Stuttgart Surge Der Traum vom Titel lebt – Einzug ins Finale ist perfekt

Überzeugte beim Sieg bei den München Ravens nicht nur mit seinem starken Wurfarm, sondern auch als Läufer: Reilly Hennessey, der Quarterback von Stuttgart Surge, erzielte zwei Touchdowns. Foto: Imago/Eibner

Die Footballer von Stuttgart Surge gewinnen ein hart umkämpftes ELF-Halbfinale bei den Munich Ravens mit 27:13. Am Sonntag steigt das Endspiel in der MHP-Arena gegen die Vienna Vikings.

30 Sekunden vor dem Ende des Halbfinales im Sportpark Unterhaching schnappte sich Mike Harley Jr. ein weißes Handtuch, wedelte damit ausgelassen über seinem Kopf und animierte mit dieser Geste die Fans von Stuttgart Surge, auf der Tribüne noch einmal richtig Gas zu geben. Die Anhänger kamen der Aufforderung mit großer Hingabe nach – und kurz darauf brachen vollends alle Dämme. Die Surge-Footballer lagen sich jubelnd in den Armen, schlugen sich gegenseitig auf die Brust, klatschten mit den Trainern und Betreuern ab. Das Team ist am Ziel – und hat doch noch einen Schritt zu gehen.

 

„Ich bin so stolz auf Euch!“, rief Cheftrainer Jordan Neuman im Jubelkreis, den das Team auf dem Rasen gebildet hatte, seinen Spielern zu – er sprach aber auch über die letzte Herausforderung, die in dieser Saison noch ansteht. Am nächsten Sonntag findet in der MHP-Arena in Stuttgart das Finale der European League of Football (ELF) statt. „Jetzt“, sagte der Coach, „wollen wir auch die Meisterschaft gewinnen.“

Jordan Neuman: „Wir haben abgeliefert!“

Vor diesem Satz hatte das Surge-Team drei Stunden harte Arbeit zu erledigen gehabt. Physisch, aber auch mental. „Der Druck, der auf diesem Spiel lag, war riesig“, meinte Jordan Neuman, „schon ein normales Halbfinale zu spielen, ist schwierig. Und zudem wusste auch noch jeder von uns, dass es darum geht, ein letzten Heimspiel in Stuttgart perfekt zu machen. Trotzdem haben wir uns nicht versteckt – sondern abgeliefert!“

Da hätte das Spiel kippen können: Cole Coleman (re.) von den Munich Ravens fängt den Pass in die Endzone, der für Mike Harley Jr. gedacht war. Foto: Imago/Eibner

Ihre Stärke zeigten die Gäste von Beginn an. In der Offensive funktionierte vor allem das Zusammenspiel zwischen Quarterback Reilly Hennessey und Mike Harley Jr. prächtig, der Wide Receiver kam auf insgesamt 144 Receiving Yards. „Was die beiden gemacht haben“, lobte Johannes Brenner, „war überragend.“ Der Co-Trainer, der die Defensive koordiniert, durfte aber auch mit der Abwehrarbeit hochzufrieden sein. Das Team schaffte es, Ravens-Quarterback Russel Tabor sechsmal (!) mit dem Ball in der Hand zu Fall zu bringen. Und als die Münchner zu Beginn des letzten Viertels auf dem Weg zum Ausgleich waren, gelang Ben Wenzler eine enorm wichtige Interception. „Diese Aktion hat den Ravens das Momentum genommen“, sagte der Defensive Back, „aber letztlich haben wir gewonnen, weil wir erneut eine sehr gute Teamleistung hingelegt haben.“ Und das über die kompletten 60 Minuten.

Surge muss einen Schockmoment verkraften

Schon der erste Angriff der Ravens endete nach einem Quarterback-Sack, anschließend machte Reilly Hennessey mit einem Lauf über fünf Yards den ersten Touchdown. Kollege Russel Tabor antwortete zwar prompt mit einem Lauf in die Stuttgarter Endzone zum 7:7-Ausgleich, danach ließ sich das Surge-Team aber nicht einmal durch eine Interception von Hennessey, dessen Pass die Ravens-Defensive in der eigenen Endzone abfing, oder die eine oder andere fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidung aus dem Konzept bringen. Und auch einen Schockmoment überstanden die Gäste.

Kurz vor der Pause musste Reilly Hennessey angeschlagen vom Feld, sein Vertreter Lars Heidrich übernahm für zwei Spielzüge. Dann kehrte der US-Amerikaner zurück, warf einen Traumpass auf Mike Harley Jr. und bediente seinen Wide Receiver anschließend noch einmal, so dass dieser den zweiten Touchdown erzielte – in die Kabine ging das Surge-Team mit einer 14:7-Führung. Diese baute, nachdem Mike Harley Jr. erneut drei Pässe gefangen hatte, Runningback Tomiwa Oyewo, der vergangenen Saison noch das Ravens-Trikot getragen hatte, auf 20:7 aus. Die cleveren Münchner, die einen wichtigen vierten Versuch ausspielten, verkürzten zwar auf 13:20 und profitierten anschließend von weiteren Strafen gegen die Gäste, dann aber folgte die Interception von Ben Wenzler, nach der Reilly Hennessey die gute Feldposition nutzte: Erst bediente er erneut Mike Harley Jr., dann machte er mit seinem zweiten Touchdown achteinhalb Minuten vor dem Ende alles klar – die 27:13-Führung ließen sich die Stuttgarter nicht mehr nehmen. Was folgte? Waren etliche Kampfansagen.

„Es war ein super Spiel von uns, unsere Defensive hat gezeigt, dass sie die beste der Liga ist“, erklärte Marvin Biegert, der in München geborene Surge-Center, „diesen Sieg haben wir unserer Abwehr zu verdanken. Jetzt holen wir auch den Titel.“ Ein paar Meter weiter schwor Sasan Jelvani seine Kollegen auf das Finale ein („Ein Sieg noch, Jungs!“), und Geschäftsführer Suni Musa meinte: „Das war eine Wahnsinnsleistung heute, richtig stark. Jetzt bringen wir es auch zu Ende.“

Gegner im Endspiel am Sonntag (15 Uhr) sind die Vienna Vikings, die ihr Halbfinale gegen Nordic Storm 28:20 gewonnen haben. „Unser Plan ist natürlich, uns jetzt auch den Titel zu sichern“, sagte Coach Neuman, „aber Wien ist ein richtig starker Gegner.“

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