Stuttgarter Bahnnetz Privatbahnen finden schwer in die Spur

Es läuft nicht rund bei den neuen Bahn-Anbietern. Foto: dpa

Die Material- und Personalprobleme der Eisenbahnverkehrsunternehmen Abellio und Go Ahead sorgen für Verspätungen und Zugausfälle.

Stuttgart - Der regionale Zugverkehr ist seit der Aufnahme des Betriebs im Stuttgarter Netz an Pfingsten durch die Firmen Go Ahead und Abellio geprägt von Verspätungen und Zugausfällen. Die Betriebsqualität auf den Strecken von Stuttgart nach Karlsruhe, Mannheim, Aalen und Crailsheim sei weder zufriedenstellend noch erfülle sie die vertraglichen Anforderungen, betont das Landesverkehrsministerium. Es zeichne sich aber eine Verbesserung ab. Fraglich bleibt, ob alle Probleme bis zum Start der zweiten Inbetriebnahmestufe Anfang Dezember beseitigt sind. Ohne die Unterstützung der bei der Ausschreibung des Netzes unterlegenen DB Regio durch die Überlassung von Lokführern, Zügen und Werkstätten wäre der Betrieb längst zusammengebrochen, sagt Leiter David Weltzien.

 

Mitursächlich für diese Zustände sind neben externen Faktoren wie den dichten Zugfolgen auf diversen Strecken und im Stuttgarter Knoten, Stellwerks- und Oberleitungsstörungen und die Lieferschwierigkeiten: das Unternehmen Bombardier hat der niederländischen Staatsbahn-Tochter Abellio bisher nur zwei von 18 Zügen geliefert, die englische Privatbahn Go Ahead beklagt erhebliche Fahrzeugstörungen wegen Softwareproblemen bei Neufahrzeugen der Firma Stadler.

Viele Lokführer sind Fahranfäger

Der Fahrplan verspricht mehr Fahrten und mehr Sitzplätze. Tatsächlich sind die Kapazitäten wegen der Inanspruchnahme von Ersatzzügen der Deutschen Bahn auf einigen Strecken geringer, Linien müssen verkürzt werden, um Verspätungen aufzufangen. Für die Verzögerungen sind auch die Lokführer verantwortlich. Die meisten sind unerfahrene Berufsanfänger, die noch zu langsam fahren, zu früh bremsen oder sich spontan krankmelden.

Die Fahrzeuge seien so kurzfristig geliefert worden, dass dem Personal gar keine Zeit für Übungsfahrten geblieben sei, räumt Go-Ahead-Geschäftsführer Hans-Peter Sienknecht ein. Triebfahrzeugführer, Leitstellenmitarbeiter und Disponenten würden aber schnell Routine entwickeln. Die Lösung mancher Themen werde sich aber bis Jahresende hinziehen, so Sienknecht. Der zweite Betriebsstart im Dezember – Go Ahead fährt dann zusätzlich die Strecke Stuttgart – Ulm - sei aber nicht gefährdet. Sämtliche Fahrzeuge seien bis dahin überarbeitet und zugelassen.

Bombardier hat Lieferprobleme

Bei Abellio vertraut man auf das Wort von Bombardier-Chef Michael Fohrer, der die Einhaltung des Lieferplans zugesagt hat. Es handelt sich dabei allerdings um die 13. Fassung. Die Verzögerungen zwingen den Betreiber nicht nur, Fahrzeuge anzumieten. In der zweiten Betriebsstufe wird DB Regio aller Voraussicht nach für Abellio den neuen Streckenast Stuttgart – Heilbronn bedienen. Das Unternehmen hat jedoch selbst Probleme, ausreichend Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen, da es auf ein Betriebsende eingestellt war.

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