Stuttgarter Bahnverkehr S-Bahn über die Filder wird eine teure Sache

Von Alexander Ikrat 

Die Politik diskutiert zurzeit darüber, wie das S-Bahn-Netz weiterentwickelt werden kann, wenn Stuttgart 21 fertig ist. Eine S-Bahn über den Flughafen hinaus ins Neckartal könnte eines der Großprojekte sein. Doch im Regionalparlament kommt keine Begeisterung auf.

Eines Tages soll die S 2 von Bernhausen nicht mehr zurück nach Schorndorf, sondern weiter in Richtung Neckartal fahren. Foto: Jacqueline Fritsch
Eines Tages soll die S 2 von Bernhausen nicht mehr zurück nach Schorndorf, sondern weiter in Richtung Neckartal fahren. Foto: Jacqueline Fritsch

Stuttgart - Die Verlängerung der S 2 vom Flughafen oder von Neuhausen/Fildern in Richtung Neckartal ist so sehr Zukunftsmusik, dass man fast schon von einer Utopie sprechen möchte. Eine Voraussetzung für das Projekt ist, dass Stuttgart 21 fertig ist – wofür vom Bauherrn Bahn mittlerweile das Jahr 2025 gehandelt wird. Danach soll die S 2 erst einmal Neuhausen erreichen.

Für die 3,9 Kilometer lange Strecke sollte eigentlich dieses Jahr der Baubeschluss auf dem Tisch liegen und der erste Zug dann 2022 in Neuhausen einfahren. Inzwischen sorgen sich Gemeinderäte auf den Fildern darum, ob der S 2-Ausbau überhaupt noch so rentabel sein kann, dass der Bund ihn bezahlen will. Das liegt an der Debatte über die Lage des künftigen Fernbahnhofs am Flughafen und die Anzahl der Fernzüge, die die Bahn dorthin schicken will. Zur Erinnerung: Die Kosten-Nutzen-Rechnung für das 125-Millionen-Euro-Projekt fiel schon 2014 nur knapp zugunsten des Ausbaus aus. Alles, was der S 2 weniger Fahrgäste bringt, droht das Projekt zu Fall zu bringen.

Weil das alles ungelegte Eier sind, arbeitet die Regionalversammlung konsequent am neuen Regionalverkehrsplan, mit dem die Weichen für den öffentlichen Nahverkehr und den Straßenbau der nächsten 20 Jahre gestellt werden sollen. Da ist Zukunftsmusik Programm. Das Verkehrswissenschaftliche Institut der Uni Stuttgart und eine Bahntochter haben diese im vergangenen Jahr im Auftrag des Verbands Region Stuttgart geschrieben und am Montag dem Verkehrsausschuss vorgestellt. Unter die Lupe genommen wurden neun Varianten, die über den künftigen S-Bahn-Halt Neuhausen hinausführen und weitere neun Varianten, die vom Flughafenbahnhof auf die Neubaustrecke der Bahn führen und nach einigen Kilometern wieder abzweigen in Richtung Neckar.

In der Auswahl sind noch acht Trassen

Übrig geblieben sind jeweils vier Varianten, die künftig noch detaillierter untersucht werden sollen. Die richtig teuren Lösungen, die aber auch die meisten Fahrgäste bringen würden, sehen entweder eine Neubaustrecke unter Neuhausen, südlich von Denkendorf über die A 8, durchs Körschtal nach Altbach und weiter nach Plochingen, von Denkendorf weiter nach Köngen oder südlich der A 8 nach Unterensingen und Wendlingen vor. Diese könnten der S-Bahn als Verbindung BöblingenGöppingen mehr als 18 000, als Linie Böblingen–Nürtingen mehr als 14 000 Fahrgäste täglich bringen. Diese Ausbauideen sollen aber auch bis zu 900 Millionen Euro kosten.

Weil die Unterquerung Neuhausens einen riesigen Aufwand mit sich bringen würde, wird auch untersucht, die S-Bahn vom künftigen Flughafenhalt auf die Neubaustrecke der Fernbahn zu leiten und dann entweder wieder nach Altbach abzuzweigen oder aber erst bei Unterensingen ein Schleife Richtung Kirchheim/Teck zu machen. Hier sollen zwischen 5100 und 11 400 Fahrgäste täglich einsteigen, dafür könnten aber auch nur 200 bis 600 Millionen Euro anfallen. Angesichts der Zahlen machte sich bei Bernhard Maier, Verkehrsexperte der Freien Wähler, „blanke Ernüchterung“ breit. Er verglich das Projekt mit der S 60 Böblingen–Renningen, die 150 Millionen kostete und 12 000 Fahrgäste bringen sollte, die fünf Jahre nach der Inbetriebnahme längst übertroffen sind. CDU-Sprecher Helmut Noë sprach von einer „Aufgabe für Generationen“.

André Reichel von den Grünen war das auf die lange Bank geschoben. „Wir brauchen bald die Varianten, die wir genauer prüfen können“, drückte Reichel aufs Gas. Für Thomas Leipnitz (SPD) sind das wegen der hohen Investitionen eher Linien, die die Neubaustrecke nutzen. Die Verwaltung soll bis in einem Jahr mehr Daten für schlüssige Entscheidungen liefern.

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