beispiel neue Instrumente. Der betagte Mann lächelt verschmitzt. Ganze 14 Instrumente hat er auf seiner neuen CD „Harmonies“ gespielt, die ganz frisch herausgekommen ist – alle am Computer, alle auf Tasten. Ein ganzes Orchester in einer Person.

Im Obergeschoss des Hauses hat sich der Senior vor Jahren ein Studio eingerichtet. Dort hat er sich ins digitale Komponieren reingefuchst, „eine wahnsinnsharte Zeit“, wie der sechsfache Opa und sechsfache Uropa bekennt. Aber man muss für alles offen sein. Auch für die Musik von heute. Der kann der Experte etwas abgewinnen. Zum Beispiel Helene Fischer. „Das kann wahnsinnig viel, das Mädel.“ Hans-Günther Bunz findet immer etwas, was ihn begeistert. „Wenn wir nichts zu tun haben, sind wir kratzbürstig, meine Frau und ich. Bei uns hat der Tag zu wenige Stunden.“

Sonderthemen