Stuttgart untersucht Betreuungsbedarf der Grundschüler Eltern sollen bei Ganztagsschulen mitreden

Von  

Stuttgart treibt den weiteren Ausbau seiner Ganztagsschulen voran und will sich beim Bedarf stärker an den Eltern orientieren. Die erste Abfrage in Kitas läuft – in sieben Sprachen. Erste Ergebnisse kündigt Schulbürgermeisterin Isabel Fezer für diesen Herbst an.

  Foto: dpa
  Foto: dpa

Stuttgart - Der Bedarf an Ganztagsschulen steigt in Stuttgart weiter. Der Verwaltungsausschuss hat elf weiteren Grundschulen zugestimmt. Sie sollen bis 2020 beantragt werden. Dabei geht es Schulbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) nicht nur um einen Ausbau in der Fläche. Vielmehr sollen die städtischen Ganztagsschulen ein qualitätvolles Angebot bieten, das Akzeptanz findet und dem Bedarf der Familien entspricht. Die erste Umfrage läuft bereits: Die Stadt hat 11 000 Familien angeschrieben, deren Kinder in diesem oder im nächsten Jahr eingeschult werden. In sieben Sprachen – neben Deutsch auch Englisch, Französisch, Türkisch, Arabisch, Italienisch und Kroatisch – werden Eltern befragt, wann sie Betreuung wünschen und welche Inhalte für sie wichtig sind; sei es im sportlichen, musischen, kreativen Bereich oder bei den Hausaufgaben. Auch Elternvertreter in Kitas sowie Erzieherinnen wurden um Unterstützung gebeten. Am 4. August endete die Befragung. Im Herbst sollen die Ergebnisse den Gemeinderatsgremien vorgelegt werden.

Schulbürgermeisterin Fezer möchte die Ressourcen an der Ganztagsschule bündeln

„Es ist mir wichtig, dem Gemeinderat ein möglichst vollständiges und umfassendes Bild von den Bedürfnissen der Eltern zu übermitteln, um das künftige Handeln der Verwaltung entsprechend auszurichten“, hat Fezer an die Eltern und Erzieher geschrieben. In einem weiteren Schritt werde man untersuchen, „was die Ganztagsschulen anbieten“. Und drittens wolle man herausfinden: „Wie können wir beides miteinander in Einklang bringen?“ Deshalb soll im Herbst eine zweite Abfrage folgen. Darin sollen auch die Erfahrungen und Erwartungen von Schulleitern, Lehrern, Eltern, Kindern und den Trägern der Ganztagsangebote einfließen. „Im Frühjahr 2018 will ich Ergebnisse haben“, sagt Fezer. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie „ein hohes Interesse an einer Bündelung der Ressourcen an der Ganztagsschule“ hat – und nicht in einer flexiblen Nachmittagsbetreuung.

Unterdessen fordern die Gemeinderatsfraktionen der Grünen und der CDU klare Qualitätskriterien und eine Qualitätssicherung für die Betreuung. Beide verlangen, dass Fezer dem Gemeinderat alle zwei Jahre die Ergebnisse der Qualitätsentwicklung vorstellt. Im Detail gibt es allerdings Unterschiede. So möchten die Grünen explizit, dass auch Horte einbezogen werden, auch wenn diese qua Ratsbeschluss zu Auslaufmodellen erklärt worden sind. Zugleich verlangen die Grünen, „sukzessive das Schülerhaus als Mindeststandard an Betreuung an den Schulen“ einzuführen – denn die Verlässliche Grundschule sei „personell als auch konzeptionell nicht auf dem Standard, den wir für unsere Kinder wünschen“.

CDU plädiert für Angebotsvielfalt, Grüne für die gebundene Ganztagsschule

Die CDU hingegen moniert, dass es „keine gesamtstädtische Konzeption für die freizeitpädagogischen Angebote außerhalb des Regelunterrichts“ gebe. Aber: „Ein einheitliches Angebot braucht es hierbei sicher nicht“, gerade die Angebotsvielfalt sei ein Plus. Die CDU fordert zudem Aufklärung über die Zahl der Mischklassen, in denen Ganztags- und Halbtagskinder gemeinsam sitzen, während die Grünen verlangen, Mischklassen in Stuttgart abzuschaffen, weil diese „keine sinnvolle pädagogische Form darstellen“. Und: die CDU schlägt vor, einen Runden Tisch einzuführen, der Qualitätseckpunkte für die Betreuung in Schülerhäusern und Ganztagsschulen erarbeitet. Dies lehnen die Grünen ab: „Wir wollen keinen Runden Tisch und keine Strukturdebatte“, sagt Vittorio Lazaridis – „Ziel muss die gebundene Ganztagsschule sein“. Aber die enge Verzahnung von Jugendhilfe und Schule müsse pädagogisch und konzeptionell besser als bisher unterstützt werden.

Fezer will den Fokus jetzt vor allem auf die Kommunikation mit den Bezirken richten. Im Herbst will sie in öffentlichen Gesprächen in allen Planungsbereichen der Schulentwicklung mit Vertretern aus Politik, Schule und Verwaltung über den jeweiligen Sachstand der betroffenen Schulen sprechen, aber auch über das Investitions- und Sanierungsprogramm informieren und diskutieren. Wie jüngst bekannt wurde, müssen viele Schulen mit jahrelangen Verzögerungen rechnen, weil im Hochbauamt Personalstellen fehlen. „Viele Schulen machen sich jetzt Sorgen, wie es weitergeht“, berichtete Karin Korn, die Leiterin des Schulverwaltungsamts. Wie schnell der Ausbau der notwendigen Mensen und Aufenthaltsräume gehen wird, hängt wesentlich davon ab, ob und wie viele zusätzliche Stellen im Hochbauamt geschaffen werden. Die Übereinkunft aller Gemeinderatsfraktionen, 11,5 bestehende Stellen umgehend zu entfristen, ist ein erster kleiner Beschleuniger. Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD) hält 21 zusätzliche Stellen für notwendig. Darüber wird im Rahmen der Haushaltsplanberatungen zu entscheiden sein.

Sonderthemen



Unsere Empfehlung für Sie