Stuttgarter Ballett Multitalent Roman Novitzky im Film
Tänzer, Fotograf, Choreograph – Roman Novitzky ist aus dem Stuttgarter Ballett kaum wegzudenken. Jetzt widmet ihm das Südwestfernsehen eine Dokumentation.
Tänzer, Fotograf, Choreograph – Roman Novitzky ist aus dem Stuttgarter Ballett kaum wegzudenken. Jetzt widmet ihm das Südwestfernsehen eine Dokumentation.
Tänzer, Fotograf, Choreograph – Roman Novitzky ist aus dem Stuttgarter Ballett kaum wegzudenken. Jetzt beleuchtet der Filmemacher Niko Vialkowitsch Vialkowitsch die Arbeit des Multitalents. „Das zweite Leben des Roman Novitzky – ein Balletttänzer erfindet sich neu“ ist an diesem Sonntag im Südwestfernsehen zu sehen.
Herr Vialkowitsch, Roman Novitzky ist ein Multitalent. Welchem Roman Novitzky sind Sie besonders gerne gefolgt?
Da kann ich mich kaum entscheiden. Eigentlich bin ich ihm bei allen Tätigkeiten gern gefolgt, die ich beobachten durfte. Ich habe ihn als völlig offen, freundlich und allürenfrei erlebt. Ein Mann, den alle mögen. Das ist eine seltene Erscheinung, besonders am Theater. Wenn ich etwas herauspicken soll, dann vielleicht die Fotosession mit dem Ausnahmetänzer Friedemann Vogel.
Und warum?
Wegen der Art und Weise, wie die beiden zusammenarbeiten. Novitzky hatte die Idee, Vogel in einer Art Milchbad zu platzieren, in dem sein Körper nur zum Teil zu sehen ist. Auch wenn in dieser Situation der Eine Fotograf und der Andere Fotomodell ist, arbeiten sie trotzdem gemeinsam an den Bildern. Zwei absolute Vollprofis. Jeder auf seine Weise. Sie überlegen, kontrollieren, setzen neu an. Da entsteht eine unglaublich dichte und geradezu intime Atmosphäre, in der wirklich spektakuläre Bilder entstehen. In diesem Moment fließen bei Novitzky auch Choreographie und Fotografie ineinander: Eigentlich sind seine Bilder Choreographien für einen Augenblick.
Am meisten verlieren kann Roman Novitzky als Choreograf. Hier agiert er stets für etwas Größeres. Entsprechend akribisch geht er in der Erarbeitung neuer Stücke vor. Wie haben Sie dies erlebt?
Ich glaube, die Akribie steckt ganz tief in ihm. Ich habe ihn als extrem selbstkritisch erlebt. Er strebt wirklich ernsthaft nach Perfektion und ist selten voll und ganz zufrieden mit sich. Das ist sein Antrieb. Der Gedanke, dass er als Choreograph etwas zu verlieren hätte? Tatsächlich habe ich das genaue Gegenteil erlebt: Novitzky denkt von der positiven Seite her, vom möglichen Gewinn, nicht vom drohenden Verlust. Für ihn ist jeder Choreografieauftrag eine Gelegenheit, die er gerne mitnimmt. Nur: Wenn er etwas macht, dann zu 100 Prozent – mindestens. Ich glaube, das ist für ihn so etwas wie eine Lebensregel
Roman Novitzky ist ungeachtet aller Perfektion in allen Rollen ein Mann des Ausgleichs. Macht ihn aus Ihrer Sicht gerade dies zu einem Künstler der Gegenwart oder steht er sich damit auch selbst im Weg?
Seine ausgeglichene und freundliche Art öffnet ihm Türen. Offene Türen ermöglichen ihm Nähe. Und Nähe ist es, die Roman Novitzkys Kunst ganz besonders auszeichnet. Er ist eben nicht der Ellbogentyp und geht trotzdem seinen Weg. Ich finde das großartig. Und dass er damit ein „Künstler der Gegenwart“ wäre, das würde ich unserer Gegenwart von Herzen wünschen! Lassen Sie es mich andersherum sagen: Dass an manchen Theatern noch Zustände wie im 19. Jahrhundert herrschen, das ist ein Unding…
Reid Anderson hat Roman Novitzky als Intendant des Stuttgarter Balletts sehr gefördert, Tamas Detrich als Intendant geht nun ganz anders mit ihm um. Gefühlt offizieller – und Roman Novitzky damit vielleicht auch in eine offizielle Ästhetik bewegend. Wie haben Sie dies erlebt?
Als Novitzky vor einem Jahr als Solist ausgeschieden ist, hat sich Tamas Detrich die Stelle eines „Artist in Residence“ für ihn ausgedacht. Er fotografiert den ganzen Tag. Nicht nur seine künstlerischen Arbeiten sondern auch Gebrauchsbilder: Für die Programmhefte, fürs Internet, für Social Media. Für Novitzky ist das ein Segen. So kann er sich mit einer soliden Absicherung als Fotograf professionalisieren. Sicher: in einer eher gebundenen Position. Aber dass Novitzky für die Sicherheit optiert, wo seine Frau, Miriam Kacerova gerade ihr zweites gemeinsames Kind zur Welt gebracht hat und auch bald über das Ende ihrer Tanzkarriere nachdenken muss, das macht ihn mir sehr sympathisch.
Und das Stuttgarter Ballett denkt offenbar in längeren Novitzky-Zeiträumen.
Ja, sein Vertrag wurde gerade verlängert, und für die nächste Spielzeit steht eine große Roman-Novitzky-Choreografie auf dem Programm des Stuttgarter Balletts. Tamas Detrich hat also offensichtlich sehr wohl erkannt, was er an ihm hat. Und dass Novitzky Anfang des Jahres den Erik-Bruhn-Preis für Choreographie gewonnen hat, eine anerkannte internationale Auszeichnung, war da sicherlich kein Hindernis…
Tänzer, Choreograph, Fotograf, Partner, Vater – welche Rolle `von Roman Novitzky ist Ihre liebste?
Am liebsten ist mir, dass es zwischen all seinen Lebensrollen offensichtlich keine harten Brüche, keine Rollenkonflikte gibt.
Und welche wird noch hinzukommen?
Die der Hauptperson in einer Filmdokumentation – „Das zweite Leben des Roman Novitzky – ein Balletttänzer erfindet sich neu“. An diesem Sonntag, 13. August, im Südwestfernsehen und von diesen Samstag, 12. August, schon in der ARD-Mediathek.