Stuttgart-Vaihingen Firmen-Mitarbeiter möbeln Parkhausbilanz auf

Von Götz Schultheiss 

Das Park-and-ride-Parkhaus am Österfeld ist nicht ausgelastet. Bis es einmal soweit ist, sollen 100 Parkplätze für jeweils rund 50 Euro an Step-Mitarbeiter vermietet werden, damit wirtschaftlich gearbeitet wird.

Auch auswärtige Dieselfahrer dürfen ins Österfeldparkhaus rein, vorausgesetzt, sie steigen auf den öffentlichen Nahverkehr um. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Auch auswärtige Dieselfahrer dürfen ins Österfeldparkhaus rein, vorausgesetzt, sie steigen auf den öffentlichen Nahverkehr um. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Vaihingen - Wie das Parkhaus am Österfeld am besten zu nutzen ist, darüber scheiden sich in Vaihingen die Geister. Der Nährboden für Streit ist fruchtbar, denn Verkehr ist ein Reizthema im Stadtbezirk, durch den sich in allen Richtungen Blechlawinen wälzen. Neue Gewerbeansiedlungen wie Allianz und neue Quartiere wie auf dem Eiermann-Campus verschärfen die Lage.

Ein Sahnehäubchen auf das Ganze ist das Dieselfahrverbot. Dass jetzt, wie von der Stadtverwaltung vorgesehen, auswärtige Dieselfahrer durch die Stadt, also am schnellsten durch die Heerstraße, ins Österfeldparkhaus fahren dürfen, bevor sie auf Bus und Bahn umsteigen, geht vielen gegen den Strich.

Vier Prozent der Polygo-Karten waren fehlerhaft

Erst nach längerer Diskussion einigte sich der Bezirksbeirat Vaihingen auf eine Lösung. Der Hintergrund: Für das Parkhaus Österfeld gibt es ein Pilotprojekt. Dort gilt das Prinzip, wonach der Parkschein auch der Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr ist. Damit will man verhindern, das Firmenmitarbeiter aus der Umgebung, vor allem vom Step-Areal, die Parkplätze im Haus belegen. In Deutschland einmalig soll es sein, dass man das Parkschein- und Kassensystem auch mit der Polygo-Karte bedienen kann, und mit dieser Polygo-Karte können Kunden zu einem günstigeren Tarif im Österfeldparkhaus ihr Auto abstellen.

Allerdings hatte es in der Vergangenheit Klagen über angeblich fehlerhafte Polygo-Karten gegeben. „Diese Mängel haben vier Prozent der von der Bundesbahn ausgegebenen Karten betroffen. Sie sind jetzt behoben“, versicherte Gebhard Hruby, der Geschäftsführer der Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg, die das Österfeldparkhaus betreibt.

Diesel-Fahrer müssen nachweisen, dass sie auf öffentlichen Nahverkehr umsteigen

Vor geraumer Zeit hatte der Bezirksbeirat den Plänen der Stadt, dieses Pilotprojekt um weitere fünf Jahre zu verlängern, eine Absage erteilt. Alle Fraktionen bemängelten, dass die Parkraumgesellschaft dem Gremium keine Zahlen als Grundlage für den Beschluss vorgeleget habe. Weil das Park-and-ride-Parkhaus im Österfeld zurzeit noch nicht ausgelastet ist, sollen etwa 100 Parkplätze gegen den Monatsbetrag von rund 50 Euro an Mitarbeiter im Step-Gebiet vermietet werden. Für die Änderung der Tarife wäre aber ein Gemeinderatsbeschluss nötig.

Selbst Pendler mit Diesel-Kraftfahrzeugen der Euronorm/IV mit grüner Plakette sollen parken dürfen. Allerdings müssen sie nachweisen, dass sie ihr Auto im Österfeldparkhaus oder in einer der 16 anderen Park-and-ride-Anlagen, die außerhalb des Stadtkessels freigegeben sind, abgestellt haben. Die Parkraumgesellschaft soll die Mietverträge für die Step-Mitarbeiter so gestalten, dass sie kurzfristig gekündigt werden können, wenn die Auslastung steigt.

Wenn Parken am Straßenrand nichts kostet, ist es schwer, das Parkhaus zu füllen

Zweifel am Gelingen des Konzepts hatte vor wenigen Tagen eine Anwohnerin, die in Richtung Step-Areal wohnt. Sie ärgerte sich nicht nur über die Dieselfahrer, die künftig an ihrem Haus vorbei ins Gebiet Österfeld fahren dürfen. Auf die belegten Parkplätze am Straßenrand deutend, sagte sie: „Die arbeiten im Step. Warum sollen sie Geld im Parkhaus ausgeben, wenn sie kostenlos am Straßenrand stehen können?“ Mehrheitlich stimmte der Bezirksbeirat für die Verlängerung des Parkhausprojekts um fünf Jahre, aber nur, wenn die 100 Parkplätze kurzfristig vermietet werden.

Grundsätzliche Zweifel am Funktionieren des Pilotprojekts äußerte der Bezirksbeirat Ulrich Bayer (CDU): „Jeder auswärtige Diesel-4-Fahrer, der durch Vaihingen fährt, kann behaupten, dass er zum Österfeldparkhaus unterwegs ist.“ Volker Schweizer (Grüne) sagte: „Ich breche eine Lanze für das Projekt, auch wenn ich die Ausnahme für Dieselfahrer für Unsinn halte. Für Pendler gibt es kein besseres Parkhaus als das am Österfeld. Es ist anschlussoffen für moderne Konzepte. Es wäre fatal, abzulehnen.“ Auch Axel Weber (CDU) war für die Weiterführung, mahnte aber: „Auf keinen Fall darf Parken im Parkhaus billiger sein, als auf dem Step-Areal.“ Linus Fuchs (SPD) befand: „Das Parkhaus war erst fremdgenutzt und voll. Dann wurde es einem Zweck zugeführt und es ist nicht voll. Deshalb ist es gut, kurzfristig Parkplätze zu vermieten.“

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