Stuttgart Uni Hohenheim bekommt neues Zentrum für Tierwissenschaft

Im „Hohenheim Center for Livestock Microbiome Research (HoLMiR)“ sollen die Forscher die Rätsel der Vorgänge im Verdauungstrakt von Nutztieren auf den Grund gehen. Foto: dpa
Im „Hohenheim Center for Livestock Microbiome Research (HoLMiR)“ sollen die Forscher die Rätsel der Vorgänge im Verdauungstrakt von Nutztieren auf den Grund gehen. Foto: dpa

Was genau passiert im Verdauungstrakt von Kühen, Schweinen oder Schafen? Um das zu klären, wird an der Universität Hohenheim in Stuttgart ein Forschungszentrum gebaut – für 54 Millionen Euro.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Die Universität Hohenheim in Stuttgart hat am Freitag vom Wissenschaftsrat grünes Licht für den Aufbau eines millionenschweren Zentrums für Tierwissenschaften bekommen. Im „Hohenheim Center for Livestock Microbiome Research (HoLMiR)“ sollen die Forscher die Rätsel der Vorgänge im Verdauungstrakt von Nutztieren auf den Grund gehen. Die Wissenschaftler sehen dort den Schlüssel für die Lösung einer Vielzahl von Problemen in der Tierhaltung. Das neue Zentrum wird laut Universitätsbauamt 54 Millionen Euro kosten - und 2022 starten.

Die Wechselwirkung zwischen einer Kuh etwa und den Abermilliarden Mikroorganismen in ihrem Verdauungstrakt gilt als wichtige Stellschraube für ihr Befinden - ist aber laut Uni Hohenheim wenig erforscht. Anders als beim Menschen: In der Humanmedizin hat das Wissen über die Bedeutung der Mikroorganismen im Darm kontinuierlich zugenommen. Die Zusammensetzung beeinflusst nachweislich Psyche und Verhalten. Fehlfunktionen scheinen mitverantwortlich für chronische Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen wie Adipositas und Diabetes.

Das HoLMiR soll Grundlagenforschung betreiben

„Wir wissen, dass diese Mikroorganismen einen bedeutenden Einfluss darauf haben, wie sich Tiere verhalten, wie krankheitsanfällig sie sind, ob sie knappe Futterressourcen gut verwerten können und wie weit sie umweltkritische Stoffe ausscheiden“, erklärte Professor Markus Rodehutscord, Sprecher der zehn federführenden Forscher am künftigen HoLMiR. Dazu gehörten klimarelevante Gase, wie das von Rindern produzierte Methan.

Das HoLMiR soll Grundlagenforschung betreiben: Erkenntnisse über Art, Wirkungsweise, Genetik und mögliche Beeinflussung der Vorgänge soll helfen, vielfältige Probleme zu lösen. Ziel sei es, so Rodehutscord, neue Präventions- und Therapieansätze zu entwickeln, etwa um den Antibiotika-Verbrauch zu senken. Denkbar seien zudem Zuchtprogramme für angepasste Rassen, die mit weniger Futter auskommen. Auch Hinweise dazu, wie hochwertige Lebensmittel mit geringeren Umweltauswirkungen produziert werden können, werden erwartet.

Baubeginn ist für 2020 geplant

Das grüne Licht ist da. Formell wird über die Aufnahme der Bauten in die Förderung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) aber erst am 29. Juni entschieden.

Am HoLMiR sollen 40 wissenschaftliche und 20 nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt sein. Der Baubeginn ist für 2020 geplant, die Uni rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Die reinen Baukosten betragen 47 Millionen Euro, hinzu kommen drei Millionen für die Erstausstattung und vier Millionen für Großgeräte. Ein Gebäude umfasst Speziallabore, hinzu kommt eine Experimentaleinheit. Dort werden einmal bis zu 250 Rinder, Schafe, Schweine und Hühner gehalten und für Versuche am Tier genutzt. Spezielle Anlagen dort erlauben laut Uni eine keimfreie Haltung von Geflügel.




Unsere Empfehlung für Sie