Einkaufen in Stuttgart-Vaihingen Wie behauptet sich ein kleiner Buchladen?

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Im Vaihinger Buchladen steht ein Inhaberwechsel an. Aber lohnt es sich, heute noch in eine Buchhandlung zu investieren? Wir haben bei den beiden künftigen Inhaberinnen nachgefragt.

Karin Bilsing (rechts) übergibt den Vaihinger Buchladen an Birgit Närger (links) und Helke Stadelmeier (2. v. rechts). Sonja Körner (2. v. links) bleibt weiter im Team. Foto: Sandra Hintermayr
Karin Bilsing (rechts) übergibt den Vaihinger Buchladen an Birgit Närger (links) und Helke Stadelmeier (2. v. rechts). Sonja Körner (2. v. links) bleibt weiter im Team. Foto: Sandra Hintermayr

Vaihingen - Die Welt des bedruckten Papiers ist im Wandel. Stärkster Konkurrent ist das Internet, welches die Möglichkeit bietet, Bücher auf dem Bildschirm eines Handys oder E-Book-Readers zu lesen. Auch Onlinebestellungen nehmen zu und machen den niedergelassenen Läden das Leben schwer. Dennoch haben sich zwei Buchhändlerinnen in Vaihingen bewusst dazu entschieden, in den Buchhandel zu investieren. Helke Stadelmeier und Birgit Närger übernehmen zu Beginn des neuen Jahres den Vaihinger Buchladen an der Robert-Leicht-Straße 30 B. Beide sind seit Jahren Teil des Teams der kleinen Buchhandlung. Für sie war es eine Herzensentscheidung.

„Wir sind im Ort verwurzelt“, sagt Helke Stadelmeier, „und der enge Kundenkontakt, der unser Geschäft ausmacht, wird auch weiterhin bestehen bleiben.“ Die Mitarbeiterinnen kennen viele Kunden namentlich, wissen, welche neuen Bücher sie ihnen empfehlen können. „Viele kommen auch nur auf einen Plausch mit uns vorbei“, sagt die Angestellte Sonja Körner. Als die jetzige Inhaberin Karin Bilsing ihren Mitarbeiterinnen erzählt habe, sie wolle den Laden abgeben, hätten Närger und Stadelmeier nicht lange überlegt. „Wir konnten uns nicht vorstellen, dass es diesen Laden nicht mehr gibt“, sagt Närger.

Das Internet nutzen, nicht fürchten

Dennoch: „Es ist ein Wagnis, in diesen Zeiten eine Buchhandlung zu übernehmen“, sagt Stadelmeier. Dass auch andere Buchhändler so denken, zeigt das Schicksal der Schiller-Buchhandlung. Weil die Inhaberin Susanne Martin keinen Nachfolger gefunden hatte, musste das Geschäft nahe des Vaihinger Markts im Februar schließen. Des einen Leid ist aber des anderen Freud: Einige Kunden konnte der Vaihinger Buchladen durch die Schließung der Schiller-Buchhandlung gewinnen. „In Vaihingen gibt es den Bedarf nach einem Buchladen“, sagt Stadelmeier. Birgit Närger ist überzeugt, dass persönliches Engagement und Leidenschaft der Schlüssel zum Erfolg sind. „Wenn ich nicht daran glauben würde, dass wir eine Zukunft haben, hätte ich mich nicht für den Kauf der Buchhandlung entschieden.“

Der Konkurrent Internet ist im Vaihinger Buchladen quasi ein Verbündeter: Über die Homepage des Geschäfts können Kunden Bücher bestellen und sie, wenn die Bücher auf Lager sind, noch am selben Tag im Laden abholen. Ist das Buch nicht auf Lager, kommt es am Folgetag. Einen Lieferservice bietet die Buchhandlung ebenfalls. „Der Onlineshop wird gut genutzt“, sagt Närger. Um für die Kundschaft attraktiv zu bleiben, wird es im Vaihinger Buchladen auch weiterhin Autorenlesungen und Abende mit Buchempfehlungen geben, für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Buchvorstellungen und das Bilderbuchkino. „Das starke Interesse daran zeigt, dass es auch heute noch Kinder gibt, die lieber ein Buch in der Hand halten, als einen Bildschirm“, sagt Stadelmeier.

„Wir haben den schönsten Beruf der Welt“

In diesem Jahr hat der Vaihinger Buchladen den Deutschen Buchhandlungspreis in der Kategorie „Hervorragende Buchhandlungen“ bekommen. Damit werden inhabergeführte Buchhandlungen ausgezeichnet, die ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, die innovative Geschäfts­modelle verfolgen oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren. Es ist eine Bestätigung für die Arbeit, die die vier Frauen im Vaihinger Buchladen leisten. „Wir sind klein und unabhängig, und wir bieten neben den großen Namen auch Bücher von kleinen und unabhängigen Verlagen an“, sagt Karin Bilsing. Die Entscheidung, ihren Laden abzugeben, sei ihr nicht leicht gefallen. „Nach zwölf Jahren schwingt da viel Wehmut mit. Ich habe das mit Herzblut gemacht“, sagt Bilsing. Es sei schwer, den Laden hinter sich zu lassen. „Wir haben den schönsten Beruf der Welt“, sagt sie. Es seien persönliche Gründe gewesen, die sie zum Abschied bewegt haben. Zunächst wollen sie und ihr Mann sich eine Auszeit nehmen und reisen. Wie es danach weiter geht, weiß Bilsing noch nicht. „Aber ich freue mich auf etwas Neues“, sagt die Buchhändlerin. Und mit Helke Stadelmeier, Birgit Närger und Sonja Körner, die dem Team weiterhin treu bleibt, gibt sie ihren Laden in gute Hände. „Er bleibt in der Familie“, sagt Bilsing.

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