Stuttgart-Wangen Der Insekten kuschelige Höhle

Von Janey Schumacher 

Auf der Wangener Höhe wachsen zahlreiche wilde Kräuter. Neben Majoran oder Baldrian auch wilde Möhren, di Insekten bei Niederschlag als Unterschlupf dienen.

Barbara Drescher ist von der Pflanzenvielfalt auf der Wangener Höhe begeistert, derzeit sind zum Beispiel die weißen Blüten der wilden Möhren zu sehen. Foto: Janey Schumacher
Barbara Drescher ist von der Pflanzenvielfalt auf der Wangener Höhe begeistert, derzeit sind zum Beispiel die weißen Blüten der wilden Möhren zu sehen. Foto: Janey Schumacher

Wangen - B e sonders beeindruckt Barbara Drescher „die große Vielfalt an Pflanzen, die auf der Wangener Höhe auf kleinstem Raum wachsen“. Was sie damit meint? Die Pflanzen unterscheiden sich je nach Himmelsrichtung, Untergrund und Standort. „Daher ist es spannend, hier die Natur zu entdecken“, sagt sie. Drescher bietet beim Naturschutzbund (Nabu) ehrenamtlich botanische Führungen an, „um den Menschen die Natur näherzubringen und ihren Blick für deren Schönheit zu schärfen“.

Ein Naturidyll zeigt sich Spaziergängern im Stadtbezirk nur wenige Meter von der Stadtbahnhaltestelle Inselstraße entfernt: die Wangener Höhe. Über die schmalen Steinwege geht es vorbei an naturbelassenen Gärten, in denen die Pflanzen ohne große Eingriffe durch die Menschen wachsen. Beim genaueren Hinsehen fallen die vielen weißen Blüten der wilden Möhren auf. „Die bevorzugen trockene Wiesen.“ Angesichts der Trockenheit dieser Tage verwundert es wenig, dass diese Pflanzen derzeit so prächtig gedeihen. Der Clou bei dieser Art: Wilde Möhren bieten vielen Bienenarten Nahrung. Im Gegensatz dazu kommen in kurz geschnittenen Rasen nur wenige Kräuter vor, die als Nahrungsquelle dienen können. Gleichzeitig sind sie ein Insektenhotel. Die Samenstände dienen den Insekten bei Niederschlägen „als kuschelige Höhle“.

Wundheilung gefördert

Wenige Meter von den wilden Möhren entfernt leuchten die gelben Blüten des Johanniskrauts (siehe Bild). Da die Pflanze auf den trocken-warmen Schotterstandorten von Bahnanlagen häufig vorkommt, haben Eisenbahner die blühenden Pflanzen gesammelt, um Öl herzustellen, sagt Drescher. Das Öl soll unter anderem die Wundheilung fördern und die Haut beruhigen.

Die Nerven beruhigen soll dagegen Baldrian. Im Sommer sind dessen weiß-rosafarbenen Blüten zu sehen, die auch an ihren leicht balsamischen Duft zu erkennen sind. Verwendet werden bei dem Kraut, das im Volksmund auch als Dreifuß oder Elfenkraut bekannt ist, meist die Wurzeln. Die können jedoch erst im Herbst ausgegraben werden. Die Pflanze wächst besonders gut an Stellen, wo Wasser im Hintergrund rinnt, sogenanntes Hangzugwasser.

Beliebt in mediterraner Küche

Ein weiteres Heilkraut, das sich Spaziergängern in den Sommermonaten zeigt, ist wilder Majoran, umgangssprachlich als Oregano bekannt. Wilder Majoran wird nicht kultiviert und wächst in südlichen Regionen. Daher auch die große Beliebtheit des Krauts in der mediterranen Küche. Doch auch auf den sonnenreichen Hängen Stuttgarts gedeiht der wilde Majoran prächtig. Der handelsübliche Majoran, wie er in Supermarkt-Kräutertheken zu finden ist, wurde für den Anbau in nördlichen Ländern gezüchtet. Das Kraut wird in der deutschen Küche in erster Linie für die Wurstherstellung eingesetzt, wie bei der Thüringer Bratwurst. In der Natur kommt er auf den Anhöhen rund ums Neckartal indes nicht vor.

Der Boden auf der Wangener Höhe ist Keuperboden, außer den Kräutern gedeihen hier Steinobst und Johannisbeeren gut. „Gemüse hat es dagegen schwer.“ Stuttgart ist im Wesentlichen eine Stadt mit Keuperböden. Diese bieten auch wilden Erdbeeren eine gute Grundlage. Und die schmecken nicht nur köstlich, sondern sind auch nützlich: Sie befestigen den Boden, verhindern also, dass zum Beispiel Hänge abrutschen. Auch wer in den Weinbergen spazierengeht, wird zwischen den Reben Erdbeeren entdecken.

Zwar wird Weinbau an der Nordseite auf der Wangener Höhe nur noch sehr wenig betrieben. Dennoch zeugt davon außer den Mauerresten, die hier und da noch auffallen, auch ein „Mauerblümchen“ von den Wengertern: Mauerzimbelkraut, „das typisch für eine Stadt mit Weinanbau ist“.

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