Stuttgart So lief die Platzräumung in der Nacht am Feuersee

Am Feuersee in Stuttgart-West blieb es am Samstagabend ruhig. Foto: Lichtgut-Oliver Willikonsky/Oliver Willikonsky 5 Bilder
Am Feuersee in Stuttgart-West blieb es am Samstagabend ruhig. Foto: Lichtgut-Oliver Willikonsky/Oliver Willikonsky

In der Nacht zum Sonntag wurde am Feuersee erstmals das Aufenthaltsverbot der Stadt ab Mitternacht umgesetzt. Die Feiernden nahmen das Verbot gut auf und räumten den See größtenteils sogar von alleine.

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Stuttgart - Ein ungewöhnliches Bild zeichnet sich in der Nacht auf Sonntag am Feuersee ab. Eine halbe Stunde nach Mitternacht ist das Ufer um den See bei der Johanneskirche wie ausgestorben. Grund dafür ist das neue Aufenthaltsverbot am Seeufer ab null Uhr, das von der Polizei durch Ansprache der Menschen in der Nacht umgesetzt wurde. Viele Menschen ansprechen mussten die Polizisten aber nicht. Zum einen räumten viele der anwesenden jungen Erwachsenen um kurz nach Mitternacht von ganz allein das Ufer. Zum andern fanden sich am Samstag ohnehin nur wenige Menschen am Feuersee ein. „Es war heute ein sehr friedlicher und ruhiger Abend am Feuersee“, resümiert ein Sprecher der Polizei am Abend. Nur rund 150 Menschen waren gegen 22 Uhr am Ufer, um hier etwas zu trinken oder sich zu unterhalten. Laute Musik gab es ebenfalls nur vereinzelt.

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Zuletzt war der Platz rund um den Feuersee in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten, weil sich hier vor allem am Wochenende immer wieder zahlreiche Menschen versammelten, um zu feiern und laut Musik zu hören. Dabei soll teilweise sogar ein DJ aufgelegt haben. Das Ergebnis dieser Abende waren Müllberge rund um den See und viele unzufriedene Anwohner, die über Lärmbelästigung klagten. „Bei uns haben viele Menschen ihre Notdurft im Hof verrichtet“, erzählt eine Anwohnerin, die sich am Abend vor der Johanneskirche mit den Bezirksvorstehern Bernhard Mellert und Veronika Kienzle trifft, um über die Vorkommnisse an den letzten Wochenenden zu sprechen. Andere Anwohner berichten von eingeschlagenen Fensterscheiben und Musik bis spät in die Nacht.

Anwohner fordern Konzept

Dabei ist es ihnen wichtig, zu betonen, dass sie für die Feiernden durchaus Verständnis aufbringen: „Dass die Leute feiern, ist okay. Aber Respekt gegenüber den Anwohnern ist eben auch wichtig“, so ein Anwohner.

Für ein friedliches Miteinander der Feiernden und der Anwohner, fordern letztere zum einen „mehr Toiletten und Mülleimer“, und zum anderen ein Konzept für solche Nächte. Das würden auch die anwesenden Bezirksvorsteher begrüßen: „Man muss regulieren und Angebote schaffen“, so Kienzle und Mellert.

Für viele der Anwohner ist die Sperrung des Ufers schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Und auch die jungen Erwachsenen, die am Abend am See feiern, haben hierfür Verständnis: „Wenn die Leute sich danebenbenehmen, wie es in den letzten Wochen der Fall war, dann ist das eben die logische Konsequenz“, sagt beispielsweise eine Gruppe Endzwanziger, die am Seeufer den Abend verbringt. Das einzige Problem am Aufenthaltsverbot: Mitbekommen, dass das Ufer gesperrt wird, haben viele der Anwesenden nicht. „Man sollte das über Facebook oder Instagram posten oder wenigstens große Schilder aufstellen,“ schlagen die 20-jährige Elisa und ihre 21-jährige Freundin Bethania vor.

Die beiden Frauen verbringen ihre Abende öfter am Feuersee, weil „die Kulisse hier so schön ist“.

Mehr öffentliche Toiletten gewünscht

Für die Beschwerden der Anwohner zeigen sie Verständnis: „Ich wohne hier in der Nähe und der Müll hier ist oft schon sehr ekelig“, sagt Elisa. Deshalb ist es für sie und ihre Freundin Bethania selbstverständlich, den Müll selbst wieder mitzunehmen. Was sie sich von der Stadt für den Platz um den See wünschen würden, gleicht den Forderungen der Anwohner: „Mehr Toiletten und Mülleimer, weil, wo soll man hingehen, wenn man mal muss? Auf die eine öffentliche Toilette kann man ja irgendwann nicht mehr gehen“, lautet ihr Urteil.

Den eigenen Müll mitzunehmen ist auch für Ben, Alex und Dennis selbstverständlich. Schon alleine, weil: „Auf den Dosen ist ja Pfand drauf.“ Aber auch die 24-jährigen wünschen sich mehr öffentliche Toiletten „schließlich zahlen wir ja genug Steuern“. Den Groll der Anwohner können sie zwar nachvollziehen, sehen hier aber auch die Stadt im Zugzwang.

Die drei jungen Männer sind in ihrer Freizeit eher selten am Feuersee: „Eigentlich wollten wir heute in die Innenstadt, aber da war es so voll. Deshalb sind wir hier her, hier ist es gerade besser“, sagen sie. Über die Ruhe am See freuen sich auch die vier Endzwanziger ein paar Stufen weiter: „In den letzten Wochen waren wir kaum hier, man hat ja keinen Platz bekommen und das Publikum war schon ein ganz anderes als normalerweise. Da hatten wir keine Lust. Heute ist es aber wieder richtig schön“. Dass sich die Anwohner beschweren, verstehen auch sie: „Manche Leute haben einfach eine schlechte Erziehung, vor allem wenn dann noch Alkohol im Spiel ist“, sagen sie. Dass das Ufer um 24 Uhr gesperrt wird, finden sie nicht schlimm „Wir ziehen dann einfach privat weiter“, erzählen sie.

Und als der Zeiger der Uhr schließlich auf 24 Uhr rückt, gehören die Vier tatsächlich auch zu jenen, die ohne Ansprache oder Aufforderung, wie selbstverständlich ihren Müll mitnehmen und den Platz ruhig und friedlich verlassen.




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