Stuttgart-Zuffenhausen Gänsehaut bei der Bescherung

Von Georg Linsenmann 

Dank vielen Spendern bekommen Flüchtlingskinder aus Zuffenhausen ein Weihnachtsgeschenk.

Strahlende Gesichter: Der Nikolaus hatte bei der Übergabe der Geschenke im Bürgerhaus Rot alle  Hände voll zu tun. Foto: Georg Linsenmann
Strahlende Gesichter: Der Nikolaus hatte bei der Übergabe der Geschenke im Bürgerhaus Rot alle Hände voll zu tun. Foto: Georg Linsenmann

Stuttgart-Zuffenhausen - Zum dritten Mal hatten die beiden Zuffenhäuser Freundeskreise für Flüchtlinge zu einer Weihnachtsfeier für die Bewohner der Unterkünfte an der Zazenhäuser, Stammheimer und Gottfried-Keller-Straße eingeladen. Dass der Saal des Bürgerhauses in Rot dabei „voller als voll“ wurde, freute Bianka Dangel, eine der Sprecherinnen: „Man sieht, dass das dankbar angenommen wird.“

Sie war aber auch erleichtert. Denn nur zwei Wochen zuvor waren die Ehrenamtlichen vor einem drängenden Problem gestanden: Erstmals sollte die Bescherung für die Kinder der Flüchtlinge im Rahmen der Weihnachtsfeier stattfinden. Und wie im Vorjahr hatten die Eltern der Kitas St. Antonius und Schatzinsel Geschenke für die bis zu zehn Jahre alten Kinder besorgt. „Was aber soll mit den Älteren geschehen? Es geht doch nicht, dass die mit leeren Händen daneben stehen! Eine unangenehme Situation“, erzählt Dangel.

Abhilfe kam, unter Vermittlung des Kinderbüros der Stadt, von der US-Military Community in den Patch- und Kelly-Barracks, die seit 2006 sozial benachteiligte Kinder zu Weihnachten beschenkt. Mehr als 200 Geschenke für Kinder in der ganzen Stadt waren bis dato bereits besorgt worden: „Dann haben wir eben noch eine Schippe draufgelegt”, sagt Community-Sprecher Roy Weidanz und versichert: „Es war kein Problem, in zwei Wochen weitere 120 Wunschzettel zu erfüllen. Das hatten wir schnell beisammen. Und jetzt bin ich alles losgeworden!”

Der Papa ist „zweimal mehr glücklich“ als sein Sohn

Das war durchaus eine größere Aktion, bei der auch ein erfahrener Nikolaus ins Schwitzen kommen kann. Dem Niko oblag die Bescherung der Kleinsten, wobei die wuselige Riesentraube von Kindern aber erst einmal in „Vorleistung“ ging: Mit dem lauthals tönenden Klassiker „Lasst uns froh und munter sein“, der wie aus dem Effeff geschmettert wurde. Beim Überreichen wurde der Nikolaus auch von Kindern der beiden Kitas tatkräftig unterstützt, was der Bescherung besonderen Charme verlieh.

Anna-Christina, Nisan und Hamsa waren ganz vorne dran mit der Bescherung, und der zweijährige Shams aus Syrien hat auch gleich ausgepackt und mit dem Soundbuch „Wilde Tiere“ gespielt, wobei seine Eltern, Fouzi und Ola, mit ihm offensichtlich um die Wette strahlten. Für den vierjährigen Rudolf aus Georgien hatte die Mama „Kinder dieser Welt“ von Ravensburger auf den Wunschzettel geschrieben. Nun zeigt der Bub seinem Papa, wo der Eisbär und das Känguru „wohnen“ – und Vater Gari bekennt: „Papa ist zweimal mehr glücklich.“ Doppeltes Glück leuchtet bei den Brüdern Khaled und Samer auf, die je einen Trainingsanzug bekommen haben.

Keine Berührungsängste im Bürgerhaus

Einen sehr präzisen Wunsch hatte auch Malaika, zwölf Jahre alt, aus Pakistan: „Mein Lehrer spielt so schön Gitarre. Das möchte ich auch lernen.“ Nun liegt eine gute Kindergitarre vor ihr, die sie aber erst zuhause ganz auspacken möchte. Unbedingt loswerden will sie aber gleich noch einen anderen Wunsch: „Ich möchte Zahnärztin werden.“ Erst einmal kann sich aber ihre Schwester Vroosa die gewünschte Winterjacke kaufen, kann aber kaum fassen, „wie groß der Gutschein ist: 60 Euro!“

Volle zwei Stunden dauert die Bescherung. Da ist Mahmoud, der 16-jährige Syrer, der das Porsche-Gymnasium besucht, mit den zwei Dutzend Ehrenamtlichen schon am Aufräumen: „Wenn man von Integration redet, dann muss man so etwas machen. Als Muslime feiern wir zwar nicht Weihnachten. Wir sollten aber mitbekommen, was das ist. Das ist sehr gut.“ Bianka Dangel ist nach acht Stunden Volleinsatz „kaputt und glücklich“ zugleich: „Wir wussten nicht, dass so viele kommen. Auch wenn andere Berührungsängste schüren – hier gibt es sie nicht. Mich freut auch die Gegenseitigkeit, denn viele haben was fürs Büffet mitgebracht und uns zu ihrem Neujahrsfest eingeladen. Sie haben verstanden, was es heißt, gemeinsam zu feiern. Jetzt kriege ich ein bisschen Gänsehaut.“

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