Stuttgart-Vaihingen/Stuttgart-Rohr Der geplante Sendemast erregt die Gemüter

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Etwa 40 Bürger kamen in die Sitzung des Bezirksbeirats, um ihrem Unmut über den Funkturm Luft zu machen, den die Deutsche Telekom auf der Rohrer Höhe errichten will. Sie fürchten um ihre Gesundheit und den Wert ihrer Immobilien.

Mit dem neuen Sendemast will die Telekom die Versorgung mit LTE, also schnellem mobilem Internet, ausbauen. Foto: Mauritius
Mit dem neuen Sendemast will die Telekom die Versorgung mit LTE, also schnellem mobilem Internet, ausbauen. Foto: Mauritius

Vaihingen/Rohr - Geht es nach den Anwohnern auf der Rohrer Höhe, dann besteht kein Bedarf für den Sendemast. Etwa 40 Bürger sind am Dienstag in den Bezirksbeirat gekommen. „Wir wollen den Mast verhindern“, sagte einer der Anwohner im Rahmen der Sitzung. Es gebe bereits acht Türme, von denen sechs genau das Gebiet abdecken, das der neue Mast mit dem Mobilfunkstandard LTE, also schnellem mobilen Internet, versorgen soll. Die Mobilfunkanbieter O2 und Vodafone hätten bereits Sendemasten, die das schnelle Internet gewährleisten. „Die Rohrer Höhe ist gut versorgt“, sagte der Anwohner. Lediglich die Deutsche Telekom habe eine Unterversorgung entlang der Thingstraße. Die Rohrer schlagen vor, dass die Telekom die Mobilfunkmasten der anderen Unternehmen mit nutzen soll, statt einen neuen zu errichten.

Die Bürger äußerten in erster Linie gesundheitliche Bedenken. „Der Sendemast strahlt direkt in die umgebenden Häuser“, klagte ein Anwohner. Diverse Studien hätten die Gesundheitsgefahr durch die von Funktürmen ausgehende Strahlung bestätigt, argumentierten die Anwohner. Es gebe Häuser, die im Umkreis zwischen 30 und 100 Metern zum geplanten Masten liegen. „Man muss an die Gesundheit der Bürger denken.“

Die Bürger haben Widerspruch gegen den Mast eingelegt

Bereits vorige Woche hatten die Rohrer Widerspruch beim Baurechtsamt gegen den Bau des Funkturms eingelegt. Der Mast soll auf dem städtischen Grundstück an der Ecke Musberger Straße/Rohrer Höhe aufgestellt werden, mitten zwischen Landschaftsschutzgebiet und einem dicht besiedelten Wohngebiet, kritisieren die Bürger. In dem Landschaftsschutzgebiet gebe es „seltene Tierarten“, etwa Fledermäuse, die es doch zu schützen gelte, argumentierten die Bürger in der Bezirksbeiratssitzung. Der etwa 25 Meter hohe Mast liege zudem im Blickfeld zahlreicher Balkone und Terrassen. Der Mast habe eine „starke Wertminderung der Immobilien“ zur Folge.

Die Information der Stadt zum Bau des Antennenmasts mit einer Funkübertragungsstation durch die Deutsche Funkturm GmbH, einer Tochter der Deutschen Telekom, habe die Anwohner kurz vor Weihnachten erreicht. „Ein schönes Geschenk“, äußerte eine Bürgerin in der Sitzung ihren Unmut. Schnell formierte sich auf der Rohrer Höhe Widerstand. „Es gibt noch erheblichen Diskussionsbedarf“, finden die Bürger.

Bezirksbeiräte wollen Anliegen der Anwohner aufgreifen

Den Vorschlag der Anwohner, den vorhandenen Masten nahe der Autobahn aufzurüsten, lehnte die Stadtverwaltung bereits ab. Das sei „funktechnisch nicht möglich“, erklärte Pressesprecher Martin Thronberens gegenüber unserer Zeitung. Man habe Alternativstandorte geprüft, aber es sei kein Eigentümer bereit gewesen, sein Grundstück für einen Funkturm zur Verfügung zu stellen. Zur Gesundheitsgefährdung könne die Stadt keine Auskunft geben, der Strahlen- beziehungsweise Emissionsschutz liege in der Zuständigkeit des Bundes. Ob das Baurechtsamt den Masten überhaupt genehmigt, ist zudem noch nicht geklärt.

„Ich wohne selbst in der Ecke, und die Situation ist noch schlimmer, als Sie es beschrieben haben“, gab Eyüp Ölcer (Freie Wähler) den Anwohnern recht. Es gebe noch einige Fragen, die geklärt werden müssten, gerade im Hinblick auf etwaige Alternativen. Volker Weil (FDP) fragte, ob denn die Anwohner bereits versucht hätten, mit der Telekom zu sprechen. „Man kann doch in einen Dialog treten“, sagte Weil. Die Anwohner verneinten, man habe noch keinen Kontakt mit der Telekom gehabt, sondern zunächst den Widerspruch bei der Stadt einbringen wollen. Reinhard König (SÖS/Linke-plus) schlug vor, bis zur nächsten Sitzung im Februar einen fraktionsübergreifenden Antrag im Sinne der Rohrer Anwohner auszuarbeiten. Dem stimmten die anderen Bezirksbeiräte zu.

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