„Videobeweis“, der neue „Tatort“ aus Stuttgart, verhandelt ein heikles Thema: Wie sollen Außenstehende beurteilen, ob Sex einvernehmlich oder erzwungen war?

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - So war es einst, bevor Corona in die Welt kam: Bei den Weihnachtsfeier floss der Alkohol in Strömen und landeten enthemmte Kollegen auch mal miteinander im Bett. Als sich die Mitarbeiter einer Versicherung zum Jahresausklang treffen, geht es nicht nur feuchtfröhlich zu, sondern weckt die attraktive Kim (Ursina Lardi) Begehrlichkeiten. Vor allem ihr Chef Oliver Jansen (Oliver Wnuk) würde gern mit ihr weiterfeiern und lockt sie in die Büroräume.

Das Opfer ist von der Brüstung gestürzt

Was dort passiert, darüber gehen die Meinung auseinander in „Videobeweis“, dem neuen „Tatort“ aus Stuttgart. Sicher ist: Am nächsten Morgen liegt im Foyer ein Mitarbeiter tot am Boden, der nicht freiwillig über das Geländer im Obergeschoss gestürzt ist. Kim und ihr Chef waren die einzigen, die nach der Weihnachtsfeier noch im Hause waren – und sind somit hochverdächtig.

Die Dialoge nehmen langsam fahrt auf

Die Geschichte dieses neuen „Tatorts“ wirkt unspektakulär und kommt zunächst eher mühsam in Schwung. Allmählich nehmen die Dialoge aber Fahrt auf, weil die Verdächtigen versuchen, sich gegenseitig auszutricksen. Hat der Chef seine Mitarbeiterin vergewaltigt? Oder hat sie ihn benutzt, um die ausgeschriebene Stelle zu bekommen? Die Fronten sind klar: „Ich häng’ dich dran, das schwör ich dir“ – „Nee, ich häng dich dran“.

Auch der Kommissar ist von der Verdächtigen fasziniert

Die verdächtige Kim scheint eine Nymphomanin zu sein, die Männer wie Frauen verschlingt und über ihren Beruf kühl sagt: „Ich modelliere Risiken“. Auch Kommissar Lannert (Richy Müller) lässt sich von ihrem Charme bezirzen, sodass er seinem Urteil nicht mehr recht trauen kann – womit dieser „Tatort“ bei seinem durchaus interessanten Thema gelandet ist: der zweifelhaften Wahrheit von Bildern. „Liegt die Wahrheit in dem, was man sieht oder in dem, was man nicht sieht?“, fragt Lannert – denn selbst Videoaufzeichnungen können unterschiedlich interpretiert werden. So wagen sich die Drehbuchautoren Katharina Adler und Rudi Gaul an ein heißes Eisen und in die Grauzone, die sich bei mancher sexuellen Begegnung eröffnet, die die Beteiligten unter Umständen sehr unterschiedlich wahrnehmen.

„Tatort-Videobeweis“, 1.1., 20.15 Uhr, ARD.

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