Der Abzweig zum Pfaffensteigtunnel (rechts) ist bereits beim Bau des Flughafentunnels entstanden. Foto: Christian Milankovic
Stuttgart21 ist mal wieder in schweren Turbulenzen. Dessen ungeachtet hält die Bahn am Bau des elf Kilometer langen Pfaffensteigtunnels fest. Anfang 2026 soll es losgehen.
Die Deutsche Bahn hat mit Stuttgart21 alle Hände voll zu tun. Die Fertigstellung liegt in einer nicht näher bekannten Zukunft, die Projektpartner Land, Stadt und Region sind „not amused“ und haben am Montag Gelegenheit, ihrer Verstimmung Ausdruck zu verleihen. Bahnchefin Evelyn Palla schwebt zum Lenkungskreis am Flughafen ein. Hinter verschlossenen Türen dürfte Klartext gesprochen werden.
Von diesen Verwerfungen und Unwägbarkeiten einmal abgesehen, wird auf den Baustellen weiter gearbeitet. Und die Bahn hält auch daran fest, das nächste Großprojekt in Angriff zu nehmen, das nach der reinen Lehre nicht zu Stuttgart21 gehört, aber doch unauflöslich mit dem neuen Bahnknoten verbunden ist. Durch den sogenannten Pfaffensteigtunnel sollen Züge der Gäubahn aus Richtung Bodensee, Schwarzwald und Schweiz direkt zum neuen Flughafenbahnhof fahren können.
Kritik am Bau des sehr langen Pfaffensteigtunnels
Mit mehr als elf Kilometern Länge würde er zu den längsten Tunneln in Deutschland gehören. Kritiker weisen auf die enormen Betonmengen hin, die verbaut werden und deren Herstellung erhebliche CO2-Emissionen verursacht. Würde der Tunnel nicht gebaut, müsste eine andere Lösung für die Gäubahnzüge gefunden werden. Wenn die zwischen dem Stuttgarter Haupt- und Nordbahnhof geplante Kappung der Strecke tatsächlich kommt, führt der einzige Weg für diese Züge in den Tiefbahnhof über den Halt am Flughafen. Die ursprünglichen S-21-Pläne sahen daher den Bau einer Verbindungskurve im Wald bei Rohr und ein Nebeneinander von Fern-, Regional- und S-Bahnzügen auf der S-Bahnstrecke zum Flughafen vor.
Grafik des geplanten Pfaffensteigtunnels auf den Fildern: laut Bahn soll mit dem Bau Anfang 2026 begonnen werden. Foto: Yann Lange/
Sowohl die Finanzierungsvereinbarung als auch die Baugenehmigung, der sogenannte Planfeststellungsbeschluss, sollten nach bisherigem Zeitplan der Bahn im Dezember 2025 vorliegen. Bis zum Beginn der Weihnachtspause bleibt also nicht mehr viel Zeit. Man gehe davon aus, dass man „die gesteckten Termine einhalten“ werde, sagt ein Projektsprecher. Man wolle „spätestens im Februar 2026 mit dem Bau beginnen“. Über dem Bauantrag brütet man beim zuständigen Eisenbahn-Bundesamt seit April 2024. In einem „Partnerschaftsmodell Schiene“ genannten neuen Verfahren wollen die Beteiligten am Beispiel Pfaffensteigtunnel zeigen, dass Großprojekte sich nicht zwingend in die Länge ziehen müssen.
Kritische Nachfragen zum Zeitplan für den Pfaffensteigtunnel
Das Vorhaben ist im Bundeshaushalt verankert und soll – Stand jetzt – rund zwei Milliarden Euro kosten. Zu den bis zum Jahresende noch zu erreichenden Etappen zählt die Bahn auch die „Vereinbarung der Zielkosten und der Zieltermine“. Laut bisheriger Prognose soll der Tunnel im Jahr 2032 in Betrieb gehen. Zwei parallel arbeitende Tunnelbohrmaschinen, die bei Plieningen starten, sollen die Bauzeit kurz halten. Nach der jüngsten Verschiebung von Stuttgart21 verlangen die Grünen im Stuttgarter Rathaus alsbald Auskunft über einen belastbaren Zeitplan für den Pfaffensteigtunnel.
Kritiker fordern den Verzicht auf den Tunnel
Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart21 hingegen fordert in einem offenen Brief, diese Pläne aufzugeben und stattdessen Teile des Kopfbahnhofs weiterzubetreiben und die Gäubahnzüge auf dem gewohnten Weg über die Panoramastrecke dorthin zu führen. Den Flughafen ließen sie dann wie bisher links liegen. Die Schutzgemeinschaft Filder moniert den enormen Flächenverbrauch für die Tunnelbaustelle. Dabei soll nördlich der Autobahn 8 auf Höhe des Flughafens eine Baugrube ausgehoben werden, von der aus der Tunnel sowohl in Richtung Böblingen als auch in Richtung Flughafenbahnhof vorgetrieben wird. Laut der EU-Ausschreibungsdatenbank sind Aufträge für den Transport des Abraums bereits vergeben.