Stuttgart würdigt endlich seine Musik Bildungsbürgerlicher Rave

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Nicht nur der Kolchose wird in Stuttgart gehuldigt. Nach den Hip-Hop-Festspielen geht es nahtlos weiter mit einer Hommage an elektronische Musik. Man darf das Zeitenwende nennen.

Sekt und Mucke: Im Stadtmuseum ist das „Palais der Kolchose“ eröffnet worden Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Sekt und Mucke: Im Stadtmuseum ist das „Palais der Kolchose“ eröffnet worden Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Seit neuestem ist Hip-Hop aus Stuttgart offiziell reif fürs Museum. Der Startschuss zum „Palais der Kolchose“ im künftigen Stadtmuseum ist gleichbedeutend mit der endgültigen Eroberung des Wilhelmspalais durch die Popkultur. Denn: nach den Hip-Hop-Festspielen geht es nahtlos weiter mit einer Hommage an elektronische Musik. Vom 14. bis 21. verwandelt sich der Wohnsitz des letzten Königs von Württemberg, Wilhelm II, in das „Palais des Techno“.

Im Fokus dieser Interimsnutzung steht die Ausstellung „Walter Giers: Play“. Neben der Kunst des im vergangenen Jahr in Schwäbisch Gmünd verstorbenen Pioniers der Electronic Art steht die Stuttgarter Clubkultur im Zentrum der Ausstellung. Hierzu wird es unter anderem einen Gesprächsabend zum Stuttgart Electronic Music Festival geben, als intellektuelle Einstimmung auf das SEMF am 16. Dezember sozusagen. Nostalgisches Highlight für alle Alt-Raver dürfte schließlich der 21. Dezember sein. Dann findet im ehrwürdigen Wilhelmspalais der Clubabend „Rocker 33 is back“ mit Konstantin Sibold und anderen statt. Das Rocker 33 war bis zu seinem Aus im Jahr 2014 ein stilbildender Club für elektronische Musik in Stuttgart.

Musik macht Stuttgart urban

Mit dieser Hommage an die elektronische Musikkultur Stuttgarts führt Torben Giese, der Gründungsdirektor des Stadtmuseums, seinen eingeschlagenen Weg so konsequent wie mutig weiter, das Wilhelmspalais in einen Ort der Popkultur zu verwandeln. „Seit den 1990er Jahren prägt Techno das Stuttgarter Nachtleben und liefert wichtige Impulse für die Kreativwirtschaft und die Start-up-Szene“, sagt Giese. „Elektronische Musikkultur trägt entscheidend zur Urbanität Stuttgarts bei“, so der Museumsdirektor weiter. Dieser Ansatz markiert für Stuttgarter Verhältnisse eine Zeitenwende, wurde die elektronische Musikkultur in Stuttgart von offizieller Seite doch bisher – vorsichtig formuliert – stiefmütterlich behandelt und auf das Verursachen von Lärm und Müll reduziert.

Der „Palais des Techno“ soll für Bildungsbürger und Raver gleichermaßen von Interesse sein – dank der Werke des Licht-, Klang- und Medienkünstlers Walter Giers. Besucher der Techno-Hommage können sich dank der Werke von Giers mit der elektronischen Musikerzeugung auseinandersetzen. Führungen durch die Ausstellung beginnen täglich um 18 Uhr, um 19 Uhr findet jeweils ein Konzert der Giers’schen Zeitmaschine statt.