Stuttgart-West Mann soll seine Lebensgefährtin getötet haben

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Kampfspuren und Blut in einer Wohnung im Stuttgarter Westen deuten auf ein Drama hin. Der Verdächtige wird tot in der Schweiz gefunden. Von seinem mutmaßlichen Opfer fehlt jede Spur.

Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Stuttgart - Ein Paar verschwindet. In der Wohnung findet die Polizei Blutspuren. Die Ermittler befürchten, dass der Mann die Frau umgebracht hat. 48 Stunden später wird eine Leiche gefunden – die des 46-jährigen Mannes. Vermutlich hat er sich das Leben genommen – die Polizei bestätigt das jedoch nicht. Von der 59-jährigen Frau fehlt weiterhin jede Spur. Die 21-köpfige Ermittlungsgruppe der Stuttgarter Kriminalpolizei rechnet nicht mehr damit, dass sie noch am Leben ist.

Die Suche beginnt am Donnerstagvormittag. In einer Wohnung im Stuttgarter Westen schöpft eine Frau Verdacht, dass etwas nicht stimmt. Sie wohnt bei der 59-Jährigen zur Untermiete. Vor Kurzem ist auch der 46-jährige Partner der Wohnungsbesitzerin eingezogen. Die Mitbewohnerin schaut nach, findet Furcht erregende Spuren und alarmiert die Polizei. Im Zimmer der Frau herrscht ein Durcheinander. Von Spuren eines Kampfes ist die Rede. Außerdem findet die Kriminalpolizei Blut. Die erste Pressemitteilung zu dem nach wie vor rätselhaften Fall meldet den „Verdacht auf ein Kapitalverbrechen“ und dass es „mutmaßlich menschliches Blut“ sei. Aufgrund der Spurenlage vermuten die Ermittler, dass höchstwahrscheinlich die Frau das Opfer und der Mann der Täter ist. „So sieht es in dem Zimmer aus“, sagt der Polizeisprecher Thomas Geiger.

Die Fahndung nach dem mutmaßlichen Täter endet gut 24 Stunden später. Dann entdeckt die Schweizer Polizei in Winterthur, knapp 200 Kilometer von Stuttgart entfernt, den toten Mann. Der 46-Jährige besaß sowohl die deutsche als auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Kaum Hoffnung, dass die 59-Jährige noch lebt

Nach dem Fund der Leiche ist der Fall am Freitagnachmittag jedoch längst noch nicht klar. Noch kann niemand sagen, was genau in dem Zimmer der Frau im Westen geschehen ist, denn die Mitbewohnerin hat von dem Kampf und vom Verschwinden der beiden nichts mitbekommen. Am Mittwoch hatte sie ihre Vermieterin und deren Freund zuletzt gesehen. In dem Chaos, das nach dem Kampf in dem Raum herrscht, finden die Ermittler keine Waffe. Da es aber weder eine Hülse noch sonstige Hinweise auf eine Schusswaffe geben soll, ist auszuschließen, dass die Frau erschossen wurde. Die Ermittler suchen am Wochenende weiter: die Frau und den Wagen des Mannes, mit dem er sie vermutlich weggebracht hat.

Mehr als 72 Stunden nachdem das Paar zuletzt gesehen wurde, haben die Ermittler am Freitag kaum noch Hoffnung, dass die 59-Jährige noch leben könnte. „Wir haben alle Krankenhäuser abgefragt. Wäre sie irgendwo verletzt aufgetaucht, wüssten wir das sicher schon“, sagt der Polizeisprecher. Nach dieser Zeit erscheint das keinem der Ermittler mehr wahrscheinlich.

Der aktuelle Fall ist – wenn sich die Vermutung der Polizei bestätigt – das zweite Tötungsdelikt in diesem Jahr. Beim ersten blieb es beim Versuch, das Opfer kam schwer verletzt davon. Bei einer Trauerfeier hatte ein 55-jähriger Mann auf den 48-jährigen Pastor eingestochen. Wie im vorliegenden Fall hatten Täter und Opfer eine gemeinsame Vorgeschichte: Sie kannten sich aus der Gemeinde einer Glaubensgemeinschaft im Rems-Murr-Kreis. Das ist laut der Polizeistatistik in den meisten Fällen so. Im Jahr 2011 gab es lediglich in 33 Prozent der Fälle – Mord, Totschlag und versuchte Tötungsdelikte – keine gemeinsame Vorgeschichte. Die Zahlen für 2012 werden demnächst veröffentlicht. Im vergangenen Jahr geschah nur ein Mord in der Stadt: In Zuffenhausen brachte ein 65-Jähriger einen 69-jährigen Bekannten um.

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