Stuttgart-Sillenbuch Radroute: Bezirksbeirat probt den Aufstand

Lieferverkehr, Passanten, Radfahrer - genau diese Begegnung wollen die Bezirksbeiräte nicht mehr. Foto: Caroline Holowiecki
Lieferverkehr, Passanten, Radfahrer - genau diese Begegnung wollen die Bezirksbeiräte nicht mehr. Foto: Caroline Holowiecki

Schon 2016 hat sich der Bezirksbeirat für eine alternative Radwegeführung durch Sillenbuch ausgesprochen. Nun, ein Jahr später, setzte es von der Stadtverwaltung eine pauschale Absage. Das Gremium ist damit aber nicht einverstanden...

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Sillenbuch - Die Hauptradroute 10 zwischen Vaihingen und Ostfildern führt direkt durch Sillenbuch, und zwar über die Kirchheimer Straße, die Hauptverkehrs- und Einkaufsstraße. Immer wieder kommt es hier zu gefährlichen Begegnungen von Fußgängern, Radlern und Autofahrern, zudem wird der Radverkehr durch Ampeln und Kreuzungen mehrfach gestoppt. Der Bezirksbeirat ist daher schon seit geraumer Zeit mit der Stadtverwaltung im Gespräch, wie diese Situation entzerrt werden könnte.

Das Gremium hat im November 2016 einen interfraktionellen Antrag eingereicht. Kernpunkt: Die Stadt sollte auf die alternative Route zwischen Trossinger Straße, Silberwaldstraße und Höhenringweg und von da weiter nach Heumaden setzen. Dazu gab es allerhand Anregungen, wie diese Route durch bauliche Veränderungen besonders attraktiv gestaltet werden könnte. Unter anderem sollten der Fußweg zwischen Eduard-Steinle-Straße und Tuttlinger Straße zur Fahrradmitbenutzung umgestaltet und die Querung der Tuttlinger Straße verbessert werden. Überdies wurden aufgezeigt, wo die Planungen der Stadtverwaltung aus Sicht des Beirats Schwachstellen aufweisen.

Nun, mehr als ein Jahr später, kommen das Amt für Stadtplanung und -erneuerung sowie das Tiefbauamt zum Ergebnis, dass sie die Vorschläge des Sillenbucher Gremiums nicht weiterverfolgen wollen. In einem Brief an den Bezirksvorsteher Peter-Alexander Schreck wird drauf hingewiesen, dass die vom Gremium angedachte Route zahlreiche Ziele wie Haltestellen und Läden ausschließt, umständlicher, unübersichtlicher, wegen des schmalen Fußwegs nicht durchgängig befahrbar und überdies wegen der Topografie weniger attraktiv sei. Die Stadt will stattdessen an ihrer Ursprungsidee, die Route an der Kirchheimer Straße zu ertüchtigen, festhalten und verschiedene Kreuzungen optimieren. „Die erwähnte Alternativstrecke kann selbstverständlich, mit den heutigen Einschränkungen, ebenso befahren werden“, heißt es.

Bezirksbeiräte fühlen sich übergangen

Der Bezirksbeirat ist mit dieser Antwort aus dem Rathaus alles andere als einverstanden und fühlt sich übergangen. Philipp Kordowich (CDU) unkte in der jüngsten Sitzung: „Alles, was ich rauslese, ist: Danke für Ihre Meinung, sie interessiert uns nicht. Das ist nicht befriedigend.“ Der Bezirksbeirat habe deutlich gemacht, dass er es als kritisch betrachtet, die Radroute durch den gemischten Bereich auf der Kirchheimer Straße zu führen, wo sich Radler, Fußgänger, Lieferverkehr und andere Fahrzeuge begegnen, „das kann man nicht einfach wegwischen“. Es habe keine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Punkten des Gremiums vor Ort stattgefunden, monierte er, die anderen Bezirksbeiräte sahen es genauso. Und auch Peter-Alexander Schreck, der Bezirksvorsteher, ärgerte sich sichtlich. „Das ist die Gutsherrenart der Verwaltung, so zu reagieren.“

Gremium und Bezirksverwaltung haben sich daher darauf geeinigt, alsbald ihrerseits mit einem Brief zu reagieren, den interfraktionellen Antrag aus dem Jahr 2016 nochmals anzufügen und auf ihrem Standpunkt zu beharren. Der Brief soll direkt an den zuständigen Baubürgermeister Peter Pätzold gehen.




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