Stuttgart von oben – Brauerei-Areal in Vaihingen Auf den Spuren von Schwaben Bräu

Von Sabrina Höbel 

Die Brauerei hat zum Ort gehört, wie der Hopfen zum Malz: Bei einem Spaziergang erinnert sich Rolf Keyerleber an die Zeit, in der Schwaben Bräu noch in Stuttgart-Vaihingen war.

1955 roch es in Vaihingen noch nach Malz. Schwaben Bräu war angesiedelt, wo heute die Schwabengalerie zu finden ist. Foto: Stadtplanungsamt/Jan Georg Plavec
1955 roch es in Vaihingen noch nach Malz. Schwaben Bräu war angesiedelt, wo heute die Schwabengalerie zu finden ist. Foto: Stadtplanungsamt/Jan Georg Plavec

Vaihingen - Es ist ein regnerischer Tag. Doch noch mehr als in den Regenrinnen sprudelt es aus Rolf Keyerleber heraus. Beim Spaziergang durch Vaihingen fällt ihm an jeder Ecke etwas anderes ein. Früher war das Bild des Ortes von der Brauerei Schwaben Bräu geprägt. So wie auf den Bildern, die Keyerleber auf seinem Handy zeigt, sieht es dort schon lange nicht mehr aus.

Der Vaihinger hat 1961 bei Schwaben Bräu angefangen und war für den Fuhrpark verantwortlich. Später, als dieser nach Weilimdorf verlegt wurde, arbeitete er dort als technischer Leiter im Logistikzentrum.

Die Lastwagen fuhren oft in der Nacht

Keyerleber zeigt auf den Rathauszugang zur Schwabengalerie. „Hier fuhren früher die beladenen Lastwagen hinaus, oft mitten in der Nacht“, erinnert er sich. Die Robert-Leicht-Straße hieß früher noch Brauereistraße und war lange nicht so breit wie heute. „Die Autos waren zwar lauter, aber es gab auch wesentlich weniger Verkehr“, sagt Keyerleber. Er geht weiter Richtung Hauptstraße. Dort wo jetzt der Gehweg verläuft, grenzte früher die Mauer der Brauerei an die Straße. Am Eingang zur Schwabengalerie an der Hauptstraße, von den Vaihingern gerne „Elefantenkäfig“ genannt, war früher die Brauereigaststätte. Links daneben war der Eingang in das Werk.

„Robert Leicht stand dort jeden Morgen um 7 Uhr und begrüßte die Mitarbeiter namentlich“, sagt Keyerleber. Keine schlechte Leistung, bei fast 700 Angestellten. Satt wurden die in der Kantine neben dem Haupteingang. Es gab schwäbische Hausmannskost zu Mittag und morgens Vesper. „Ein Glas Bier zum Vesper war selbstverständlich“, sagt Keyerleber und muss schmunzeln.

Beim Leicht hupt es

Die Kantine hat den Spruch „Beim Leicht hupt es“ hervorgebracht. Früher ertönte mindestens viermal, später zweimal am Tag eine Hupe und rief unter anderem zur Mittagspause. In den 70er Jahren wurde die Hupe dann ganz abgeschafft, weil es zu viele Beschwerden von den Nachbarn gab.

Rolf Keyerleber schaut zum Bülow-Einkaufstreff. Dort ragten früher die Kamine der Mälzerei in die Höhe. „Man hat das Malz durch ganz Vaihingen gerochen, je nach Wind- und Wetterlage“, sagt er. Schwaben Bräu gehörte zu Vaihingen wie der Hopfen zu Malz. „Es war damals die große Firma und ein sicherer Arbeitsplatz.“

Umso enttäuschter waren die Angestellten, als Schwaben Bräu 1996 mit Dinkelacker fusionierte und in die Tübinger Straße zog. „Wir konnten das am Anfang gar nicht glauben“, erinnert sich Keyerleber. In der Zeit nach dem Zusammenschluss stand das Brauereiareal lange leer. Für so ein großes Areal einen Investor zu finden, sei nicht leicht gewesen. Die Industriebrache empfanden viele als Schandfleck.

Keyerleber ist zufrieden mit seinem neuen Vaihingen

Seit 2002 steht im Herzen des Ortes die Schwabengalerie. „Wir sind jetzt praktisch direkt in der damaligen Brauerei“, sagt Keyerleber als er durch die Glastüren des Einkaufszentrums tritt. Auch wenn er gerne an die Zeit von Schwaben Bräu in Vaihingen zurückdenkt, an die familiäre Atmosphäre und den Malzgeruch in der Luft, ist er heute zufrieden mit seinem neuen Vaihingen: „Das ist halt einfach der Zahn der Zeit“, sagt Keyerleber.

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