Stuttgart-Untertürkheim Bald Licht am Ende des S-21-Tunnels

Von Mathias Kuhn 

In Untertürkheim wird bereits im Sommer mit dem Tunneldurchbruch gerechnet. Dieses Wochenende fallen indes S-Bahnen wegen einer Gleisverschwenkung in Obertürkheim aus.

In Untertürkheim ist der Tunnel  schon am Inselbad vorbei. Vom Karl-Benz-Platz aus sind es noch rund 200 Meter, bis die Röhren auf dem Gleisfeld nördlich des Untertürkheimer Bahnhofs wieder ans Tageslicht kommen werden. Foto: Mathias Kuhn
In Untertürkheim ist der Tunnel schon am Inselbad vorbei. Vom Karl-Benz-Platz aus sind es noch rund 200 Meter, bis die Röhren auf dem Gleisfeld nördlich des Untertürkheimer Bahnhofs wieder ans Tageslicht kommen werden. Foto: Mathias Kuhn

Untertürkheim - Vor knapp sechs Jahren begannen die Bauarbeiten für das Milliardenprojekt Stuttgart 21 in den Oberen Neckarvororten. Am Wangener Zwischenangriffspunkt in der Ulmer Straße wurden der 37 Meter tiefe Schacht gegraben und in der Benzstraße die neue Rettungszufahrt eingerichtet. Nachdem die ersten Maßnahmen noch einigen Staub aufgewirbelt und viel Lärm verursacht haben, schreiten die Arbeiten in den Tunnelröhren nun fast geräuschlos und zügig voran. Die meisten Bürger bekommen die Fortschritte kaum mit. Dabei sehen die Mineure bereits Licht am Ende der Tunnelröhren. Insgesamt führen zwei davon vom Hauptbahnhof unter dem Stuttgarter Osten hindurch nach Wangen. Vor dem Neckar verzweigen sich beide Röhren nochmals in zwei Kurven mit je zwei Röhren. Die Untertürkheimer Kurve führt unterm Inselbad und dem Karl-Benz-Platz hindurch zum künftigen Servicebahnhof am Eszet-Steg. Die Obertürkheimer Kurve unterquert das Lindenschulviertel und mündet auf Höhe des Nanz-Areals in die bestehende Gleistrasse Richtung Plochingen/Ulm.

Abschnitt Wangen Richtung Hauptbahnhof: Am weitesten fortgeschritten sind die Tunnelbauer in den beiden etwa 3,5 Kilometer langen Röhren, die vom Zwischenangriffspunkt Ulmer Straße in Richtung Hauptbahnhof führen. In beiden Röhren ist der Durchbruch längst erfolgt. Es besteht eine direkte Verbindung zwischen Ulmer Straße und der späteren Rettungszufahrt neben dem Wagenburgtunnel „Wir haben bereits mit dem Innenausbau der Röhren begonnen“, berichtet Andreas Dörfel, der Projektleiter des Bauabschnitts 1.6A. Große Schalmaschinen formen die Sohle und das Betongewölbe des künftigen Eisenbahnbauwerks – pro Tag rund zwölf Meter. Mehr als 500 Meter sind bereits geschafft. Das Ziel: Bis 2021 ist der Innenausbau der beiden Röhren vom Hauptbahnhof bis zum Untertürkheimer Bahnhof abgeschlossen. „Dann können wir die Röhren den Kollegen der Bahntechnik-Oberbau übergeben, die die Gleise, Weichen und Leitungen einbauen“, so Dörfel.

Abschnitt Obertürkheimer Kurve unterirdisch: Der Vortrieb der beiden Röhren in Richtung Hafenbahnstraße wurde im Sommer 2018 gestoppt. Er verharrt etwa 1600 Meter vom Zwischenangriffspunkt Ulmer Straße entfernt in zehn Metern Tiefe unter dem Gewerbegebiet der Firma Exler. „Bis zum Ende des bergmännischen Bauwerks auf Höhe des Nanz-Areals sind es noch 550 Meter“, erzählt Dörfel. Der Grund des vorläufigen Stopps: Grundwasser – 30 Liter pro Sekunde – rinnt in den Tunnel und muss abgepumpt werden. Die Vortriebsleistungen waren nicht zufriedenstellend. Sie haben aber nun zwei Verfahren getestet, mit denen die Mineure den Tunnel zügiger vortreiben können. „Zum einen haben wir einen Versuch gestartet, bei dem wir vorab den Abschnitt entwässern, in dem danach der Rohrschirm eingebracht wird. Zum anderen haben wir erfolgreich ein Düsenstrahlverfahren ausprobiert, bei dem ein Zementbodengemisch hergestellt wird. Mit welcher Methode, oder ob wir eine Kombination von beiden anwenden, muss sich noch entscheiden.“ Aus logistischen Gründen – der Wangener Schacht ist limitierend – werden die Mineure vermutlich frühestens 2020 mit dem Vortrieb in der Obertürkheimer Trasse fortfahren. „Wir konzentrieren uns zunächst auf die Untertürkheimer Kurve und den Innenausbau der Röhren“, so Dörfel.

Abschnitt Obertürkheimer Kurve oberirdisch: Auf Höhe des Nanz-Gebäudes wird der Obertürkheimer Tunnel ans Tageslicht kommen und in die bestehende Gleistrasse in Richtung Ulm münden. „Wir werden während des laufenden Fern- und S-Bahnbetriebs den Tunnelmund und das Trogbauwerk errichten“, so Dörfel. Voraussetzung dafür: Die Baufläche im Gleisbereich muss freigeräumt werden. Entscheidende Schritte erfolgen in den kommenden Wochen: Die S-Bahngleise werden verschwenkt. Dazu wurde in den vergangenen zwei Jahren auf dem einstigen Radfernweg und dem Uhlbach ein Fangedamm aufgeschüttet. Auf ihm werden – ab Ende Mai – die beiden neuen S-Bahn- und die Fernbahngleise verkehren. (Auswirkungen siehe Infokasten). Nach Fertigstellung des Tunnelmundes werden der Fernradweg und auch der Uhlbach/Neckarersatzbach wieder hergestellt werden. Bereits dieses Jahr soll die Unterführung am Imweg eingeweiht werden. „Dann wird auch die Fahrrad-Umleitung über den Imweg und die Otto-Hirsch-Brücken aufgehoben“, so Dörfel. Die Kanalbauarbeiten in der Augsburger Straße sind noch im Juni abgeschlossen.

Abschnitt Untertürkheimer Kurve unterirdisch: Die beiden Röhren haben problemlos das Inselbad und das Stadtbad unterquert. „Wir stehen mit beiden Röhren unter dem Karl-Benz-Platz und arbeiten hier wegen der geringen Überdeckung von sechs Metern bis zur Oberkante von nun an ebenfalls mit einem Rohrschirm. Er wird aus Stahlrohren und verpresstem Zement hergestellt.“ 555 Meter sind geschafft, noch knapp 200 Meter fehlen, bis die Röhren auf dem Gleisfeld wenige Meter nördlich des Untertürkheimer Bahnhofes ans Tageslicht kommen werden. „Wir werden den Durchbruch im Herbst schaffen.“

Abschnitt Untertürkheimer Tunnelmund oberirdisch: Zeitgleich mit dem bergmännischen Bau wird seit Jahren oberirdisch das Feld für die Anbindung des Stuttgart-21-Tunnels an die Gleise in Richtung Bad Cannstatt und dem künftigen Servicebahnhof vorbereitet. Sobald der Durchbruch im Herbst geschafft ist, wird mit dem Rohbau des Trogs begonnen. „Schließlich wollen wir 2021 die Röhre an die Kollegen der Bahntechnik übergeben“, so Dörfel.

Servicebahnhof Planabschnitt 1.6B: Die Bahnprojektgesellschaft hat die geänderten Pläne dem Eisenbahnamt eingereicht. Sie werden Anfang April im Bezirksbeirat Untertürkheim vorgestellt. Die Offenlegung des Planfeststellungsantrags für den Abstellbahnhof wird im Frühjahr 2019 erfolgen, der Erörterungstermin ist für kommenden Herbst geplant.

Abschnitt Interregiokurve Richtung Remstalbahn: Seit wenigen Wochen wird die Eisenbahnüberführung „Interregiokurve“ gebaut, die später den Verkehr aus dem Tunnel Untertürkheim, aber auch den Güterverkehr aus Kornwestheim kreuzungsfrei ins Remstal (und zurück) bringen wird. Dazu wurde eine Baustraße eingerichtet. Eine Spur der Augsburger Straße wurde für den Bauverkehr gesperrt. Die Interregiokurve wird südlich der bestehenden Eisenbahnbrücke über die Augsburger Straße auf Höhe des Kleintierzüchtervereins an die bestehende Güterverkehrsstrecke angeschlossen. Das Überbrückungsbauwerk im Zuge der Interregiokurve wird von April bis November 2019 errichtet.

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