Stuttgarter Abiturienten berichten „Die Fragen waren sehr offen gestellt“ – So liefen die ersten Abi-Prüfungen

Erleichterung bei den Jugendlichen am FEG: Der erste Klausurentag ist vorbei. Foto: MAX KOVALENKO

Am heutigen Dienstag startete das schriftliche Abi – unter anderem mit Sport. Abiturienten des Stuttgarter Friedrich-Eugens-Gymnasiums erzählen, wie schwer die Aufgaben waren.

Freizeit und Unterhaltung: Dominika Bulwicka-Walz (dbw)

„You never walk alone“, steht in großen Buchstaben auf einem der bunten Plakate. Sie hängen an der Turnhalle des Friedrich-Eugens-Gymnasiums (FEG) im Stuttgarter Westen und sollen die Abiturientinnen und Abiturienten, die in der Turnhalle ihre schriftlichen Prüfungen ablegen, motivieren und ihnen Glück bringen.

 

Um 13 Uhr treten die ersten Prüflinge nach draußen. Lautes Stimmengewirr, aufgeregte Stimmung. Die Abiturientinnen und Abiturienten tauschen sich untereinander aus. Wer hat was geschrieben, und liegt man mit seiner Lösung richtig? Irgendwann mischt sich auch der Lehrer Johannes Ott, der den Leistungskurs Sport unterrichtet und auf das Abitur vorbereitet hat, in die Menge. „Die letzten Tage war schon eine Grundspannung zu bemerken. Wir haben noch letzte Fragen geklärt. Aber der Kurs war gut“, erzählt der Lehrer. Und am Tag der Klausur? Wenn man als Lehrkraft morgens mit den Prüfungsbögen in die Klausurräume läuft, seien die Augen schon groß, erzählt Ott und gesteht: „Aber ich bin morgens beim Abi genauso nervös.“

Klausurfragen waren offen gestellt

Nach der Klausur hat der Sportlehrer die einen als euphorisch und erleichtert erlebt, andere wollten sich umgehend rückversichern, ob ihre Antworten richtig waren. Doch der Lehrer rät dazu, die Prüfung erst sacken zu lassen.

Elias und Rebecca haben ihre schriftliche Prüfung in Sport geschrieben. Foto: MAX KOVALENKO

Rebecca und Elias sind zwei der Jugendlichen aus dem Sport-Leistungskurs. „Ich wusste auf jede Frage die Antwort“, sagt der 17-Jährige. „Und bin recht zufrieden. Aber ich hätte mir auch mehr Theorie, also Wissensabfrage gewünscht, da wir auch viel auswendig gelernt haben.“ Seine Klassenkameradin stimmt ihm zu: „Die Fragen waren sehr offen gestellt, deshalb kann ich nicht so genau einschätzen, wie sie bewertet werden.“ Die Prüflinge mussten sich in der Abi-Klausur mit die Arbeitsweise der Muskulatur sowie mit Sport und Gender und der Biomechanik beschäftigen.

Sportprüfung ist noch nicht beendet

Doch mit der heutigen Klausur ist die Prüfung in Sport noch nicht beendet. Nach den Pfingstferien, Mitte Juni, steht der zweite Teil der Sportprüfung an: die fachpraktische Prüfung, die 50 Prozent der Note ausmachen wird. „Wir haben vor einem Monat festgelegt, in welchen Sportarten wir geprüft werden wollen“, erzählt Elias. Die Jugendlichen konnten zwischen einer Mannschaftssportart und Individualsportarten wählen. Elias hat Fußball, Leichtathletik und Bodenturnen gewählt. Rebecca wird ihre Prüfung in Fußball, Tanzen und Leichtathletik ablegen. Dann haben sie noch zwei bis drei Wochen Zeit bis die mündlichen Prüfungen starten. Für Elias in Mathe und Gemeinschaftskunde und für Rebecca in Geschichte und Deutsch. Doch vorerst schreibt Elias am Donnerstag seine Physikprüfungen und eine Woche später Deutsch und Rebecca Englisch und Mathe.

Pläne für die Zeit nach dem Abitur haben die beiden auch schon. „Direkt nach dem Abi werde ich erstmal etwas arbeiten und mit Freunden reisen. Ab Oktober beginne ich dann ein Freiwilliges Soziales Jahr in Sambia“, erzählt Elias. Und auch Rebecca plant erst einmal zu reisen und anschließend eine Saison lang als Skilehrerin zu arbeiten. Die Ausbildung dafür hat sie bereits im vergangenen Winter gemacht. Danach plant sie ein Studium.

Gemeinschaftskunde ist gut gelaufen

Eine halbe Stunde später, um halb zwei, gehen die Türen erneut auf. Der Leistungskurs Gemeinschaftskunde ist ebenfalls fertig. „Die Klausur ist gut machbar gewesen, und ich habe mich für das Thema Einfluss der Medien auf die Demokratie, entschieden“, erzählt Romy, die seit der fünften Klasse am FEG ist, mit einem Jahr Unterbrechung, das sie in den USA verbracht hat. Die 19-Jährige war überrascht, dass der gleiche Demokratietheoretiker dran kam wie im Vorjahr, denkt aber auch schon an die Biologieklausur am Folgetag. Nach dem Abitur plant sie, eine Weile zu reisen und danach ein Studium zu beginnen.

Friedrich hat seine erste Prüfung ebenfalls in Gemeinschaftskunde geschrieben. Seine Aufgabenstellung war die Frage danach, ob die Regierung Soziale Medien mehr kontrollieren sollte.

Romy und Friedrich sind zufrieden mit dem Verlauf der Prüfung in Gemeinschaftskunde. Foto: MAX KOVALENKO

Er selbst findet, dass die Klausur besser gelaufen sei als er selbst es während der Lernphase noch erwartet hätte. „Bei einigen Punkten hätte ich gerne noch etwas verbessert, wobei es sich dabei nicht um Inhalte handelt, sondern eher um Zeiteinteilung“, berichtet er. Am Donnerstag steht für ihn noch Physik an und die letzte schriftliche Prüfung wird das Fach Englisch am 30. April sein. Und Ende Juni will er bei den mündlichen Prüfungen seinen Schnitt noch verbessern. Und was plant der 19-Jährige, wenn das Abitur dann vorbei ist? „Nach dem Abi will ich ein Freiwilliges Soziales Jahr im Tierheim machen“, erzählt er.

Dienstag war der prüfungsreichste Tag

Die Klausuren sind vorbei, die Abiturientinnen und Abiturienten bereits gegangen. Einige Kinder aus der Unterstufe laufen herum, spielen Fangen. Irgendwann bleiben sie vor den Plakaten stehen und lesen sie laut vor. In einigen Jahren hängen solche wahrscheinlich auch für sie hier, um sie in der anstrengenden Prüfungsphase zu motivieren.

Elf schriftliche Abiturprüfungen standen am Dienstag in Baden-Württemberg an. Von 9 Uhr bis 13.30 Uhr haben Schülerinnen und Schüler in den Fächern Bildende Kunst, Ethik, Gemeinschaftskunde, Geografie, Geschichte (auch bilingual), Informatik, Musik, Naturwissenschaft und Technik, Religionslehre und Wirtschaft ihr Wissen unter Beweis gestellt.

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