Stuttgart-Vaihingen Die musikalischen Rebellen der Zukunft

Eine Gruppe junger Menschen flieht vor einer düsteren Staatsmacht zu den „Geröllkindern“. So heißt das neue Stück an der Robert-Koch-Realschule Foto: Wiebke Wetschera
Eine Gruppe junger Menschen flieht vor einer düsteren Staatsmacht zu den „Geröllkindern“. So heißt das neue Stück an der Robert-Koch-Realschule Foto: Wiebke Wetschera

Die Schüler der Robert-Koch-Realschule in Stuttgart-Vaihingen führen in diesem Jahr das Musical „Geröllkinder“ auf. Insgesamt gibt es vier Vorstellungen. Wer Karten haben will, muss sich beeilen.

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Vaihingen - Im Musiksaal der Robert-Koch-Realschule herrscht reges Treiben. 24 Schülerinnen und Schüler stehen in Formation vor der Spiegelwand in dem ansonsten gelb und orangefarbenen Raum. Auf dem Parkettboden sind mit Kreppband Markierungen aufgeklebt. Überall liegen Kabel herum. Die Boxen vibrieren, als die ersten Töne der Musik erklingen. Dann fangen die ersten Darsteller langsam an zu singen. Erst ist nur eine Solostimme zu hören, dann stimmen die anderen mit ein – bis das gesamte Ensemble gemeinsam singt. „Ich kriege immer eine Gänsehaut, wenn eine Stimme anfängt und dann immer mehr dazu kommen“, sagt Emma, die eine der Hauptrollen im Musical spielt.

In diesem Jahr führen die Schüler der Robert-Koch-Realschule das Musical mit dem Namen „Geröllkinder“ auf. Darin geht es um eine Gruppe junger Menschen, die in der postmodernen Welt leben. In ihrem Bezirk leben sie in Armut und Hunger, da sie von der Staatsmacht unterdrückt werden. Die Hauptpersonen sind die Schwestern Rafaela und Sina sowie Sinas Freund Samir, die gemeinsam vor der Staatsmacht flüchten und sich der Rebellengruppe „Geröllkinder“ anschließen wollen.

Etwa 180 Schüler sind beteiligt

„Es ist das erste gesellschaftspolitische Stück“, sagt Hans-Jürgen Fuchs, der die Proben leitet und das Stück geschrieben hat. Der Englisch- und Musik-Lehrer hat sich dabei von den Büchern „Die Tribute von Panem“ und „Krabat“ inspirieren lassen. „Es ist das erste Stück, das so düster ist. Und ehrlich gesagt, ist es am Ende auch politischer geworden, als es eigentlich werden sollte“, sagt Fuchs.

Mittlerweile haben sich die Darsteller auf der Bühne hintereinander aufgestellt. Jeder von ihnen hält eine Flasche gefüllt mit Wasser in der Hand. „Die Flaschen symbolisieren den Alltagstrott, den die Bewohner hier haben“, erklärt Fuchs. Die Darsteller geben die Flaschen untereinander hin und her. Und wieder hin und her. „Immer wieder das Gleiche tun“, singt das Ensemble lauthals dazu.

Dann wird die Musik ausgemacht. „Stopp, machen wir noch mal die Stelle“, unterbricht Fuchs die Szene. Noch dreimal wiederholen die Darsteller anschließend die Szene. Dann ist Fuchs zufrieden, und der nächste Dialog beginnt. Zurzeit proben die Schüler täglich zwei Stunden lang. Das Team aus 180 Schülern teilt sich in das Ensemble auf der Bühne, das aus 18 Sängern und sechs Tänzern besteht. Andere Schüler sind für Ton, Licht oder die Maske verantwortlich. „Im November fangen wir mit den ersten Proben an. Das ist jedes Jahr der gleiche Ablauf“, sagt Fuchs.

Es gab ein schulinternes Casting

Zu dem großen Team zählen auch der große und der kleine Chor, die das Ensemble beim Auftritt unterstützen werden. Sieben weitere Lehrer arbeiten gemeinsam mit Fuchs an der Realisierung des Musicals. Wenn der Text mal nicht sitzt, gibt es Unterstützung von zwei Regieassistentinnen. „Ich bin zufrieden mit der aktuellen Leistung. Unser Ziel ist es natürlich, bei der Generalprobe bei 100 Prozent zu sein“, sagt Fuchs.

Die Wahl der Darsteller fiel bei einem schulinternen Casting. Die drei Hauptdarsteller haben aber schon beim letzten Musical mitgewirkt. „Ich bin schon seit zwei Jahren dabei“, sagt die 16-jährige Emma, die die Rolle der Sina spielt. Im vergangenen Jahr spielte sie bereits eine Hauptrolle, auch deshalb wurde sie für das diesjährige Musical wieder ausgewählt. „Philipp haben wir ausgesucht, weil er sehr gut in die Rolle des jugendlichen Liebhabers passt“, sagt Fuchs. Auch die 15-jährige Louisa hat im vergangenen Jahr einen guten Eindruck hinterlassen und deswegen dieses Mal eine Hauptrolle bekommen. „Ich bin eigentlich eher zurückhaltend, aber auf der Bühne blühe ich richtig auf“, sagt sie.

Es gibt kein richtiges Happy End

Noch spielen die Darstellerinnen und Darsteller fast ohne Requisiten und Kostüme. Lediglich die Figuren der Staatsmacht sind bereits mit schusssicheren Westen und Handschellen ausgestattet. Bei der ersten Bühnenprobe mit Kostümen will Fuchs alles bereit haben. „Ich hoffe, dass ich dann die Vision vom Stück, die ich mal hatte, auf der Bühne sehe“, sagt Fuchs. Insgesamt vier Aufführungen wird es geben. Die letzte Aufführung am Donnerstag ist bereits ausverkauft. Für alle anderen Tage gibt es noch Karten. „Man freut sich eigentlich das ganze Jahr über auf das Musical“, sagt Emma. Und – so viel verrät Emma schon vorab: „Es gibt kein richtiges Happy End. Aber das offene Ende ist auch ein Anfang von etwas Neuem“, sagt sie.

Für das Musical „Geröllkinder“ gibt es am Montag, Dienstag und Mittwoch, 17., 18. und 19. Juli, noch Karten. Los geht es um 19 Uhr in die Robert-Koch-Realschule, Vischerstraße 21. Die Eintrittskarten sind per Mail an tickets@robert-koch-realschule.de erhältlich. Erwachsene zahlen zwölf Euro Eintritt, ermäßigte Tickets kosten sechs Euro.




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