Stuttgarter Abendgymnasium Lehrer machen Druck bei Standortsuche

Von Am bisherigen Standort muss es einem Musikgymnasium weichen. 

In einem offenen Brief an Politiker in Stadt und Land fordert das Kollegium des Abendgymnasiums ein Ersatzgebäude. Am bisherigen Standort muss es einem Musikgymnasium weichen.

Am Ebelu ziehen Musikgymnasiasten ein – deswegen braucht das Abendgymnasium neue Räume. Foto: Michael Steinert
Am Ebelu ziehen Musikgymnasiasten ein – deswegen braucht das Abendgymnasium neue Räume. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - „Unlängst hoch gefeiert, jetzt vergessen?“ Mit diesen Worten beginnt ein offener Brief des Kollegiums des Abendgymnasiums Stuttgart. Er ist dieser Tage an Stadträte und Landtagsabgeordnete verschickt worden. Die Lehrerschaft ist in großer Sorge, wie, oder besser, wo es mit dem Abendgymnasium weitergeht, und bittet die Politik um Unterstützung. Auch die Schüler seien beunruhigt, ob sie den eingeschlagenen Weg zum späten Abitur weitergehen könnten. Denn bislang zeichne sich keine Lösung ab, heißt es in dem Brief.

Absage an eine große Lösung

Wie berichtet, muss die von der Volkshochschule (VHS) getragene Einrichtung aus dem Gebäude des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums (Ebelu) in einem Jahr bereits ausgezogen sein, weil das Ebelu Musikgymnasium geworden ist und die Räume dann selbst braucht. Noch kurz vor der Sommerpause hatte der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats sich mit dem Thema befasst. Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann und Kämmerer Michael Föll (beide CDU) hatten klargestellt, dass die Stadt dem privaten Abendgymnasium kein Alternativgebäude bereitstellen könne und – mit Blick auf andere Privatschulen – auch keinen Präzedenzfall schaffen wolle und dürfe.

Die von der VHS als Trägerin gewünschte große Lösung, ein Schulzentrum für Erwachsene mit weiteren Angeboten für Migranten und Spätberufene zu schaffen, war mit dieser Absage wieder vom Tisch.

Eisenmann kündigte als mögliche neue, aber noch zu prüfende Lösungen die Standorte Max-Eyth- und Robert-Mayer-Schule neben dem VHS-Treffpunkt Rotebühlplatz sowie die Kaufmännische Schule Nord als denkbare Alternativen an. Doch mittlerweile sieht Ingrid Münnig-Gaedke, die stellvertretende Leiterin der VHS, nur noch „minimale Chancen“ für die Realisierung dieser Standorte.

„Nord ist vom Tisch, weil es dort keine Verwaltungsräume für uns gibt“, erklärt Münnig-Gaedke. Und in der Robert-Mayer-Schule gebe es zwar „Räume, die sie uns zur Verfügung stellen könnten – aber nicht ausreichend viele und auch keine Verwaltungsräume“. Dies habe eine Begehung gezeigt. „Wir hatten immer noch auf die Neckar-Realschule gehofft“, sagt Münnig-Gaedke. Aber deren bisherigen Standort an der Neckarstraße belegt nun das Kolping-Bildungswerk.

Unruhe in der Lehrerschaft

„Wir sind ja nicht irgendeine Privatschule“, argumentiert die VHS-Vize. „Es ist ja auch ein Plus für die Stadt, wenn sie ein so großes Abendgymnasium vorhält für ihre Mitbürger.“ Zudem, so argumentiert auch das Kollegium, sei das Abendgymnasium zwar eine private Ersatzschule – „aber tatsächlich gibt es keine staatliche Alternative für bildungswillige junge Erwachsene, die auf dem zweiten Bildungsweg einen höheren Schulabschluss erwerben wollen“.

Silvia Greif, die Betriebsratsvorsitzende des Abendgymnasiums, berichtet von einer „großen Unsicherheit im Kollegium und einer sehr unguten Atmosphäre – das Thema hat geschwelt, wir wurden immer wieder beschwichtigt“. Einige Kollegen dächten aus diese Grund bereits darüber nach, ob sie sich nach einem anderen Arbeitsplatz umsehen sollten. Dieter Weiß, der Schulleiter, sagt: „Wir stehen zu diesem zweiten Bildungsweg – und wir sind eine sehr motivierte Truppe.“

Münnig-Gaedke kann die Verunsicherung an der Schule gut nachvollziehen: „So einen Umzug macht man ja nicht geschwind in zwei Monaten.“ Alle bisher geprüften Standorte hätten sich als „nicht geeignet“ erwiesen. Schließlich werde ein gut erreichbares Gebäude gesucht, das 20 Klassenzimmer und fünf Fachräume für etwa 550 Schüler sowie ein Lehrerzimmer für 60 Personen samt Konferenzzimmer und Verwaltungsräumen biete. Das Problem sei nur: „Die Volkshochschule kann das alles gar nicht stemmen.“

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