Stuttgart-Sillenbuch Filderauffahrt kommt GSG-Neubau in die Quere

Von Caroline Holowiecki 

Es sieht danach aus, dass die Stadt auf den Neubau des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Stuttgart-Sillenbuch verzichten will. Grund dafür ist eine Straße – deren Bau allerdings steht noch in den Sternen.

Das Geschwister-Scholl-Gymnasium ist stark sanierungsbedürftig. Beim Bürgerhaushalt landete der Vorschlag, die Schule neu zu bauen, auf Platz zwei. Foto: Caroline Holowiecki
Das Geschwister-Scholl-Gymnasium ist stark sanierungsbedürftig. Beim Bürgerhaushalt landete der Vorschlag, die Schule neu zu bauen, auf Platz zwei. Foto: Caroline Holowiecki

Sillenbuch - Mindestens 3623 Stuttgarter werden enttäuscht sein. Sie hatten beim Bürgerhaushalt für einen Neubau des Geschwister-Scholl-Gymnasiums votiert und das Projekt damit auf den stadtweit zweiten Platz gehievt. Der Bezirksbeirat Sillenbuch hat sich schon lang zu dem Projekt bekannt, und zuletzt hatte es auch so ausgesehen, als ob diese Meinung im Rathaus geteilt würde. Immerhin war der Neubau vorrangig geprüft worden. Seit der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses des Gemeinderats ist jedoch klar: Die Stadtverwaltung kam nach der Prüfung zu einem anderen Ergebnis. Ihr schwebt nun vor, das Bestandsgebäude doch zu sanieren und zu erweitern – und dafür auf einen Neubau im Bereich Schwellenäcker zu verzichten.

Der Grund ist wohl die Filderauffahrt

Die Verwaltung hat dafür mehrere Sanierungs- und Erweiterungsvarianten erarbeitet, favorisiert aber jene, die einen Erweiterungsbau entlang der Richard-Schmid-Straße, eine gemeinsame Mensa mit der Grundschule Riedenberg im Erdgeschoss, eine Sanierung und Neuordnung des Bestandsgebäudes sowie letztlich auch eine Erweiterung der Grundschule für den Ganztagesbereich vorsieht. Nach neuesten Schätzungen soll dies alles etwa 45,7 Millionen Euro kosten – rund fünf Millionen weniger als der Neubau. Bedeuten würde dies dafür, dass 14 Klassenräume während der etwa vierjährigen Umbauzeit in zwei Abschnitten in Container verlegt werden müssten, und auch die Schulverwaltung müsste zeitweise umziehen.

Die Kosten sind aber nicht der Hauptgrund für den Schwenk. Es ist die Filderauffahrt. Derzeit gibt es zwar weder seitens der Stadt noch des Landes Bemühungen, den Bau der Umgehung voranzutreiben, heißt es explizit in der Vorlage, dennoch ist das Grundstück laut Bebauungs- und Flächennutzungsplan für die Trasse reserviert, die nach wie vor im gültigen Verkehrsentwicklungskonzept 2030 enthalten ist. Das Planungsrecht zu ändern, würde laut Verwaltung mindestens drei Jahre dauern. Und das scheint sie erst mal auch gar nicht zu wollen. „Die Umsetzung der Filderauffahrt B 312 wie im Bebauungsplan dargestellt ist bei einem Schulneubau GSG im Bereich Schwellenäcker nicht möglich!“, steht in mahnenden Großbuchstaben in der Studie des Hochbauamtes. Und auch die Verwaltung stellt klar, dass die Straße bei einem Neubau berücksichtigt werden müsste: „Der aufzustellende Bebauungsplan müsste demnach entweder die seitherige Verkehrsfläche der Filderauffahrt ausklammern, oder es wäre eine neue Verkehrskonzeption zu entwickeln, abzustimmen und im Bebauungsplan festzusetzen.“

„Ich bin sehr enttäuscht“, sagt die Rektorin

Irmgard Brendgen, die Rektorin, ist vor den Kopf gestoßen. „Wenn es so kommt, bin ich sehr enttäuscht und viele Leute bestimmt auch.“ Seit einem Runden Tisch im vergangenen September seien sie und ihr Team nicht mehr in weitere Planungen einbezogen worden. So sei etwa über die Idee einer gemeinsamen Mensa weder mit ihr noch der Amtskollegin gesprochen worden, betont sie. Die Verwaltungsplanungen kennt sie nur aus der Vorlage, die anlässlich der jüngsten Ausschusssitzung öffentlich geworden war. Und das Argument Zeitvorteil will sie nicht gelten lassen. Immerhin sei der Sanierungsbedarf bereits vor acht Jahren festgestellt worden.

Ganz in den Brunnen gefallen ist das Kind aus Sicht der Neubau-Fans jedoch noch nicht. In der jüngsten Sitzung am Mittwoch hat der Verwaltungsausschuss die Vorlage lediglich kommentarlos zu Kenntnis genommen. Die Diskussionen und Abwägungen werden erst noch kommen: am 28. Juni im Sillenbucher Bezirksbeirat, am 4. Juli im Ausschuss für Umwelt und Technik und am 12. Juli im Verwaltungsausschuss. Der Entschluss soll schließlich am 13. Juli im Gemeinderat fallen.

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