Stadtkind Stuttgart

Stuttgart-West Vereint für den kreativen Austausch

Von Tanja Simoncev 

The Local House, Kvinna-Taschen, Hannah Zenger-Keramik und Atelier Editru machen ab sofort gemeinsame Sache. Die Labels präsentieren sich als modernes Co-Working-Kollektiv und ermöglichen damit vor allem eines: den Blick hinter die Kulissen.

Frauenpower vereint unter einem Dach: Anna Loges, Vanessa Heepen, Hannah Zenger und Sarah Wendler (von links). Foto: Tanja Simoncev 8 Bilder
Frauenpower vereint unter einem Dach: Anna Loges, Vanessa Heepen, Hannah Zenger und Sarah Wendler (von links). Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - Girlpower hält Einzug in die Vogelsangstraße. Die Rede ist von einem gemeinsamen Arbeitsraum und vier Frauen, die sich damit einen Traum erfüllen. Vanessa Heepen von "The Local House" und Anna Loges von "Kvinna" sind bereits eingezogen und feierten kürzlich ein kleines Opening. Sarah Wendler von "Atelier Editru" und Hannah Zenger sind hingegen noch nicht ganz fertig mit ihren Räumen, trotzdem schon jetzt immer wieder vor Ort, wenn Kundentermine anstehen.

Unter Gleichgesinnten

Vorne ein kleiner Shop-Bereich von "The Local House", dahinter - ganz offen - das Atelier von Kvinna, durch den Flur rechts und hinten durch die beiden anderen - noch nicht ganz fertigen - Ateliers von Hannah Zenger und Editru und rechts eine kleine, geplante Küche. Alles wirkt modern, durchgestylt und aufgehübscht. Die Vier haben sich ihr ganz eigenes Co-Working-Space kreiert.

Doch wer sind die Frauen hinter den Labels und wie fanden sie zusammen? Heepen und Loges lernten sich vor drei Jahren bei dem temporären Supermarket Temps am Marienplatz kennen. "Seitdem unterstützen wir uns gegenseitig, kooperieren miteinander, tauschen uns aus." Unter anderem bietet Vanessa die Kvinna-Taschen immer neben vielen anderen liebevoll ausgewählten lokalen Produkten in ihren temporären "The Local House"-Stores an.

Dort habe sie auch mal Hannah Zengers Keramik-Vasen angeboten, wodurch sich die beiden kennenlernten. Zenger und Schneidermeisterin Wendler, die sich auf Strick- und Garnfärbung spezialisiert hat, kannten sich wiederum von der Akademie der bildenden Künste, wo beide studierten beziehungsweise studieren - die eine Textildesign, die andere freie Kunst und Keramik.

Alle unter einem Dach

Dass die Ladies bald also vereint unter einem Dach arbeiten, haben sie jedoch nur einer zu verdanken - Hannah Zenger. Die 29-Jährige hatte die Ladenfläche durch Zufall entdeckt. Seit der Gründung ihres Keramik-Labels Ende 2016 habe sie Ausschau nach einer ersten eigenen Werkstatt und damit einer räumlichen Veränderung gehalten. Ihr Wunsch: "Es soll eine interdisziplinäre Fläche sein, die von Gleichgesinnten bespielt wird", so die 29-Jährige.

Kein Wunder kam Heepen mit ins Spiel. "Hannah hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, temporär auf die Ladenfläche zu gehen." Doch die Begeisterung der 29-Jährigen hielt sich in Grenzen. "Ich meinte nur, ich schaue es mir gern einmal an, aber eigentlich suche ich ein Büro." Außerdem habe sie schon damals mit einer Person gemeinsame Sache machen wollen - Anna Loges.

Zusammen fuhren die beiden schließlich an die Vogelsangstraße 57 und verliebten sich sofort in die Räumlichkeiten - "weil sie einfach so schön sind.“ Die Zusage folgte prompt und mit ihr die Vorfreude. Sie und Loges hätten so oft zusammengearbeitet und sich gegenseitig geholfen. "Bei meinen temporären Geschichten war Anna immer dabei. Klar, haben wir deshalb schon vorher mit dem Gedanken gespielt, uns zusammen etwas zu suchen, aber das war eher Zukunftsmusik", erinnert sich die "The Local House"-Gründerin.

Nur ein "Little Opening"

Und weil ihre Räume nicht renoviert werden mussten, konnten die beiden gleich einziehen. Bei einem "Little Opening" wurde kürzlich mit Freunden, Nachbarn und Schaulustigen darauf angestoßen. Die Reaktionen seien durchweg positiv gewesen. "Die Leute freuen und interessieren sich sehr für unseren Arbeitsraum und unterstützen das Ganze total." 

Heepen feiert damit vor allem auch, dass ihre Wohnung und das Büro nun endlich getrennt sind. "Durch den Online-Shop sind immer mehr Produkte und damit immer mehr Verpackungsmaterial zusammengekommen, es wurde ganz einfach zum Platzproblem." Neben das Sofa hätten sich Schreibtisch und Lagerregal gereiht. "Irgendwann war das nicht mehr mein Wohnzimmer, ich hatte das Gefühl, ich sitze in meinem Lager." Und dadurch, dass sie allein zu Hause arbeitete, habe ihr auch manchmal der Austausch gefehlt.

Mit dem Laden im Stuttgarter Westen hat sich Heepen also ihr Büro und damit ihren persönlichen Arbeitsraum in einer Gemeinschaft geschaffen, wo der Verkauf nebenher abläuft. "Temporäre Shops in der Innenstadt wird es definitiv auch weiterhin geben", betont die 29-Jährige. Sie plane etwas Größeres für den Sommer und auf jeden Fall würde sie an Weihnachten wieder in die Stadt ziehen. "Diese temporären Geschichten machen mir auch weiterhin noch Spaß." 

Der Blick hinter die Kulissen

Doch jetzt lohnt erst einmal der Blick in die neuen permanenten Räumlichkeiten - vor allem weil man dort auch hinter die Kulissen schauen kann. Ein Blick in die Manufakturarbeit der Labels ist möglich. Das freut insbesondere auch Loges. "Bei meinem letzten Atelier hat mir die Kundennähe total gefehlt." Und noch etwas habe sie gestört: "Manchmal habe ich das Gefühl, die Leute denken, ich würde das alles nicht mehr selbst machen." Der Gegenbeweis wird nun angetreten. 

Bald soll auch ein Tag des offenen Ateliers stattfinden und es wird hin und wieder Blumen zu kaufen geben. Außerdem plane man weitere Events. Infos werden folgen.