Stuttgart-West Initiative Stadtlücken gibt Ideen ans Westquartier weiter

Von Fatma Tetik 

Was beim Österreichischen Platz funktioniert, könnte doch auch für den Bismarckplatz gelten. Das dachte sich das Forum Lebendiger Westen und lud Vertreter der Initiative Stadtlücken ein, um über ihre Erfahrungen beim Beleben eines „Un-Ortes“ zu berichten.

Franziska Doll, Sarah Ann Sutter, Carolin Lahode und Sebastian Klawiter von der Initiative Stadtlücken  (von links) präsentierten ihre Ideen im Westquartier. Foto: Fatma Tetik
Franziska Doll, Sarah Ann Sutter, Carolin Lahode und Sebastian Klawiter von der Initiative Stadtlücken (von links) präsentierten ihre Ideen im Westquartier. Foto: Fatma Tetik

S-West - Eine Gruppe von Stuttgarter Architekten, Stadtplanern, Künstlern und Forschern hat im vergangenen Herbst mit einem außergewöhnlichen Projekt für überregionale Bekanntheit gesorgt. Die Rede ist von der Initiative Stadtlücken. Die Gruppe hatte sich vorgenommen, den Österreichischen Platz zu verschönern.

Mit diversen Aktionen und einem temporären Souvenirshop unter der Paulinenbrücke versuchte die Initiative, die als Un-Ort gebrandmarkte Fläche nicht nur zu beleben, sondern die Bürger zum Nachdenken über alternative Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten anzuregen.

Mit Erfolg: Knapp 5000 Menschen beteiligten sich an einer Umfrage; rund 200 Ideen gingen bei dem Verein ein. Die Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Projekt möchte das Forum Lebendiger Westen für sich nutzen. Denn auch im Stuttgarter Westen gibt es Stadtlücken und „brach liegende, ruinale Flächen wie das Waldhaus an der Hasenbergsteige“, sagte Eckhard Ernst vom Forum.

Bismarckplatz soll aufgewertet werden

Aus diesem Grund hat der Verein die Bürgerinitiative Stadtlücken am Samstag zu einem Platzgespräch im Westquartier eingeladen. „Wir erhoffen uns dadurch inspirierende Ideen für die Gestaltung und Nutzung des Bismarckplatzes“, sagte Ernst. Der Bismarckplatz soll aufgewertet und verschönert werden.

Sebastian Klawiter und drei seiner Stadtlücken-Mitstreiterinnen stellten zunächst ihr Projekt vor. „Der Österreichische Platz ist die Mutterlücke der Stadt und schreit förmlich nach einer Belebung“, erklärte Klawiter. Die unterschiedlichen Reaktionen der Menschen auf die zweiwöchige Bespielung des Platzes seien spannend und aufschlussreich gewesen. Denn viele nehmen den Platz als Angstraum oder Obdachlosentreff wahr, den sie für gewöhnlich meiden. „Für uns ist es die größte überdachte Freifläche in Stuttgart, die großes Potenzial für eine alternative Nutzung birgt“, sagte Klawiter. Durch die zahlreichen Aktivitäten – Lichtkunstinstallationen und Tee- und Plätzchenverkauf im Rahmen der Stadtlücken-Aktion – habe man live miterleben können, was der Platz verträgt und was überhaupt nicht funktioniert, schilderte Franziska Doll von der Initiative. Es gebe in der Bevölkerung einen großen Bedarf an kommerzfreien Flächen.

Ohne künstliche Belebung Präsenz geht es nicht

Allerdings, so die Erkenntnis aus dem Projekt: Ohne eine künstliche Belebung und ohne eine dauerhafte Präsenz vor Ort ist eine nachhaltige Nutzung des Platzes vorerst nicht möglich. „Wir sind mit unseren Ressourcen am Limit“, sagte Doll. Alle Mitglieder sind ehrenamtlich tätig; für ein nachhaltiges Konzept fehlt nicht nur Zeit, sondern auch das Geld.

Immerhin hat die Gruppe durch ihre Aktion politisches Gehör gefunden. Dem Gemeinderat liegt ein interfraktioneller Antrag vor, der die drängenden Fragen zur Zukunft des Österreichischen Platzes klären soll. „Stuttgart ist und war nie eine coole Stadt“, sagte Rainer Benz vom Forum Lebendiger Westen nach der Projektpräsentation. Der Platz unter der Paulinenbrücke könne aber mit einer kreativen Alternativnutzung zu einem coolen Ort werden. „Das ist eine sehr spannende Location, bleiben Sie unbedingt dran“, sagte Benz.

Im Gegensatz zum Österreichischen Platz hat der Bismarckplatz im Westen mit anderen Problemen zu kämpfen. Zwar wünschen sich die Bürger eine Aufwertung des Platzes, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, doch sehen viele die Maßnahmen auch skeptisch. Denn durch die Verschönerung des Platzes werden neue Bürger angezogen, die Mieten steigen, und alteingesessene Anwohner könnten vertrieben werden. Das Hauptproblem stellt die Schwabstraße dar, die den Platz in mehrere, kleine Teilstücke splittet. „Unser Projekt hat gezeigt, dass sich viele Stuttgarter für das Thema interessieren und mitgestalten möchten. Versuchen Sie daher, möglichst viele Zielgruppen einzubeziehen“, sagte Klawiter am Ende der rund zweistündigen Gesprächsrunde.

Ein Preisgericht entscheidet am 22. März über die eingereichten Planungsentwürfe zum Bismarckplatz. Im nächsten Platzgespräch sollen die Resultate aus dem Planungswettbewerb vorgestellt werden.

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