Stuttgart verabschiedet Finanzbürgermeister Föll wechselt als „Rennpferd“ in einen anderen Stall

Von Josef Schunder 

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat jetzt seinen langjährigen Finanzbürgermeister und wichtigsten Stellvertreter verloren. Kultusministerin Susanne Eisenmann freut sich auf ihren neuen Amtschef.

Michael Föll (Mitte) mit  OB Fritz Kuhn und   Ministerin  Susanne Eisenmann Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Michael Föll (Mitte) mit OB Fritz Kuhn und Ministerin Susanne Eisenmann Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Leicht macht es der Politiker Michael Föll den anderen selten. Das haben am Freitag auch über 300 Gäste noch ein bisschen zu spüren bekommen, die zu der Verabschiedung des Finanzbürgermeisters und Ersten Bürgermeisters in die Wagenhallen gekommen waren. Zunächst durfte Jan Steffen Jürgensen, Vorstandsvorsitzender des Klinikums, über die Medizin in der Metropolregion Stuttgart reden.

Ein Werbeblock? Ablenkung vom Skandal um die Auslandsabteilung des Klinikums? Nein, der ins Kultusministerium wechselnde Föll und OB Fritz Kuhn erklärten es so: Eigentlich habe Föll keine Abschiedsveranstaltung gewollt. Wenn doch, dann mit einem „pädagogisch wertvollen Beitrag“. Und das Klinikum sei ja auch ein Juwel der Stadt, Rückgrat der Gesundheitsversorgung und Ort von „hervorragender Arbeit“, sagte Föll. Er wolle aber die Ereignisse um die Internationale Abteilung „nicht kleinreden“.

Der mächtigste Mann im Rathaus war er nicht, sagt Föll

Im eigentlichen Festteil gab es zwischen Chopin-Vorträgen der Pianistin Mariya Filippova Szenen einer schmerzlichen Trennung. Föll sei 15 Jahre ein „Kämmerer der Sonderklasse“ gewesen, sagte Kuhn bedauernd, außerdem ein extrem zäher und hartnäckiger Verhandler, ein schneller Durchschauer komplizierter Sachverhalte, ein Förderer der Kultur und jemand mit ungewöhnlich viel „Freude am Politischen selbst“. Der Grüne ließ – wie später der Christdemokrat Föll – durchblicken, wie sehr man es schätzte, am Abend noch kurz zu zweit über den Horizont der Kommunalpolitik hinaus zu denken. Kuhn habe ihn so gezwungen, öfters mal seine „intellektuelle Faulheit abzulegen“, gestand Föll (53), der Amtschef im Kultusministerium sein wird. Föll zeigte sich beim Rückblick nicht nur deswegen bewegt. Auch als Kämmerer könne man glücklich sein, bilanzierte er. Fähige Kollegen hätten ihn unterstützt, auch bei der kompletten Entschuldung der Stadt. Die häufigen Urteile, dass er im Rathaus der starke Mann gewesen sei, verwies Föll ins Reich der Legende. Die wichtigste Währung für einen Kämmerer sei das Vertrauen des Oberbürgermeisters, die zweitwichtigste Währung das Vertrauen des Gemeinderats.

Größer als die Neigung, bei Kuhn zu bleiben, war aber der Wunsch, wieder mit der Ex-Bürgermeisterin und amtierenden Ministerin Susanne Eisenmann zusammenzuarbeiten, mit der ihn eine jahrzehntelange (Partei-)Freundschaft verbindet. Doch auch da, sagte Föll, sei völlig klar, wer Koch bzw. Köchin sei und wer der Kellner. Eisenmann erwartet dennoch große Dinge von ihm bei der Verwaltung eines riesigen Budgets und bei organisatorischen Kraftakten. Aber: „Ich weiß ja, ich hole mir ein Rennpferd in den Stall.“

Sonderthemen