Stuttgart Stallions Drei Champions von Surge, aber viele Fragezeichen

Gibt die sportliche Richtung vor: Nikolas Knoblauch. Foto: Imago/Eibner

Organisatorisch gibt es in der neuen Hallenfootball-Liga IAL große Probleme, dennoch soll am Samstag in der Schleyerhalle das erste Heimspiel der Stuttgart Stallions stattfinden.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Der Start in die Saison hätte desaströser kaum sein können – denn er fiel aus. Das erste Spiel in der neu gegründeten internationalen Hallenfootball-Liga IAL zwischen den Düsseldorf Warriors und den Zürich Ibexx wurde am Samstag kurzfristig abgesagt, offiziell aus „logistischen Gründen“. Mehr ist bislang nicht bekannt, Verein und Liga-Organisation hüllen sich in Schweigen. Weshalb nun mit umso größerem Interesse nach Stuttgart geschaut wird.

 

Denn auch in der Stadt, in der das Surge-Team im September 2025 vor 36 784 Fans in der MHP-Arena den Titel in der European League of Football (ELF) gewann, ehe die Franchise kurz darauf Insolvenz anmelden musste, gibt es eine neue Hallen-Mannschaft. Laut IAL-Terminplan werden die Stuttgart Stallions am Samstag (18.30 Uhr) ihr erstes Heimspiel bestreiten – ausgerechnet gegen die Düsseldorf Warriors.

Bisher wurden nur wenige Tickets verkauft

Bislang sind für die Partie in der 12 000 Fans fassenden Schleyerhalle, zumindest zeigt dies ein Blick auf das Buchungsportal Ticketmaster, erst knapp 60 Eintrittskarten zum Einzelpreis von 53,38 Euro verkauft worden. Trotzdem geht Nikolas Knoblauch davon aus, dass der Auftakt wie geplant stattfinden wird. „Es ist eine neue Liga, in der sich Vieles noch einspielen muss“, sagt der Linebacker, „doch die Versprechungen, die mir gegenüber gemacht wurden, sind bisher alle eingehalten worden. Deshalb fokussiere ich mich voll auf die Aufgaben, die ich als Spieler habe.“ Und da gibt es genug zu tun.

Spielen weiterhin in einem Team: Nikolas Knoblauch (li.) und Alexander Kreß. Foto: Baumann

Arena-Football ist sehr schnell und dynamisch, taktisch ein bisschen weniger komplex als der normale Football, die Teams sind kleiner: acht Akteure stehen auf dem Feld, insgesamt 20 gehören zum Spieltags-Kader. Die Defensive der Stallions wird von drei ELF-Champions geprägt. Neben Nikolas Knoblauch (30) sind auch Alexander Kreß (32) und Thiago Siebert (25) Teil des neuen Projekts, alle drei haben zuletzt die Abwehr von Stuttgart Surge stabilisiert und dabei Außergewöhnliches erlebt.

„Wir waren eine Mannschaft, in der alles gepasst hat, die Chemie war besonders“, sagt Knoblauch, „auf dem Weg zum Titel haben wir Football auf höchstem Niveau gespielt, das war krass.“ Umso mehr schmerzte das finanzielle Aus: „Wir hatten in Stuttgart eine kleine Dynastie aufgebaut. Ich bin mir sicher, dass wir noch viele Jahre eines der europäischen Top-Teams geblieben wären.“ Auch die Enttäuschung darüber, dass es anders kam, bewog ihn zum Wechsel unters Dach.

Von Stuttgart Surge zu den Stuttgart Stallions: Thiago Siebert. Foto: Imago/HMB-Media

Nikolas Knoblauch, der in Geislingen lebt und Lehrer am dortigen Gymnasium ist, hat die Meisterschaft mit Surge so viel gegeben, dass er Vergleichbares, das kaum zu finden gewesen wäre, in einer der beiden neuen Football-Ligen (EFA, ALFE) erst gar nicht gesucht hat. Der Reiz, etwas Neues auszuprobieren, war größer: „Jetzt habe ich richtig Bock auf die Spiele in der Schleyerhalle.“

Die Verdienstmöglichkeiten für die Spieler sind beachtlich

Wie es seiner Art entspricht, hat sich der Defensivspezialist, der in seiner Karriere schon sieben Titel holte (unter anderem mit Frankfurt Galaxy in der ELF), auf die Herausforderung Hallenfootball voll eingelassen. Er las viel, studierte die Regeln und die Taktik, schaute zahlreiche Videos. Und merkte, dass dieses Spiel perfekt zu seinen Qualitäten als aggressiver, nach vorne attackierender Linebacker passt. „Ich bin ein physischer Typ, der es mag, wenn es auf dem Feld richtig scheppert“, sagt Nikolaus Knoblauch, „genau das wird passieren.“

Dazu kommt, dass sich in der IAL gutes Geld verdienen lässt – pro Einsatz kassieren die Spieler angeblich 1000 Euro, dazu soll es eine Prämie von noch einmal 1000 Euro pro Sieg geben. Das ist weit lukrativer, als es die Verträge in der ELF waren. „Es fehlt bei uns nicht am Geld“, sagt Knoblauch, „sondern eher an der Manpower vor Ort.“

Ob die Stallions in der Lage sind, alle organisatorischen Aufgaben zu bewältigen, wird sich erstmals am Samstag zeigen. Keine Zweifel hat Nikolas Knoblauch, was die Stärke seines Teams angeht, das seit Mitte März trainiert und dessen 30-Mann-Kader in dieser Woche erstmals komplett beieinander sein wird – inklusive der drei US-Importe Brady Lafferty (Quarterback), De’Andre Harris und Rahsaan Lewis (beide Wide-Receiver), dessen Vater Ray Lewis mit den Baltimore Ravens zweimal den Superbowl gewann und einmal als wertvollster Akteur ausgezeichnet wurde. „Wir sind eine gute Mannschaft“, sagt Nikolas Knoblauch, „ich bin überzeugt, dass wir beste Chancen haben, in die Play-offs zu kommen.“

Dafür müssten die Stuttgarter in der Staffel der sechs europäischen Teams Rang drei belegen. Gelingt ihnen das, dann ginge es in den Sommerferien für einen Monat zur Endrunde mit den drei stärksten US-Franchises nach Las Vegas, wo der Sieger zwei Millionen Dollar verdienen kann. Aktuell liegt dieses Ereignis allerdings noch in weiter Ferne. Erst einmal gilt es, den Auftakt in Stuttgart gut hinzubekommen. Das Desaster von Düsseldorf ist Mahnung genug.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu American Football Stuttgart Surge