Stuttgart-Zuffenhausen Gedenkstein soll an Lager erinnern

Von Georg Linsenmann 

Der Historiker Mathias Beer informierte bei einem Treffen der Arbeitsgruppe „Erinnerungsort Lager auf der Schlotwiese“ über den Stand der Pläne für einen Gedenkstein in Stuttgart-Zuffenhausen.

Der Historiker Mathias Beer (2.v.r.) erläutert den Plan für einen Gedenkstein zur Lagergeschichte auf der Schlotwiese Foto: Georg Linsenmann
Der Historiker Mathias Beer (2.v.r.) erläutert den Plan für einen Gedenkstein zur Lagergeschichte auf der Schlotwiese Foto: Georg Linsenmann

Zuffenhausen - Fast anderthalb Jahre ist es her, dass eine private Initiative um den vormaligen Zuffenhäuser Ortsvorsteher Wolfgang Meyle und den Tübinger Historiker Mathias Beer, Leiter des dortigen Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, die Idee reaktiviert hatte, auf der Schlotwiese mit einem Gedenkstein an die spurlos abgeräumte Lagergeschichte zu erinnern. Ein Anliegen, um das es dann etwas ruhig wurde. Auch die Initiative-Gruppe hatte sich zum letzten Mal vor mehr als einem Jahr öffentlich getroffen. Im Hintergrund allerdings wurden die Weichen zur Realisierung des Projektes gestellt, wie sich nun bei einem allgemein offenen Treffen der Arbeitsgruppe „Erinnerungsort Lager auf der Schlotwiese“ in der Zehntscheuer zeigte.

Dass diese Idee auch auf einen Beschluss des Bezirksbeirates aus dem Jahr 1995 zurückgreift, daran erinnerte Meyle eingangs: „In der Umsetzung steckt für mich auch ein Stück Glaubwürdigkeit.“ Auf die lange Bank geraten war die Sache durch die Verkoppelung mit dem Bau einer Sporthalle vor Ort, von der die Stadt aber 2015 Abstand nahm: „Deshalb dürfen wir hier jetzt Fläche in Anspruch nehmen, sodass 25 Jahre Lagergeschichte, die mit diesem Ort verknüpft sind, nicht im Sand verlaufen“, erläuterte Meyle.

Lager für 3000 sowjetische Kriegsgefangene

Ihren Ausgangspunkt nahm die Historie auf der Schlotwiese 1942 mit der Errichtung eines Lagers für 3000 sowjetische Kriegsgefangene, das dann entlang der Hirschsprungallee mit Holzbaracken für Zwangsarbeiter aus halb Europa erweitert wurde. Nach dem Ende des Krieges 1945 wurden hier schon bald so genannte „Displaced Persons“ untergebracht. Und dieselben Baracken, in denen zuvor Kriegsgefangene, Arbeitssklaven und die Versprengten des Zweiten Weltkrieges zusammengedrängt waren, dienten danach Heimatvertriebenen aus vormals deutschen Ostgebieten als Unterkunft: bis 1967, als die letzten Familien anderweitig unterkamen.

Für den Historiker ist das Areal deshalb „ein Erinnerungsort für Zuffenhausen und ganz Stuttgart“, wie Beer sagte. Mit dem Ziel, dies vor Ort sichtbar zu machen, sei man nun „auf einem guten Weg“. Als „ganz wichtige Etappe“ dafür bezeichnete er das einhellige Votum des Bezirksbeirates für den Gedenkstein vor gut einem Jahr, weil das Anliegen damit „über die private Initiative hinaus auf eine breite zivilgesellschaftliche Basis gestellt“ sei.

Historische Rolle der Stadt

Schwierig war im Gegensatz dazu, wer auf Dauer für den Gedenkstein zuständig sein soll. Die Initiative wollte sich nicht als Verein organisieren, konnte also auch nicht als „Eigentümerin“ auftreten. Eine Rolle, die die anfangs zögernde Stadt nun übernimmt, was laut Beer auch deren historischen Rolle bezüglich des Lagers entspricht: „Die Stadt war nicht Zuschauer, sie war an der Errichtung des ersten Lagers beteiligt. Es ist gut, dass sie sich nicht aus der Verantwortung schleicht“, betonte Beer. So wird das Tiefbauamt die Gründung des bereits ausgesuchten, drei Meter hohen Sandsteinblockes vornehmen und das Gartenbauamt in der Folge die Standortpflege. Außerdem soll die Stadt Empfänger der 8000 Euro-Spende sein, mit der die Porsche AG das Projekt finanzieren will. Über die Annahme der Spende muss allerdings noch der Verwaltungsausschuss des Gemeinderates befinden, was Ende März geschehen soll.

Beer geht davon aus, dass der Stein mit eingebrachter Textplatte „in der ersten Hälfte des Jahres eingeweiht werden kann“. Ein „Denkanstoß, mit dem der Erinnerungsort ins Bewusstsein gehoben“ werden soll, wie Beer sagte. Das soll, so die Hoffnung der Initiative, Anstoß für „die weitere Dokumentation und Erforschung der Lagerhistorie sein“, wobei Beer auch an die Einbeziehung von Schulen denkt: „Hier hat man Lagergeschichte des II. Weltkrieges direkt vor der Haustüre“.

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