Stuttgart-Vaihingen Stadt lässt Rampe am Alten Friedhof bauen

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Seit Jahren fordert der Bezirksbeirat eine Rampe am Haupteingang des Alten Friedhofs. Diese würde den barrierefreien Zugang ermöglichen. Aus Denkmalschutzgründen wurde die Rampe bislang abgelehnt. Nun kommt Bewegung in die Sache.

Die 15 Zentimeter hohe Stufe ist für manchen Bürger ein Hindernis. Weil das Eingangsgebäude unter Denkmalschutz steht, wurde eine Rampe bislang abgelehnt. Ende Februar soll nun eine Lösung kommen, die den Anforderungen entspricht. Foto: Sandra Hintermayr
Die 15 Zentimeter hohe Stufe ist für manchen Bürger ein Hindernis. Weil das Eingangsgebäude unter Denkmalschutz steht, wurde eine Rampe bislang abgelehnt. Ende Februar soll nun eine Lösung kommen, die den Anforderungen entspricht. Foto: Sandra Hintermayr

Vaihingen - Das Wichtigste ist: Es wird eine Rampe geben. Von Ende Februar an soll sie Menschen, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, den barrierefreien Zugang zum Alten Friedhof ermöglichen. Das bestätigt Volker Schirner, der Leiter des städtischen Garten-, Friedhofs- und Forstamts (GFF). Bereits 2013 hatten die Vaihinger Bezirksbeiräte in einem Antrag die Errichtung einer Rampe gefordert. Er wurde aus Denkmalschutzgründen abgelehnt. In den Jahren darauf folgten weitere Anträge zur Rampe. Denn der bisherige barrierefreie Zugang liegt hinter dem Eingangsgebäude und führt vorbei an den Gerätschaften der Friedhofsgärtner, an Grünschnitt und verwelkten Blumenkränzen. Das sei unangenehm und unwürdig, befand die 2015 im Bezirksbeirat gegründete Arbeitsgruppe Barrierefreies Vaihingen in einem späteren Antrag, der ebenfalls abgelehnt wurde. Im September 2016 lautete die Begründung: „Das Eingangsensemble steht unter Denkmalschutz. Das Denkmalamt hat strikt abgelehnt, die Gesamtansicht vorne am Eingangstor abzuändern.“

Die Stadt lehnte die Rampe mehrfach ab

Die Arbeitsgruppe wollte diese Aussage nicht hinnehmen. Mit einer mobilen Rampe lenkten sie im November 2016 die Aufmerksamkeit der Bürger auf das Thema. Harald Marquardt, freischaffender Künstler, Designer und Vorsitzender des Kunstvereins Kultur am Kelterberg, nahm daraufhin Kontakt mit der Gruppe auf und bot an, eine Rampe zu entwerfen, die dem Denkmalschutz entspricht. Er arbeitete an verschiedenen Entwürfen, nahm Anregungen zum Denkmalschutz auf. Dennoch: Im August 2017 lehnte das GFF die Rampe erneut ab und gab nach wie vor den nicht erfüllten Denkmalschutz als Grund an. Trotz der Änderungen stimmten die zuständigen Referate nach wie vor keiner baulichen, dauerhaften Veränderung zu, hieß es. Daraufhin hat die Barrierefrei-Gruppe selbst Kontakt mit dem Landesdenkmalamt aufgenommen. Das wiederum habe zugesagt, dass einige von Marquardts Entwürfen dem Denkmalschutz entsprechen, berichtet Gabriele Leitz von der Arbeitsgruppe.

Der Künstler hatte sich für seine Entwürfe Kostenvoranschläge einer Schlosserei machen lassen, die je nach Ausführung der Rampe zwischen 3200 und 4100 Euro liegen. Im Dezember erteilte das GFF Marquardt eine Absage „aus wirtschaftlichen Gründen“, berichtet der Künstler. Das Angebot von ihm und der Barrierefrei-Gruppe, die Kosten, die über das Budget der Stadt hinausgehen, über Sponsoren und den Topf für bürgerschaftliches Engagement im Bezirksbeirat zu decken, sei nicht beachtet worden. „Das hätten wir stemmen können. So kann man nicht mit Leuten umgehen, die sich ehrenamtlich engagieren“, findet Gabriele Leitz. Über Monate habe Marquardt viel Arbeit in die Entwürfe gesteckt und kein Honorar dafür verlangt. „Das ist ein Schlag für das bürgerschaftliche Engagement“, sagt Leitz.

Bezirksbeirat und Sponsoren könnten Mehrkosten übernehmen

Während Harald Marquardt in der Bezirksbeiratssitzung im Januar noch seinem Unmut Luft gemacht hatte, sieht er die Situation inzwischen eher pragmatisch. „Hauptsache, die Rampe kommt. Wie sie dann aussieht, ist mit egal.“ Er wolle sich nun nicht länger damit befassen.

Seitens des GFF heißt es, man habe Marquardt die Möglichkeit gegeben, sein Angebot einzureichen. Es sei aber schlicht zu teuer gewesen. Man habe zudem mehrere Betriebe angefragt und drei Angebote für die Rampe erhalten. Ende Dezember sei die günstigste Schlosserei ausgewählt worden. „Am städtischen Vergabeverfahren kann ich nichts ändern. Die Angebote werden von der Vergabestelle neutral bewertet, und normalerweise bekommt der günstigste Anbieter den Auftrag“, erläutert Volker Schirner.

Den langen Zeitraum vom ersten Wunsch bis zur Umsetzung der Rampe erklärt er mit den denkmalschutzrechtlichen Auflagen. „Das trägt nicht gerade zur Beschleunigung der Sache bei.“ Nach der Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt sei die Ausschreibung erfolgt. Die Rampe aus Stahl soll die etwa 15 Zentimeter hohe Stufe am Haupteingang überbrücken und wird laut Schirner alle geltenden Normen und Sicherheitsvorkehrungen erfüllen, zu denen etwa Radabweiser und Geländer gehören.

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