Stuttgart und Region Urlaub mit Kindern: Sechs Familien stellen ihre Pläne vor

Marius Schaffhauser und Carina Stövekens passen das Urlaubsprogramm immer auf ihren Sohn Liam an. Foto: privat

Unterwegs mit Baby, Schulkind oder Teenager – im Familienurlaub müssen immer Kompromisse geschlossen werden. Im fünften Teil unserer Serie So leben wir verraten sechs unterschiedliche Familien, wo und wie sie ihre Ferien meistern.

Campen, All-Inclusive-Hotel, Wandern oder Städtereise – die Vorstellungen von einem perfekten Urlaub liegen oft weit auseinander. Sind erst einmal Kinder mit von der Partie, wünschen sich manche Eltern, dass die Ferien schnell vorübergehen mögen. Oft schweißt gemeinsam unterwegs zu sein, Familien auch eng zusammen. Im fünften Teil unserer Serie, legen drei Familien ihre Urlaubsplanung vor.

 

Serie „So leben wir“


Familie Stöveken-Schaffhauser – bereit für die Weltreise zu dritt

Foto: privat

In der Elternzeit haben Carina Stöveken (30) und Marius Schaffhauser (31) es schon erlebt: Wie man als Familie zusammenwächst, wenn man gemeinsam auf Reisen geht. Sechs Wochen reiste das Stuttgarter Paar mit Sohn Liam im Camper durch Australien, die Küste entlang. Ihr Traum deshalb: Noch einmal gemeinsam zwei, drei Monate die Welt entdecken. Kommendes Jahr soll es losgehen.

Das Erspartes entscheidet über das Ziel

Der Bauingenieur und die Architektin werden dafür eine Auszeit vom Beruf nehmen. Derzeit legen sie Geld zurück. Wie viel Erspartes bis Ende dieses Jahres zusammenkommen wird, entscheidet dann über Ziel und Dauer ihrer Reise. Mexiko könnten sie sich vorstellen, auch Indien wäre eine Möglichkeit, sagt Carina Stöveken (30). Die letzten Jahre haben sie ihre Urlaube eher in Deutschland und Nachbarländern verbracht. Mal bei der Uroma, die am Chiemsee lebt oder am Comer See. In diesem Sommer geht es in eine Ferienwohnung am Gardasee.

2022 waren sie in Thailand, hatten nur die ersten beiden Nächte vorgebucht, sich dann mit Bussen und Taxis treiben lassen und spontan Quartiere gesucht. Das Programm: "Entspannt, so wie es gut für Liam war”, sagt die Mutter. Also waren sie oft am Meer oder guckten sich mal eine Tempelanlage an, durch die Tausenfüßler wuselten und Affen hangelten. Ein Erlebnis für den fünfjährigen Sohn, der auch gern mal allein ein paar Tage Urlaub bei Oma und Opa in Oberschwaben macht. (Lisa Welzhofer)

Familie Rieger – Ferien mit Teenager und Kompromissen

Mit ihrer Hündin Jacky fühlen sich Collin, Steffen, Nadine und Jayden (von links) in Kroatien am wohlsten. Foto: privat

In den Urlaub zu fliegen, ist für die Familie Rieger aus Weissach keine Option. Denn mit im Gepäck ist ihre Schäferhündin Jacky. Als Collin (16) und Jayden (13) jünger waren, ging es stets auf den Bauernhof. „St. Peter Ording, Bodensee, Allgäu - das waren auch schöne Urlaube“, erinnert sich Nadine Rieger (45).

Entspannen auf der Insel Korčula

Seit vier Jahren allerdings fahren sie nach Kroatien. In der Ferienwohnung und an den Stränden ist auch Hündin Jacky willkommen. 15 Stunden dauert die Autofahrt, dann erreichen sie das Dorf Račišće auf der Insel Korčula. Wenn die Familie noch schläft, dreht Nadine Rieger (45) am Morgen eine große Runde mit der Hündin und bringt auf dem Rückweg frische Brötchen mit. Gemeinsam planen die vier dann ihren Tag. Manchmal schauen sie sich Höhlen, Wasserfälle und Grotten an oder besuchen eines der vielen kleinen Dörfer auf der Insel Korčula. An anderen Tagen bleiben sie am Pool oder gehen an den Strand.

Ob es mit den Teenagern Diskussionen über das Urlaubsprogramm gibt? „Meistens nicht, jeder weiß, dass zum Familienurlaub auch Kompromisse dazugehören“, sagt Steffen Rieger. In diesem Jahr hatten die Riegers zunächst überlegt, zur Abwechslung an die spanische Küste zu fahren, doch Sohn Collin möchte mit seiner Klasse zusätzlich auf Studienfahrt nach Rom, sein Bruder Jayden wird in den Sommerferien eine Woche im Schullandheim verbringen. Und Kroatien sei nun mal günstiger als Spanien.

Was gegen einen zweiten Urlaub im Jahr spricht

Gegen einen zweiten Urlaub im Jahr hätte niemand etwas einzuwenden, doch dann müssten die Riegers Abstriche im Alltag machen. Zwei Mal im Monat gehen sie auswärts essen, zudem besuchen sie mehrmals im Jahr Nadine Riegers Familie im 300 Kilometer entfernten Landshut. Und zuhause wollen sie es schön haben: Im ersten Coronasommer haben sie sich einen Swimmingpool gekauft, außerdem gibt es im Haus und im Garten immer etwas, das saniert werden kann. (Susan Jörges)

Familie Lieb – wie wird man in den Ferien allen Kindern gerecht?

Foto: privat

Jannik und Lisa Lieb haben drei Kinder: zwei gesunde Jungen und ein Mädchen mit Behinderung. Ungewohnte Orte und Trubel bedeuten für Noemi Stress. Wenn sie Stress empfindet, schreit sie oder bekommt Krampfanfälle. Das macht Reisen zur Herausforderung. Mutter Lisa erinnert sich an einen Italienurlaub, in dem sie viel Zeit mit der damals Zweijährigen im Bungalow verbringen musste, weil diese so viel schrie. Als dann David auf die Welt kam, wurde die Frage drängender: Wie könnten sie den Bedürfnissen der Jungen besser gerecht werden?

Ein neues Urlaubsmodell

2022 hat die Familie etwas ausprobiert. Pfingsten verreisten sie zum ersten Mal ohne Noemi, im Sommer machten sie zu fünft Urlaub. Sie stellten fest, dass das ein gutes Modell ist. Auch dieses Jahr ging es Pfingsten zu viert nach Spanien. Dort verbrachten sie mit befreundeten Familien eine entspannte Zeit auf dem Campingplatz. Sie badeten im Meer, spielten Beachvolleyball, saßen abends lange im Restaurant und machten das, was sonst nicht möglich ist.

Noemi war in der Zeit im Stuttgarter Kinderhospiz und wurde dort liebevoll umsorgt. Sie bekam Besuch von ihren Großeltern, die auch fanden, dass es ihr dort gut ging. Dennoch fragten sich Jannik und Lisa Lieb, als sie auf dem Campingplatz ein Kind mit Downsyndrom sahen: Hätte Noemi dabei sein können? Nein. „Das scheitert schon an der Autofahrt, alles über drei Stunden geht nicht“, sagt Jannik Lieb. Außerdem: „Was hätte sie davon?“

Der Austausch mit anderen pflegenden Eltern im Kinderhospiz tut gut

In diesen Sommerferien fahren sie in ein Kinderhospiz im Allgäu. Dort können Familien mit behinderten Kindern Urlaub machen. Wenn sie eine Wanderung mit den Söhnen unternehmen, ist Noemi gut betreut. Und auch der Austausch mit anderen pflegenden Eltern tut gut. Die Plätze in Kinderhospizen sind begehrt. Ein Jahr im Voraus fragen sie an. Sie müssten immer sehr gut planen, sagt Lisa Lieb. (Viola Volland)

Familie Jux – mit Mutter und Sohn auf längere Reisen

Colline Jux war mit ihrem Sohn und Ihrer Mutter dieses Jahr zwei Monate in Südafrika. Foto: privat

Die Zeit, bis ihr 18 Monate alter Sohn in die Schule kommt, will Colline Jux aus Stuttgart-West nutzen, um längere Reisen zu machen. Zu Beginn dieses Jahres haben die beiden gemeinsam mit Jux Mutter zwei Monate in Südafrika verbracht. Ihre Wohnung haben sie währenddessen untervermietet. Von ihrer Basis in einem familienfreundlichen Vorort von Kapstadt haben die drei Ausflüge mit einem Mietwagen unternommen. Urlaubsbilder zeigen die drei am Tafelberg in Kapstadt und am Kap der guten Hoffnung.

Auf der Garden Route in Schlafenszeiten

Dass sich der Tagesablauf auf der Reise nach ihrem Kind richten würde, wusste Jux. „Der Urlaub war natürlich anders als meine früheren Reisen, aber das Land gemeinsam mit meinem Sohn zu entdecken, war großartig. Mit ein wenig Planung hat es super funktioniert.“ Die bekannte Garden Route am Westkap ist die Familie in Etappen gefahren, weite Strecken vor allem dann, wenn ihr Sohn geschlafen hat. Auf größere Städte folgten Ausflüge in die Natur – und eine Freundin, die aus Südafrika kommt, hat Jux Tipps für kinderfreundliche Unterkünftige und Safaris gegeben. Auch im nächsten Jahr soll es wieder zwei Monate auf Reisen gehen.

Im Sommer, wenn die Kita drei Wochen zu haben wird, nimmt Jux sich frei und will in den Schwarzwald fahren. Dort wohnen Familie und Freunde, die selbst auch Kinder haben. „Vielleicht fahren wir in diesem Jahr noch auf einen Bauernhof nach Österreich oder ins Allgäu. Mein Sohn liebt Tiere und da ist das genau das Richtige.“ (Susan Jörges)

 

Familie Grammel – Strandurlaub bei Narbonne hat Tradition

Max, Basti, Steffi und Julian Grammel (rechts) fahren im Sommer mit Tante, Onkel und Cousins weg. Foto: privat

Dein Traum-Urlaubsziel? Max (13) überlegt kurz und schüttelt dann den Kopf, „nein, habe ich nicht, ich bin zufrieden mit meinem Leben“, sagt der Teenager aus Fürnsal im Schwarzwald. Die Türkei würde ihn vielleicht noch reizen, da soll das Meer so schön türkis sein und jeden Tag Döner essen, das würde ihm und seinem Bruder Julian auch gut gefallen. Aber jetzt freuen sie sich erst einmal auf ihren traditionellen Familienurlaub im südfranzösischen Les Ayguades bei Narbonne. Seit vielen Jahren verbringen Max, Julian, Steffi und Basti Grammel dort zwei Wochen im Sommer zusammen mit Onkel, Tante und zwei Cousins in einer Ferienwohnung.

Lieber Sandstrand in Frankreich als Steinstrand in Kroatien

Nur einmal waren sie in Kroatien statt in Frankreich. Den Eltern hat die Natur dort gut gefallen, aber die beiden Jungs waren nicht so überzeugt. „Das Wasser hat mehr auf der Haut gebrannt als in Frankreich“, sagt Max und Julian mochte den Steinstrand nicht. In Frankreich sei das Meer zwar nicht so sauber, dafür sei der Strand zum Sandburgen bauen mit den Cousins einfach perfekt. Und nicht zu vergessen die Strandpromenade, auf der es allerlei Spaßangebote wie zum Beispiel Bungee-Trampoline gibt. „Da geben unsere Eltern gerne Geld aus“, sagt Julian und grinst.

Daheim fällt die Entspannung schwer

Urlaub ist den Grammels wichtig, vor allem Steffi ist gerne viel unterwegs. Daheim, sagt die Besitzerin eines Blumenladens in Loßburg, könne sie einfach nicht so gut abschalten, „denn eigentlich ist da immer etwas zu erledigen“. Darum bleibt es meist nicht nur bei einem Sommerurlaub. In der ersten Woche dieses Jahres ist die Familie mit der Oma in ein All-Inclusive-Hotel nach Malta geflogen und über Pfingsten waren sie in Leermoos. Außerdem hat sich ein Opa in Ligurien zur Ruhe gesetzt, darum ist auch Italien immer mal wieder eine Anlaufstelle für die Grammels. (Nadia Köhler)

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