Dem Schloss Solitude – Stuttgarts Lieblingskulisse für Hochzeitspaare – sieht man das Alter immer mehr an. Die Fassade muss dringend saniert werden. Jetzt tut sich etwas.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Schloss Solitude, eines der beliebtesten Ausflugsziele Stuttgarts, ist in die Jahre gekommen – kein Wunder bei dem Baujahr. Das von Herzog Carl Eugen in Auftrag gegebene Lustschloss wurde von 1764 bis 1769 hochgezogen. Gebaut wurde damals nicht für die Ewigkeit, sondern für den barocken Zeitvertreib. Kein Wunder, dass die Pracht bald nach Fertigstellung schon wieder anfing zu bröckeln. Nach und nach verschwanden die ausladenden Gärten samt Gartengebäuden. Das Schloss und die Offiziers- und Kavaliersgebäude, die heute die Solitude-Akademie, die Schlosskirche und ein Restaurant beherbergen, sind samt den in Fächerform angelegten beliebten Kavaliershäuschen geblieben – und beschäftigen immer wieder die Handwerkerschaft.

 

Unter König Karl I. wurde die Solitude 1864 erstmals renoviert. Nach wechselvoller Schlossnutzung und bewegter Schlossgeschichte erfolgte von 1972 bis 1983 eine umfangreiche Sanierung der vom Verfall bedrohten Anlage. Danach wurden immer wieder einzelne Teile ausgebessert und wiederhergestellt, seien es Deckengemälde im Inneren oder die markanten Treppenanlagen außen. Zuletzt wurden an den Nebengebäuden Fenstereinfassungen und Fassaden abgedichtet und erneuert.

Gemäuer mit morbidem Charme

Das Schloss selbst blieb außen vor. Nach wie vor bietet es eine fotogene Kulisse; zuletzt vergangenes Wochenende beim Klassik-Open-Air, als „Peer Gynt“ aufgeführt wurde. Ungebrochen ist auch der Andrang von Hochzeitspaaren, die sich vor, am und rund um Schloss Solitude ablichten lassen. Das täuscht jedoch nicht über die Schäden an der Fassade hinweg. An vielen Stellen bröckelt der Putz. Der zunehmend morbide Charme des Gemäuers mag sich auf Hochzeitsbildern gut machen, für weniger verträumte Ausflügler ist er eher ein Ärgernis.

Auch die Decke des Sockelgeschosses ist reparaturbedürftig. Foto: Jan Sellner

Der zuständige Landesbetrieb Vermögen und Bau will die Schäden nun beheben. Ein Sprecher kündigt auf Anfrage „Fassadenmaßnahmen“ an. Diese sollen mit Rücksicht auf den laufenden Veranstaltungs- und Saisonbetrieb „in kleineren Tranchen abschnittsweise und, auch witterungsbedingt, in begrenzten Zeiträumen durchgeführt erfolgen“. Als erstes werden demnach die Holzfensterläden repariert. Parallel zum Saisonbetrieb wird der Putz am Sockelgeschoss des Schlosses erneuert.

„Es hat sich gezeigt, dass einige Fensterläden in der Beletage stärker beschädigt sind, als ursprünglich angenommen“, erklärt der Sprecher. Auch die notwendigen Putzarbeiten an der Nordseite des Schlosses würden „umfassender“ ausfallen. Aus diesem Grund verschiebt sich die ursprünglich für Herbst vorgesehene Instandsetzung der süd-westlichen Treppenanlage ins Jahr 2026.

Eine Kostenschätzung liegt noch nicht vor

Für die Arbeiten sind laut Vermögen und Bau in diesem Jahr rund 300 000 Euro veranschlagt. „Etwa die gleiche Summe wird auch für die kommenden Jahre angesetzt“, teilt der Sprecher weiter mit. Eine belastbarere Kostenprognose könne derzeit nicht genannt werden. Alle Renovierungsmaßnahmen würden in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege und Restauratoren durchgeführt.

Ganz schön was los also am guten alten Schloss Solitude, das Herzog Carl Eugen einst der „heiligen Ruhe“ weihte, wie eine lateinische Inschrift am nördlichen Schlossportal verrät.