Stuttgart-Vaihingen Feuerwehr mahnt etliche Defizite an

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Die Zahl der Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr Stuttgart-Vaihingen steigt. Gleichzeitig fordert das Führungstrio der Wehr einen besseren Gesundheitsschutz für die Kollegen. Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Vaihinger Wehr hat eine Drehleiter von der Berufsfeuerwehr übernommen. Foto: Alexandra Kratz
Die Vaihinger Wehr hat eine Drehleiter von der Berufsfeuerwehr übernommen. Foto: Alexandra Kratz

Vaihingen - Es ist ein Rekordergebnis: 271-mal musste die Freiwillige Feuerwehr Vaihingen im vergangenen Jahr ausrücken. Bisher lag der Durchschnitt bei jährlich etwa 250 Einsätzen.

Warum steigt die Zahl der Einsätze?

Gründe für diese Steigerung gibt es viele. Der wichtigste ist wohl, dass die Zahl der Unwetter immer weiter steigt. Diese Naturgewalten bringen selbst die Feuerwehrmänner manchmal an ihre Grenzen. „Ein Feuer ist meistens nur punktuell, und du kannst es bekämpfen. Aber wenn die Wassermassen in den Straßen stehen und Bäume umknicken, dann gibt es gleich viele Probleme auf einmal“, sagt der Kommandant Roland Häberle. Außerdem würden diese Unwettereinsätze lange dauern und auch darum an den Kräften zehren.

Hinzu kommt die Nachverdichtung im Synergiepark und auf dem Universitätsgelände. Beides gehört zum Bereich der Freiwilligen Feuerwehr Vaihingen. Die neuen, hochmodernen Bürokomplexe und Institutsgebäude, insgesamt sind es etwa 50 Häuser mehr als früher, sind allesamt mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet. Diese funkt beim geringsten Verdachtsmoment automatisch an die Feuerwehr. Eine sehr positive Entwicklung, betont der stellvertretende Kommandant Mathias Messerle. Schließlich könnten Brände so in einem sehr frühen Stadium erkannt und Unglücke vermieden werden. Aber die moderne Technik habe manchmal auch ihre Tücken, die Zahl der Fehlalarme sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Gleiches gelte für die Rauchmelder, die inzwischen in jedem Privathaushalt Pflicht seien, sagt der stellvertretende Kommandant Florian Zieker.

Wer zahlt bei einem Fehlalarm?

Manchmal gibt es auch kuriose Einsätze. So zum Beispiel am Weihnachtsabend, als ein Bürger wegen eines piepsenden Rauchmelders bei der Feuerwehr angerufen hat. Selbstverständlich rückten die Frauen und Männer aus. Doch das Gerät piepste lediglich, weil die Batterie fast leer war. Ein anderes Mal suchte die Vaihinger Feuerwehr vergeblich nach einem Rauchmelder, der anscheinend einen Brand meldete. „Wir fanden das Gerät ewig nicht, bis wir es in einer Mülltonne entdeckten“, sagt Häberle schmunzelnd. Die Mitarbeiter eines Malerbetriebs hatten das Gerät wohl auf diese Weise entsorgt. Ein Feuer gab es zum Glück nicht. Dennoch ist Häberle über jeden aufmerksamen Nachbarn froh, der auch nur wegen des geringsten Verdachts bei der Feuerwehr anruft. Er betont, dass dadurch keinem Bürger ein finanzieller Schaden entsteht, auch wenn es ein Fehlalarm war.

Warum ist die Wehr unzufrieden?

Doch trotz dieser Kuriositäten arbeiten die Feuerwehrmänner hart und riskieren ihr Leben – und das im Ehrenamt. Dafür wünschen sie sich mehr Anerkennung, nicht in Form von warmen Worten, sondern in Form eines angemessenen Gebäudes und einer ausreichenden Ausstattung. Der Kommandant und seinen beiden Stellvertreter haben dabei in erster Linie den Gesundheitsschutz für ihre Kameraden im Blick. Zum anderen geht es ihnen aber auch um die Motivation. Die Vaihinger Wehr ist in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen. Aktuell sind es 70 Aktive, die Jugendfeuerwehr hat 18 Mitglieder, die Altersabteilung zählt etwa zehn Mitglieder.

Die Vaihinger Aktiven sind bei vielen großen Einsätzen eingebunden und eine wichtige Stütze der Berufsfeuerwehr. „Aber das Haus an der Bachstraße ist ein einziger Missstand, daran ändert auch ein frischer Anstrich nichts“, sagt Messerle. Das sei buchstäblich alles nur Fassade, im Gebäude selbst habe sich nichts getan. Roland Häberle ergänzt: „Es wurden immer nur Kleinigkeiten gemacht.“ So seien zum Beispiel der Parkplatz gerichtet und Fahrradbügel aufgestellt worden.

Welche Missstände gibt es?

In den vergangenen Jahren monierte das Führungsteam immer wieder, dass es keine Abgasabsauganlage gebe. Wenn der Alarm kommt und die Motoren gestartet werden, stehen die Feuerwehrmänner beim Umziehen direkt dahinter und atmen die giftigen Gase ein. Die Umkleiden sind das nächste Problem, denn es gibt gar keine. „Wenn die Tore offenstehen, sehen mich die Passanten draußen in Unterhose“, sagt Messerle. Freilich habe er in diesem Moment andere Sorgen, aber dennoch sei der Zustand alles andere als zeitgemäß. Hinzu kommt, dass es keine getrennten Umkleidebereiche für Männer und Frauen gebe. „Wer neu zu uns kommt, der runzelt da schon mal die Stirn“, sagt Häberle. Darüber hinaus ist der Bereich für die Jugendfeuerwehr zu klein. Das Führungstrio fordert ein Gesamtkonzept. Bisher habe es lediglich eine Analyse des Ist-Zustands gegeben. „Wir bewegen uns in der Landeshauptstadt immer nur langsam voran“, bedauert der Kommandant.

Was ist mit dem Fuhrpark?

Beim Fuhrpark gibt es auch positive Entwicklungen. Die Vaihinger Wehr hat vor drei Jahren ein neues Hilfeleistungslöschfahrzeug bekommen. Seit wenigen Wochen haben die Frauen und Männer auch eine andere Drehleiter. Die kommt zwar nicht aus dem Werk, sondern von der Berufsfeuerwehr, ist für die Vaihinger aber trotzdem eine deutliche Verbesserung. Darüber hinaus hat die Vaihinger Wehr ein Löschgruppenfahrzeug, ein Tanklöschfahrzeug und einen Mannschaftstransportwagen. Früher hatte die Wehr ein weiteres Löschgruppenfahrzeug, das mittlerweile aber eingespart ist.

Wie geht es nun weiter?

Häberle und seine beiden Stellvertreter haben sich vorgenommen, die Defizite immer wieder anzumahnen. Nur aktuell halten sie still. Denn Stuttgart sucht zum 1. September einen neuen Feuerwehrchef. Der Branddirektor Frank Knödler geht in Ruhestand. Zudem wird im Mai ein neuer Gemeinderat gewählt. Wenn „der frische Wind weht“, wie Häberle es formuliert, wolle er wieder ins Verfahren einsteigen. „Dann werden wir intensiv darauf hinarbeiten, dass sich etwas tut“, betont der Kommandant. „Wir können nicht noch einmal fünf oder zehn Jahre warten. Schließlich geht es um den Gesundheitsschutz.“

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