Gefühlt war der November eine meteorologische Zumutung. In der Statistik findet sich das aber nur bedingt wieder. Und der Kälterekord am 23. brachte immerhin frühen Eiswein.

Macht der November eigentlich Laune? Eher nicht. Bei bewölktem Himmel und Nieselregen wird es nicht richtig hell, die Endorphine sinken, das Gemüt leidet. Wenn es dann mal trocken ist, beginnt das Dröhnen der städtischen Laubbläser, gegen das ein Soundcheck von Rammstein wie ein sanftes Flüstern daherkommt. Und obendrein macht sich Panik im Hirn breit, weil die App der nagelneuen Photovoltaik-Anlage bei dem Sauwetter eine durchschnittliche Stromkosten-Ersparnis von lumpigen 28 Cent am Tag meldet. So gesehen vergehen bis zur Amortisation noch ein paar Jahrzehnte. Kurzum, der November ist meteorologisch eine einzige Zumutung.

 

Zumindest gefühlt, denn, da schau her: „Insgesamt war der November ein bisschen zu warm“, sagt Andreas Pfaffenzeller, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart. Exakt lag der Durchschnitt bei 5,9 Grad, das ist 0,1 Grad überm Strich. Das ist nicht viel, aber die 5,8 Grad langjähriger Durchschnitt beziehen sich auf die Zeit von 1991 bis 2020, als der Klimawandel schon in Gange war. Die 30 Jahre vor 1991 lag der Schnitt eines Novembers bei 4,7 Grad.

Eiswein im November: Das Thermometer sank auf Minus sieben Grad

Aber das „zu warm“ klingt doch irgendwie merkwürdig, denn da war doch mal was vor kurzem? Richtig, in der Nacht zum 23. November rauschte das Thermometer an der DWD-Messstation Schnarrenberg auf minus 8,3 Grad. „Das gab es noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1951 an einem 23. November“, sagt Meteorologe Pfaffenzeller. Das Schlotterwetter reichte dann auch tatsächlich, um die letzten Trauben für Eiswein zu lesen. Dazu braucht es unter minus sieben Grad, die in den Wintern vorher meistens erst im Januar erreicht wurden. Wenn überhaupt.

Den Rekord gab’s wie immer auf der Anzeige auf dem Schlossplatz. Foto: Fotoagentur Stuttgart / Rosar

Also kann man das „zu“ vor dem „warm“ getrost weg lassen. Weil warm ist anders und an immerhin sechs von 30 Tagen sank die Temperatur in den Frostbereich, an einem davon blieb das Quecksilber sogar die kompletten 24 Stunden unter der Null-Grad-Marke. Das nennt man einen Eistag und die Zahlen sind im langjährigen Vergleich komplett normal. Dass der November am Ende doch als ein Fitzele zu warm in die Statistik einfließt, lag an einer heftigen südwestlichen Strömung, die Mitte des Monats mit warmer Luft aus dem tiefen Süden die Temperaturen klettern ließ. Dazu färbte Saharastaub den Himmel gelblich. Am 13. des Monats fehlte trotz Bewölkung nur ein winziges Zehntel zur 20 Grad Marke. Schon krass. Zehn Tage später war es dann nachts fast 30 Grad kälter, da fährt der Kreislauf dann gerne mal ein wenig Karussell. Und wer dann noch Glühwein dazu gibt, sitzt gefühlt unangeschnallt in der Achterbahn.

Stuttgart hat das dritte gut bewässerte Jahr in Folge erlebt

Typisch November halt. Wobei die anderen Werte doch eher langweilig normal waren und ohne heftige Ausschläge auskamen. Der Regen erfüllte mit 53,2 Litern sein Soll zu 100 Prozent. Spannender war da schon, dass irgendwann Mitte des Monats die durchschnittliche Jahresregenmenge erreicht wurde. Selbst wenn es von jetzt an bis Ende des Jahres überhaupt nicht mehr regnet oder schneit – die rund 660 Liter, die es für ein nicht zu trockenes Jahr in Stuttgart braucht, sind schon seit Tagen im Fass. Und so erlebt Stuttgart das dritte gut bewässerte Jahr nacheinander. Davor wurde zwischen 2016 bis 2022 sechs Jahre lang deutlich zu wenig Niederschlag gemessen.

Das geschundene Grundwasser kann sich also auch 2025 ein wenig erholen. Dazu hat auch der Herbst beigetragen, der ja in der meteorologischen Rechnung am 30. November zu Ende gegangen ist. Vor allem im September gab es vor dem Volksfest tagelang die Stuttgarter Wasserspiele. Am Ende waren die fast 137 Liter Regen ein September-Rekord seit Beginn der Aufzeichnungen. Sonne und Temperaturen präsentierten sich dagegen vom 1. September bis zum 30. November annähernd (Sonnenschein) beziehungsweise nahezu (Wärme) normal.

Das letzte Mal lag 2010 an den Feiertagen Schnee

Jetzt sind wir also im meteorologischen Winter angekommen. Und schon fragen sich manche, ob es denn heuer was wird mit der weißen Weihnacht in der Stadt. Nun ja, das letzte Mal lag 2010 in Stuttgart an den Feiertagen Schnee. Für eine Prognose ist es jetzt noch zu früh, aber es wäre nun wirklich keine Überraschung, wenn es auch in diesem Jahr das 15. Mal nacheinander grün bliebe. Dass einzige Rieseln wäre dann das der Nadeln von zu früh geschlagenen Weihnachtsbäumen. Andererseits geht ja jede Serie mal zu Ende.