Stuttgart21 Neuer Bahnhof: Was Stuttgart von Lüttich und Antwerpen lernen kann

Die neuen Bahnhöfe von Antwerpen (rechts oben) und Lüttich (rechts unten) gelten als architektonisch herausragende Vertreter ihrer Bauwerkskategorie. Ob das der Stuttgarter Hauptbahnhof auch schafft, muss die Zukunft zeigen. Foto: Ferdinando Iannone, IMAGO/imageBROKER/Josef Schafnitzel, SeanPavonex via imago-images.de;;

Louis Maraite, einst Sprecher der belgischen Bahn, zeigt beim Tourismustag Stuttgart, wie Antwerpen und Lüttich ihre neuen Bahnhöfe zu Publikumsmagneten machten.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Taugt ein Bahnhof zu mehr, als nur zu einem Ort des Ankommens oder Abfahrens? Kann eine Station alleine selbst zum Ziel einer Reise werden? Für Louis Maraite ist die klare Antwort darauf: Ja. Der Belgier hat in seiner Zeit als Sprecher der belgischen Staatsbahn (SNCB/NMBS) die Eröffnung zweier Bahnhöfe im Nachbarland begleitet, die heute auf so gut wie keiner Liste der imposantesten Bahnstationen dieser Welt fehlen: Antwerpen und Lüttich.

 

Auch wenn das Ganze schon etwas zurück liegt – die Bahnhöfe gingen 2009 in Betrieb und Maraite steht mittlerweile als Sprecher in Diensten des luxemburgischen Hofes – so wird die Faszination, die für ihn von den beiden Bahnhöfen ausgeht, deutlich. Maraite sprach diese Woche darüber vor denen, die sich einiges vom neuen Stuttgarter Bahnhof versprechen. Er trat beim „Tourismustag Region Stuttgart“ auf, den die Stuttgart Marketinggesellschaft ganz polyglott unters Motto „One Year to Go – Stuttgart 21“ gestellt hatte.

Tourismusbranche wartet auf Stuttgart-21-Eröffnung

Auch wenn letzte Unwägbarkeiten hinsichtlich des derzeit von der Bahn für Dezember 2026 avisierten Eröffnungstermins des Stuttgart-21-Bahnhofs nicht gänzlich ausgeschlossen werden können, wollen die Stuttgarter Touristiker auf die Eventualitäten und den Tag X vorbereitet sein. „Wir wollen das Maximum aus den sich bietenden Chancen herausholen“, sagte Armin Dellnitz, Geschäftsführer der Stuttgart Marketing.

Maraite bestärkte ihn und die anwesenden Vertreter der regionalen Tourismusbranche in dieser Haltung. Der ehemalige Bahnsprecher zeigte anhand von Einwohner- und Reisendenzahlen, dass das Potential in Stuttgart größer ist als das in Antwerpen oder Lüttich. In der ostbelgischen Stadt, wo ein spektakuläres Dach nach einem Entwurf des spanischen Architekten Santiago Calatrava die Bahnsteige überspannt, würden immer noch jährlich 100000 Besucher gezählt, die nur wegen des Bahnhofes einen Abstecher in die Stadt an der Maas machen, so Maraite.

Reicht die Zeit bis zur Stuttgart-21-Eröffnung?

Gemessen an den Bemühungen der Belgier ihre beiden neu- und umgebauten Bahnhöfe – in Antwerpen wurden Teile der Kopfbahnhofgleise in den Untergrund ver- und nochmals eine Etage tiefer ein Durchgangsbahnhof angelegt – zum Start ins rechte Licht zu rücken, tickt die Uhr in Stuttgart unüberhörbar. Die Vorbereitungen haben laut Maraite 18 Monate in Anspruch genommen. Hält die Bahn in Stuttgart Wort, bleiben noch 13 Monate bis zur ersten Inbetriebnahmephase von Stuttgart21 im Dezember 2026.

Versöhnungsfest nach dem Baustellenstress?

Parallelen zwischen Stuttgart und den beiden belgischen Projekten, die wegen der Gleichbehandlung von Flamen und Wallonen gleichzeitig vorangetrieben wurden, gibt es durchaus. Beide Vorhaben sprengten den ursprünglich vorgesehenen Finanzrahmen und wurden von Bahnhofsnutzern als lästig empfunden. „Die Eröffnung war auch eine Art Versöhnungsfest der Menschen mit ihrem Bahnhof“.

Und was könnte Stuttgart sich davon abschauen? Maraite plädierte dafür, die Eröffnung unbedingt groß zu inszenieren. In Lüttich hätten 80000 Menschen vor dem Bahnhof gefeiert, 300 Fachjournalisten aus aller Welt berichteten, die Fernsehübertragung habe fast jeden dritten Belgier erreicht. Und nach einem Besuch auf der Stuttgart-21-Baustelle glaubt Maraite, dass Ähnliches auch in Stuttgart möglich ist. Der Gang durch die neue Bahnsteighalle sei für ihn ein „Wow-Effekt“ gewesen. „Was da entstanden ist, das ist einmalig. Ich wäre stolz so etwas in meiner Stadt zu haben. Das bringt Stuttgart auf die Weltkarte“.

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