Stuttgarter Ärzte warnen Hitzewelle belastet Notaufnahmen

Um Gesundheitsprobleme zu vermeiden, sollten insbesondere ältere Menschen Arbeiten im Freien meiden. Foto: Brilliant Eye - stock.adobe.com

Stuttgarter Krankenhäuser melden vermehrt Notfälle wegen der hohen Temperaturen. Auch Magen-Darm-Infekte sind auf dem Vormarsch.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Regine Warth (wa)

Wie stark die Rekordtemperaturen dem menschlichen Organismus zusetzen, zeigt sich nicht zuletzt an dem jungen Mann, der am vergangenen Montag per Rettungshubschrauber in das Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart (RBK) eingeliefert worden ist. Sein Körper hatte sich so stark überhitzt, dass die aufgestaute Wärme durch Schwitzen allein nicht ausgeglichen werden konnte. Er hatte eine Bewusstseinsstörung und musste intubiert werden, heißt es seitens des RBKs.

 

Der Stuttgarter war nicht der Einzige in diesen Tagen, der gesundheitliche Probleme aufgrund der Hitzewelle entwickelt hat: „Seit Anfang letzter Woche haben die Ärzte im RBK täglich jeweils mindestens drei Hitzegeschädigte versorgt“, so die Sprecherin Christiane Pötter. Allein am vergangenen Montag waren es schon ein halbes Dutzend, die meisten zwischen 75 und 90 Jahre alt. Bei ihnen kam es hauptsächlich zu geistiger Verwirrtheit aufgrund von Flüssigkeitsmangel, aber auch Schwindel und Herz-Kreislauf-Probleme waren häufige Diagnosen.

Bei Hitze erhöht sich auch das Sturzrisiko

Ähnliches berichtet auch Susanne Schmalenbach, Oberärztin der Interdisziplinären Notaufnahme des Marienhospitals: „Derzeit verzeichnen wir ein stark erhöhtes Aufkommen hitzegeschädigter Patienten, insbesondere älterer Menschen.“ Auch hier war Flüssigkeitsmangel der Auslöser für schwere Erschöpfungszustände, teils bis zur Bewusstlosigkeit. Aufgrund der hitzebedingten Kreislaufbeschwerden und Bluthochdruckprobleme ist auch das Sturzrisiko erhöht: So wurden im Marienhospital auch mehr ältere Patienten mit Platzwunden versorgt.

Warum gerade ältere und vorerkrankte Patienten besonders stark unter der Hitze leiden, erklärt Tobias Schilling, Ärztlicher Direktor des Departments für interdisziplinäre Akut-, Notfall- und Intensivmedizin im Klinikum Stuttgart: Auch hier werden derzeit pro Tag zehn bis 15 Patienten allein wegen Hitzeschäden versorgt. „Der Organismus bei diesen Personen verliert durch Schwitzen viel Flüssigkeit, der Blutdruck fällt und es kann zu einer kurzen hitzebedingten Bewusstlosigkeit oder Schwäche kommen“, sagt Schilling.

Medikamentenplan der Hitze anpassen

Auch können durch die wärmebedingte stärkere Durchblutung der Haut sogenannte Hitzeödeme entstehen. Sprich: Die Beine werden dick und geschwollen. „Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass trotz Ödemen keine harntreibenden Medikamente gegeben werden“, sagt Schilling. Auch die Oberärztin vom Marienhospital, Susanne Schmalenbach, rät älteren Menschen mit ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt Rücksprache zu halten, ob eine Anpassung der Medikation – etwa im Hinblick auf Blutdruckmittel – sinnvoll wäre.

Typische Probleme bei großer Wärme sind auch Muskelkrämpfe. Diese können durch den Salzverlust beim Schwitzen auftreten, sagt Schilling. Viele klagen auch über Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel – darunter auch Kinder. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit haben fast drei Viertel (73 Prozent) der Kinder in Baden-Württemberg nach eigener Aussagen bei Hitze gesundheitliche Probleme.

Auch junge Erwachsene trinken bei Hitze zu wenig

Für das medizinische Team in den Notaufnahmen bergen Hitzewellen daher eine ganz besondere Herausforderung: Man habe seit einigen Wochen ohnehin ungewöhnlich viel Zulauf in der Notaufnahme – auch unabhängig von den momentan heißen Tagen, so Frank Weberheinz vom Diakonieklinikum Stuttgart. „Neben älteren und chronisch kranken Menschen sind auch zusätzlich viele jüngere Erwachsene mit Beschwerden vorstellig geworden.“ Etwa nach körperlicher Anstrengung im Freien oder unzureichender Flüssigkeitszufuhr.

Um zusätzliche Notfälle zu vermeiden, rät Tobias Schilling vom Klinikum Stuttgart zu mehr Ruhe und Gelassenheit: „Es gilt, körperliche Aktivitäten absolut zu vermeiden.“ Also kein Sport und keine körperliche Arbeit im Freien. Wichtig sei auch kontinuierlich über den Tag verteilt, zu trinken, leicht und ausgewogen zu essen und die direkte Sonne zu meiden, rät der Geschäftsführer des RBK, Mark Dominik Alscher.

Magen-Darm-Infekte auf dem Vormarsch

Ein anderes gesundheitliches Problem, das bei Hitze häufig entsteht, sind Magen-Darm-Infekte. Im Marienhospital wurde eine auffällige Zunahme solcher Erkrankungen festgestellt. „Diese betreffen auch jüngere Patientinnen und Patienten“, warnt Susanne Schmalenbach. Im Karl-Olga-Hospital in Stuttgart zeigten sich zudem weitere Probleme: „Laut unserem Ärzteteam in der Notaufnahme haben sich wieder vermehrt Betroffene mit Insektenstichen und Zeckenbissen angemeldet“, sagt die Sprecherin Sandra Lehmann. Das sei neben Hitzeschäden natürlich auch typisch für die Jahreszeit.

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