Stuttgart-Zuffenhausen Der Höhepunkt einer vergnügten Narretei

Von Georg Linsenmann 

Mit einem bunten Spektakel vertreiben die Narren die renitente Obrigkeit aus dem Rathaus.

So sehen Sieger aus: Sandra I. und Sven I. präsentieren den Rathausschlüssel. Bezirksvorsteher Gerhard Hanus muss sich geschlagen geben. Foto: Georg Linsenmann
So sehen Sieger aus: Sandra I. und Sven I. präsentieren den Rathausschlüssel. Bezirksvorsteher Gerhard Hanus muss sich geschlagen geben. Foto: Georg Linsenmann

Zuffenhausen - Von diesem närrischem Geplänkel, das macht Gerhard Hanus gleich klar, wird er sich nicht von seinem Amtssitz vertreiben lassen! Schon gar nicht, wenn mit diesem Rathaussturm sein persönliches Dutzend voll ist und er sich sowieso bald aufs Altenteil zurückzieht. Nicht mal zeigen will sich dieser Bezirksvorsteher, um dann, mit dem Seppl-Hut getarnt, das alte Spiel zu spielen: Wir da oben, Ihr da unten! „Aus, vorbei!“, höhnt er vom Balkon aufs gemeine Narrenvolk hinunter, „schert Euch weg, geht nach Haus!“ Höchste Zeit für Andreas Goihl, den Präsidenten des Karnevalsclubs Stuttgarter Rössle, jetzt andere Saiten aufzuziehen bei der Operation Rathaussturm.

Als Avantgarde vorneweg marschiert nun der Spielmannszug der Filderer heran, ein Dutzend Gesellschaften aus der Stadt und dem halben Nachbarlandkreis als Verstärkung im Schlepptau. So tummeln sich in der Gasse, die das Narrenvolk auf dem Emil-Schuler-Platz aufmacht, schnell zu allem entschlossene Hundertschaften von Schwarzen Störchen und Walddruiden, Hörnleshasa, Seewiesen-Hexen, Kornfetz und Cannstatter Küblern, Blau- und Grün-Weißen Narren-Clubberern samt Rössle-Musketieren: „Das ist Macht! Geben Sie auf! Rücken Sie den Schlüssel raus!“, fordert der sturmbereite Narren-Boss – und unterstreicht, wie sehr diese Obrigkeit abgewirtschaftet hat: „Die Unterländer Straße stirbt an Einsamkeit, am Bahnhof ist es schon längst soweit!“ Nur „Restgeld“ bleibe vom Haushalt für den Stadtbezirk, nur Almosen für Jugend und Vereine. Und überhaupt: „Wo bleibt der große Wurf?“

Der Minister lässt sich nicht blicken

Doch nicht nur der lokalen Obrigkeit hätten die Narren gerne die Leviten gelesen, sondern auch dem Verkehrsminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen), der sich angekündigt, dann aber „verdrückt“ habe. Also bleibt der Besen, mit dem er den Feinstaub aus den Straßen kehren sollte, einstweilen eingepackt. Der Druck aber steigt, weil die Narren weiter Rabatz machen, auch musikalisch den Lärmpegel hochtreiben. Also versucht sich der Schultes, der das Volk der „Rum-Nörgelei“ bezichtigt, als Beschwichtiger und „Kinderbeauftragter“ und lässt mit seinen Knechten Süßkram herunterregnen. „Bestechungsversuch!“, kontern die Narren und drehen die Schraube noch ein bisschen tiefer. Doch selbst die Hüpf- und Schunkelrunde kapert diese renitente Obrigkeit, indem sie sich dreist zum Animateur aufspielt.

„Verklebt, versperrt, vernagelt, verrammelt“ zeigt sich das Rathaus, bis die Schar der Tollitäten, der Nachtwächter, Büttel und Hexen, der Vize- und Voll-Präsidenten doch den Eingang stürmt. Und nach einem kurzen Gerangel auf dem Balkon präsentieren Sandra I. und Sven I. unterm Jubel des Narrenvolkes den schwarz-gelben Rathausschlüssel und führen die gefangen genommene Obrigkeit, die die weiße Fahne schwenkt, heraus aus ihrem Palast. Schlau, schlau aber, wie diese das wendet, ein bisschen schon auf Aschermittwoch macht und die siegestrunkene Narrenriege vom Amtssitz weg- und zum Prösterchen hinüberlockt in die Zehntscheuer. Dort wartet neben Brezelhälften und Zopfbrot auch eine Menge Metal. Denn zum Hanus-Finale löst sich die von Carmen und Christian Sickelmann begründete und verkörperte „Hanus-Garde“ auf. Dem dutzendweise verteilten Abschiedsorden war da kaum zu entkommen. Mit besonderem Stolz aber wurden die 30 Exemplare im XXL-Format getragen: Und die Obrigkeit ließ sich gerne mit der Verdienstmedaille des Landesverbandes schmücken: Höhepunkt einer sehr vergnügten Narretei.

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