Stuttgart-Vaihingen Im Ortskern sterben die Geschäfte

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Gähnende Leere, wo eins geschäftiges Treiben herrschte. Der Ortskern des Stadtteils verliert an Attraktivität. Beweis dafür sind geschlossenen Läden und abgeklebte Schaufenster. Wie kann die Stadt gegensteuern?

Die Hauptstraße in Vaihingen ist alles andere als eine Flaniermeile. Foto: Sandra Hintermayr
Die Hauptstraße in Vaihingen ist alles andere als eine Flaniermeile. Foto: Sandra Hintermayr

Vaihingen - Gähnende Leere, in manchen ehemaligen Geschäften in der Vaihinger Ortsmitte sieht man nichts als gähnende Leere. Wie groß die Not ist, zeigt ein Sachstandsbericht der Stadtverwaltung, in dem 15 derzeit brach liegende Ladenflächen aufgeführt sind.

Markant ist die ehemalige Schiller-Buchhandlung am Vaihinger Markt 17. Für den Laden liegen aktuell keine konkreten Anfragen vor, heißt es in dem Papier der Verwaltung. Ähnlich sieht es beim ehemaligen Zoohaus Schöninger an der Sigmundtstraße aus. Vereinzelt gebe es Interessenten, aber noch keinen konkreten Antrag. Leer steht auch das Geschäft an der Hauptstraße 30, wo einst Kinder- und Schwangerschaftsmode verkauft wurde. Etwas abseits befindet sich das Gelände von Reifen Luz an der Glockenblumenstraße. Für die Immobilien gibt es laut der Liste der Stadtverwaltung keine Anfrage.

Mancherorts entstehen Pop-up-Läden

Das Zauberwort heißt Zwischennutzung. Sogenannte Pop-up-Geschäfte ziehen von heute auf morgen in ein leer stehendes Geschäft, bleiben aber meist nicht lang. In der ehemaligen Apotheke am Schillerplatz gab es vorübergehend Designermode zu kaufen. Inzwischen ist das aber wieder Vergangenheit. Nun plane der Eigentümer ein Café, heißt es auf der Liste.

An der Möhringer Landstraße 16, dem ehemaligen Motorrad-Sattler-Gelände, gibt es gar eine Pop-up-Galerie. Für ein Jahr ist dort das Atelier Farbwerk Stuttgart eingezogen. Die Zukunft scheint bereits geklärt. Denn der Stadt liegt ein Antrag vor. Das Gebäude soll nach der Zwischennutzung abgerissen und ein neues Mehrfamilienhaus mit einem Büro im Erdgeschoss gebaut werden.

Leer steht auch das Erdgeschoss des markanten Eckgebäudes an der Kreuzung Möhringer Landstraße/Kaltentaler Abfahrt. Dort war einst ein Bio-Laden drin und zuletzt ein Geschäft für Motorradbekleidung. Der Eigentümer hat aber mitgeteilt, dass es demnächst zu einem Vertragsabschluss für eine Nachnutzung komme.

Ungenutzt sind seit einigen Jahren auch die Ladenflächen an der Hauptstraße 21 und 23, wo einst die Targo-Bank und die Telekom waren. In der Hausnummer 21 sind Wohnungen und im Erdgeschoss kleinteilige Gewerbeflächen geplant. In der Hausnummer 23 soll ein Boardinghaus mit einem Café im Erdgeschoss entstehen.

300 000 Euro für den Stadtbezirk

Ein Sorgenkind ist noch die ehemalige Bäckerei Schrempf an der Ackermannstraße 2. Das Gebäude steht mittlerweile seit Jahren leer. An der Fassade hängt ein riesiges Banner. Dieses verrät, dass das Unternehmen Schatz Consult dort „in Kürze ein hochwertiges Wohn- und Bürohaus“ bauen will. Brach liegt auch das sogenannte Postquartier zwischen der Möhringer Landstraße und der Emilienstraße. Das Siedlungswerk hat das Gelände gekauft. Genaue Pläne oder Anträge liegen der Stadtverwaltung aber aktuell noch nicht vor.

Das erklärte Ziel des Gemeinderats und der Stadtverwaltung ist es, den Ortskern Vaihingens aufzuwerten. Die Kommunalpolitiker haben im Doppelhaushalt unter dem Stichwort „Stadtteilzentren konkret“ 300 000 Euro bereit gestellt. Das Stadtplanungsamt möchte den größten Batzen, nämlich 250 000 Euro, für eine Machbarkeitsstudie und sogenannte erste Maßnahmen verwenden. 50 000 Euro sind für ein Förderprogramm zur Wiederbelebung von Geschäften und Stadtteilzentren gedacht. Die Fachleute haben dabei in Vaihingen vor allem die Hauptstraße und das Bülow-Center an der Robert-Koch-Straße 2 im Blick. Gefördert werden sollen bauliche Maßnahmen wie zum Beispiel die Zusammenlegung von Ladenflächen oder die Schaffung neuer Geschäfte im Erdgeschoss bestehender Häuser.

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