Stuttgart-Vaihingen/-Möhringen Verein veranstaltet Turnier für verstorbenen Jungen

Es ist ein ganz besonderes Turnier, das sich eine Spielgemeinschaft aus Stuttgart-Vaihingen ausgedacht hat. Am 22. Juli treten acht Junioren-Mannschaften an, um an ihren Kameraden Pedram Cham zu erinnern. Er ist viel zu früh gestorben.

Pedram Cham war Torspieler im Verein. Er ist im Alter von 13 Jahren gestorben. Foto: privat
Pedram Cham war Torspieler im Verein. Er ist im Alter von 13 Jahren gestorben. Foto: privat

Filder - Wenn sich die Fußball-Junioren der Vaihinger Spielgemeinschaft am 22. Juli die Kickstiefel schnüren, wird es ihnen schwer ums Herz sein. Denn am nächsten Samstag haben sie kein einfaches Spiel. Sie treten an für einen Freund und Vereinskameraden, der viel zu früh von ihnen gegangen ist: Pedram Cham ist am 17. Januar 2016 im Alter von 13 Jahren an einem Gehirntumor gestorben. Ihm zu Ehren richtet die Spielgemeinschaft GFV Omonia-1. FC Lauchhau-Lauchäcker 04 Vaihingen am 22. Juli das „Pedram-Cham- Gedächtnisturnier“ aus. Acht U-10-Mannschaften, die fast allesamt aus der Region Stuttgart stammen, nehmen teil. Die Idee für das besondere Turnier stammt vom ehrenamtlichen Kinder- und Jugendtrainer Swen Anderson und seinen Kollegen im Verein.

Ihn verband mit dem Jungen weit mehr

Pedram begann mit fünf Jahren zu kicken. Swen Anderson hat ihn eine kurze Zeit trainiert, doch ihn verbindet mit dem verstorbenen Jungen um einiges mehr. Pedram war der beste Freund seines Sohnes, sie waren unzertrennlich.

Während Swen Anderson davon erzählt, sitzt er am Esstisch von Bahram Cham und Nahid Shahinzadeh, den Eltern von Pedram. Auf dem Tisch in der Wohnung in Möhringen stehen rote Rosen in einer Vase, am Kühlschrank und an der Wohnzimmerwand hängen etliche Fotos: Pedram, wie er Faxen macht, Pedram mit Schultüte, Pedram in Torwartkluft – einfach Pedram, wie er war, bevor er krank wurde. „Er war sehr humorvoll“, sagt Nahid Shahinzadeh.

Das traurigste Bild entstand im Krankenhaus

Ihr Mann Bahram Cham hat sein Handy in der Hand und sucht nach weiteren Bildern. Er zeigt Fotos von Pedram im Urlaub, als alles noch gut war, auf einem anderen kuscheln seine Frau und Pedrams ältere Schwester Bitta mit ihm im Krankenhausbett. „Das ist das traurigste Bild, das ich gemacht habe“, sagt der Vater. Die Fotos dokumentieren, wie rasch der Krebs und die Medikamente den Jungen verändert haben. Das Kortison hat den blonden und hageren in einen pausbäckigen Bub verwandelt, die Schulkameraden seien auf dem Klinikflur achtlos an Pedram vorbeigegangen – weil sie ihn nicht erkannt hätten.

Nahid Shahinzadeh steht immer wieder auf und läuft rüber ins Zimmer von Pedram, das fast noch so eingerichtet ist, als wäre nichts geschehen. Die Eltern sagen, sie seien noch nicht bereit, es zu verändern. Die Mutter sucht in dem Zimmer nach Bildern, die ihr Sohn gemalt hat. Kinderzeichnungen, die Talent vermuten lassen. Mit einem Bild hat Pedram einen Schülerwettbewerb gewonnen. Ein anderes hat er gemalt, als er schon in der Klinik war: eine Jahrmarktszene mit Achterbahn und einem riesigen, grinsenden Luftballon mit Zähnen und Firlefanz im Gesicht. Nett sieht der Ballon aus – und gleichzeitig unheimlich, er füllt einen Großteil des Blattes.

Die Eltern von Pedram stammen aus dem Iran, sie wirken gefasst, erzählen offen davon, wie alles kam. Gleichzeitig ist ihre Trauer genauso greifbar wie der Radiergummi, der noch auf Pedrams Schreibtisch drüben im Zimmer liegt, wie er ihn damals hinterlassen hat. „Pedram konnte nie still sitzen“, sagt Nahid Shahinzadeh. Ein Kind voller Tatendrang und Lebensfreude. Etwas mehr als ein Jahr mussten die Eltern mit ansehen, wie es mit ihm zu Ende ging.

Anfangs machte sich keiner Gedanken

Es war im Spätherbst 2014, als sich die ersten Anzeichen ins Leben der Chams drängten. Erst spärlich, weshalb sich keiner Gedanken machte. Pedram verschluckte sich beim Essen, übergab sich oder fühlte sich schlapp. Kurz vor Weihnachten sollte er mit seinem Vater zur Tante nach Landon fliegen. „Pedram hat im Kalender die Tage gezählt“, erzählt seine Mutter. So sehr habe er sich gefreut. Dann änderte sich plötzlich alles. Er wollte nicht ohne sie reisen, wollte in der Stadtbahn auf ihrem Schoss sitzen. „Als Zwölfjähriger“, sagt sie. „Er war sehr anhänglich.“ Vater und Sohn flogen trotzdem. Weil es dem Jungen in London aber gleich sehr viel schlechter ging, er zum Beispiel auf allen Vieren zur Toilette krabbelte, sind sie in eine Klinik gegangen.

Nach der Diagnose, die Bahram Cham seinem Sohn zunächst verschwieg, hat die Tante die beiden mit dem Auto nach Stuttgart gefahren, fliegen durfte Pedram nicht mehr. Nahid Shahinzadeh erfuhr erst jetzt, dass ihr Sohn krank war. Unheilbar krank. An Heiligabend, 18 Uhr, wurden sie im Olgäle aufgenommen.

In der Rückschau ging alles sehr schnell. Die Chemotherapie dauerte von Anfang Januar bis Mitte Februar, anfangs konnte Pedram noch laufen, wenn auch nur langsam, dann saß er im Rollstuhl. „Er hat sich immer wieder mit den neuen Situationen abgefunden“, sagt die Mutter. Im Oktober 2015 konnte er nicht mehr sprechen, er schrieb auf Zettel, was er zu sagen hatte. Im Dezember ging selbst das nicht mehr, er kommunizierte stumm mit seiner Familie. Am 17. Januar 2016 ist Pedram Cham im Olgäle gestorben.

Die Ärzte hätten von Anfang an gesagt, dass es aussichtslos sei, erzählt Bahram Cham. Natürlich wollten die Eltern das nicht glauben, haben im Internet recherchiert, etliche Kliniken und renommierte Ärzte kontaktiert. „Wir haben es auf der ganzen Welt versucht“, sagt er. Vergebens.

Ein Geschenk an den Verstorbenen

Swen Anderson wischt sich die Tränen aus den Augen. Das Gedächtnisturnier am 22. Juli ist für ihn ein Geschenk an den Verstorbenen. „Es ist was Persönliches für mich“, sagt er.

Bei dem Turnier am Samstag geht es nicht ums Gewinnen. Alle teilnehmenden Mannschaften bekommen einen Pokal, auf dem der Name von Pedram verewigt ist. Neben dem Turnier ist eine Tombola geplant. Der Erlös ist zum einen für einen Grabstein und die Pflege von Pedram Chams letzter Ruhestätte vorgesehen, zum anderen für die Organisation Primaklima, die krebskranken Kindern einen Kurzurlaub vom Klinikalltag bietet. Pedram war im Mai 2015 mit Primaklima für vier Tage an der deutsch-französischen Grenze.

Ob Nahid Shahinzadeh beim Gedächtnisturnier dabei sein kann, ist ungewiss. Sie ist hochschwanger mit Zwillingen – im Alter von 47 Jahren. Der Kaiserschnitt ist für Anfang August geplant. Sie wünscht sich, dass sich die Kinder noch etwas Zeit lassen.

Gedächtnisturnier Das Fußballturnier für Pedram Cham ist am Samstag, 22. Juli, auf der Sportanlage Vaihingen-West an der Hauptstraße 170. Es beginnt um 10 Uhr.

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