Stuttgarter Autorin Mona Frick Prinzessin Samira tanzt für ein besseres Miteinander

Freude über eine gelungene Ballettpremiere: Die Stuttgarter Autorin Mona Frick zwischen den beiden Samira-Darstellerinnen . Foto: /privat

Einem orientalischen Märchen von Mona Frick gelang im norddeutschen Ahrensburg der Sprung auf die Ballettbühne. Die Autorin erzählt, warum Prinzessin Samira bald auch in Stuttgart tanzen soll.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Sie ist die Stuttgarter Autorin mit der Badeente. Die Krimi-Reihe mit dem gelben Wasservogel auf dem Cover, in der ein schwäbischer Oberkommissar im Ruhestand Morde klärt, begleitet Mona Frick schon ein paar Jahre. Eine von „Schäfers Ermittlungen“ wurde sogar vom SWR als Mundart-Hörspiel inszeniert.

 

Doch es ist eine ihrer allerersten Erzählungen, von Mona Frick bereits als Schülerin verfasst, die derzeit für Hochgefühle bei der Autorin sorgt. Dem Märchen „Prinzessin Samira und die verzauberte Dattel“, das Mona Frick Jahre später mit Illustrationen von Ly Fabian als Buch veröffentlichte, gelang im April der Sprung auf die Ballettbühne. Und bei der Premiere im hohen Norden durfte Mona Frick erleben, wie engagiert 130 Tanzschülerinnen und Tanzschüler Bewegung in ihre Geschichte brachten.

Ballett mit orientalischem Flair: Szene aus „Prinzessin Samira“ Foto: Mona Frick/privat

„Das war mit der schönste Moment meines Lebens“, berichtet die Autorin in einem Café auf dem Marienplatz von der überwältigenden Resonanz auf die Premiere. Die ganze Inszenierung wirkt so stark nach, dass Mona Frick sie im nächsten Januar auf eine Stuttgarter Bühne holen will. Mitreisen aus Ahrensburg werden neben Kulissen und Kostümen auch die Protagonistinnen, die Samira in verschiedenen Lebensphasen und ihre wichtigsten Begleiter verkörpern.

Gesucht war ein orientalischer Tanzstoff

Die Nebenrollen wird der Nachwuchs der Ballettschule Developpé aus Rottenburg am Neckar übernehmen, der auch die norddeutschen Tanzgäste beherbergen wird. „Über hundert Personen anreisen zu lassen und unterzubringen, könnte ich niemals finanzieren“, sagt Mona Frick, die auch die im Friedrichsbau Varieté geplante Aufführung nur mit Hilfe von Sponsoren stemmen kann.

Im Mittelpunkt von Mona Fricks Märchen steht eine Prinzessin, die sich vom mitfühlenden, wissbegierigen Mädchen zur eitlen, jungen Frau entwickelt und nach dem Verzehr einer verzauberten Dattel auf einer langen Traumreise ihrem alten Ich begegnet. „Jasmin Knop, die Leiterin der Ballettschule, stieß darauf, als sie nach einem orientalischen Stoff mit weiblichen Hauptfiguren suchte“, erklärt Mona Frick, wie ihrem Märchen der Sprung auf die Ballettbühne gelang.

Viel los in „Prinzessin Samira“ Foto: Mona Frick/privat

Die Autorin, die einen jordanischen Palästinenser zum Vater hat, erinnert sich gut daran, wie leicht ihr die Erschaffung von Samiras Welt fiel. Nicht nur, weil die Geschichte zeitlose menschliche Werte transportiert, bleibt das Schicksal der Prinzessin aktuell. „Ich wollte den schon damals herrschenden Vorurteilen gegenüber Arabern etwas entgegensetzen und zeigen, welchen hohen Stellenwert Wissenschaften und Nächstenliebe bereits früh in der arabischen Kultur hatten“, sagt Mona Frick.

Deutsch-arabische Autorin engagiert sich

Das Vermitteln zwischen den Kulturen sieht die Deutsch-Araberin, die viele Jahre ehrenamtlich Geflüchtete betreute, als wichtige Aufgabe. Schließlich zeigt die Zuspitzung des Nahost-Konflikts die Notwendigkeit von Verständigung. „Jede Art von Tod bringt unwahrscheinliches Leid mit sich“, sagt Mona Frick, auf die aktuelle Situation angesprochen. „Auf beiden Seiten weinen Mütter um ihre Kinder.“

Fricks Märchen spricht zu einer aufs Äußere fixierten Zeit

Das Märchen von Prinzessin Samira kann junge Menschen heute aber vor allem aus einem anderen Grund sehr direkt ansprechen. In ihm stecke im Grunde eine Kritik, die sich auf die sozialen Medien übertragen lasse, sagt Mona Frick. „Dass Samira sich in eine junge Frau wandelt, die extrem auf ihr Aussehen und ihre Wirkung fixiert ist, passt sehr gut in unsere Zeit, in der sich alle im besten Licht präsentieren wollen.“

Aktuelle Botschaft kommt an

Diese Botschaft kommt an, wie auch die Ballettlehrerin Jasmin Knopp beobachtet hat: „Uns hat diese Geschichte sehr berührt“, sagte sie, alle seien mit Feuer und Flamme dabei. Das unterstreichen die kurzen Ausschnitte, die Mona Frick auf ihrem Handy zeigt: Mit präzisen Gesten scheinen die Protagonisten dieses Tanzstücks ihr Publikum direkt anzusprechen. Mona Frick freut sich bereits jetzt auf ein Wiedersehen.

Info

Termin
Die Ballettaufführung „Samira und die verzauberte Dattel“ ist am 6. Januar in einer Nachmittagsvorstellung im Friedrichsbau Varieté am Pragsattel zu sehen. Der Kartenvorverkauf beginnt im Spätsommer.

Spende
Offizieller Veranstalter der Ballettinszenierung ist der eingetragene Verein Ballettfreunde Ahrensburg. Ein möglicher Überschuss soll an den Verein fließen, um weitere Projekte zu ermöglichen.

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