Stuttgart-Süd: Lunch-Club Privater Lunch am Marienplatz: Warum hier jede Woche 13 Gäste am Esstisch sitzen

An der Tafel von Martin Peter (1.v. li) und Uta Weyrich (2. v. r.) nehmen nicht nur Menschen Platz, die der Hobbykoch und die Künstlerin kennen. Foto: Torsten Schöll

Seit zehn Jahren öffnen ein Hobbykoch und eine Künstlerin ihre Altbauwohnung für die „Mittagspause“. Ein Projekt zwischen Kulinarik und Begegnung, das weit über das Essen hinausgeht.

Kurz nach zwölf Uhr mittags. Ein Donnerstag, wie jeder andere am Marienplatz in Stuttgart-Süd. Doch nicht bei Hobbykoch Martin Peter und der Künstlerin Uta Weyrich. Denn heute ist in der Wohnung der beiden wieder „Mittagspause“-Tag. Wie seit zehn Jahren schon, und inzwischen nach Möglichkeit jede Woche einmal – vorausgesetzt die Gastgeber sind nicht auf Reisen.

 

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Dann tischt der ambitionierte 75-jährige Hobbykoch für maximal 13 Gäste auf. Diesmal auf dem Büfett: Carpaccio von Kohlrabi mit Kräuteröl und frittierten Kapern, Selleriesalat mit Birnen, Garnelen auf Polenta – ein Rezept des israelischen Starkochs Yotam Ottolenghi, wie Peter später verrät – oder wahlweise für Vegetarier: Zatar-Tomaten auf Polenta. Zudem gibt es geröstete Auberginen mit schwarzem Knoblauch sowie zum Dessert einen Kuchen aus ganzen Orangen.

Das Besondere an der „Mittagspause“ von Martin Peter und Uta Weyrich: Auch wenn es eine Liste mit potenziellen Teilnehmern gibt und Interessierte aufgrund der begrenzten Kapazität nur nach Voranmeldung teilnehmen können, müssen die beiden bei weitem nicht jeden kennen, der an ihrer Tafel Platz nimmt. Zeitweise nannte man es Lunch-Club-Konzept, wenn in privater Umgebung oder ungewöhnlichen Locations passionierte Hobbyköche für (zum Teil) fremde Gäste zu Mittag kochen. Üblicherweise ist dafür ein kleiner Unkostenbeitrag zu bezahlen.

Kein Stammtisch: Warum neue Gesichter erwünscht sind

Uta Weyrich, die von sich sagt, dass die Aktionskunst mit vielen Begegnungen „ihr Ding“ sei, ist der organisatorische Kopf hinter der „Mittagspause“. Peter, ehemaliger Lehrer, Sohn eines Ravensburger Lebensmittelhändlers und Hobbykoch mit ausgeprägter Passion, steuert die kulinarischen Kreationen bei. Es geht den beiden gleichermaßen um Esskultur wie um die Kultur der Begegnung, betonen sie.

Schnell kommen die Gäste am großen Tisch im Esszimmer der weitläufigen Altbauwohnung ins Gespräch. Manche kennen sich, viele sind sich noch fremd. Natürlich duzen sich alle. Der „Mittagstisch“ ist per se keine öffentliche Veranstaltung, wie Weyrich erklärt. Aktuell speist er sich aus einem E-Mail-Verteiler, in dem rund 130 Personen gelistet seien. „Es kommen aber immer wieder neue Menschen dazu.“ Meist auf Vermittlung anderer Gäste.

Jeden Donnerstag wird bei der „Mittagspause“ etwas Anderes aufgetischt, je nachdem, was Martin Peter auf dem Markt gefunden hat und welches Rezept ihn inspiriert hat. (Symbolbild) Foto: IMAGO/Cavan Images/IMAGO/Photographer: Mark W. Lipczynski

Das sei wichtig. „Es soll auf keinen Fall eine Art Stammtisch werden“, sagt Weyrich. Deshalb achtet die Künstlerin auch darauf, dass nicht immer dieselben zum Zug kommen. „Der Sinn des Ganzen ist, sich einmal in der Woche zwischen 12 und 14 Uhr ganz aus der Arbeit auszuklinken und komplett etwas anderes zu erleben“, sagt Weyrich. Die beiden Gastgeber pflegen auch sonst ihr „offenes Haus“: für kleine Konzerte und Ausstellungen oder indem sie Gäste auf Zeit bei sich wohnen lassen.

Für Leute, die noch nie dabei waren, könne der Einstieg mit Unsicherheit verbunden sein, sagt Weyrich. „Doch das legt sich meistens schnell.“ Auch deshalb, weil sich jeder so einbringen dürfe, wie er möchte: „Der eine öffnet sich, der andere schweigt mehr und hört zu.“ Klar ist aber auch: Die Gäste verbindet eine gewisse Bereitschaft zum kultivierten Gespräch, nur um satt zu werden, kommt hier keiner.

Vom Lehrer zum Gourmet-Gastgeber: Die Leidenschaft hinter den Rezepten

Für den Koch ist es ein kreatives Spiel, das schon lange vor dem Mittagspause-Tag mit der Planung des Menüs beginnt: „Ich gehe auf den Markt und lasse mich davon inspirieren, was es gerade gibt“, sagt Peter, dessen Wurzeln als ambitionierter Hobbykoch im väterlichen Lebensmittelladen seiner Kindheit lägen. „Da roch es schon in den 60er-Jahren nach Gewürzen, die damals kaum jemand kannte.“ Zudem lese er Kochbücher wie Romane. Ohne dogmatisch zu sein, koche er inzwischen fast immer vegetarisch, sagt er.

Vom Esszimmer geht der Blick direkt auf den Marienplatz. Hört man sich am Tisch in dem mit Kunstwerken geschmücktem hohen Raum um, trägt die „Mittagspause“, zu Recht ihren Namen: Die meisten unterbrechen tatsächlich ihre Arbeit, um ihre Pause hier, bei Martin und Uta, zu verbringen.

Eine davon ist Sia, die nach dem Essen beim Kaffee in der Küche ins Schwärmen kommt: „Man hat hier Begegnungen mit wunderbaren Menschen, und gleichzeitig ist es eine Wundertüte, weil man nie weiß, wen man trifft und was es zu essen gibt“, erklärt sie den Reiz der „Mittagspause“. Es sei eine Auszeit vom Alltag, kulinarisch, menschlich und auch, weil der Rahmen ausgesucht gestaltet sei.

Veranstaltung: Family Business in der Gastronomie

Termin
Am Mittwoch, 25. Februar 2026, findet die nächste Veranstaltung von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten statt – das Thema: Family Business in der Gastronomie.

Gäste
Alina Meissner-Bebrout und Steffen Meissner (Bibraud, Edda, Maison Meissner), Sebastian Finkbeiner von der Traube Tonbach, Simon Tress von den Tress Brüdern von der Schwäbischen Alb.

Moderation
Anja Wasserbäch (Kulinarik-Autorin der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten).

Datum
Mittwoch, 25. Februar 2026

Uhrzeit
19:00 Uhr

Ort
Look 21, Türlenstraße 2, 70191 Stuttgart

Tickets gibt es unter www.zeitung-erleben.de/familybusiness

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