Stuttgarter Band Aufs Wesentliche reduziert

Von Edgar Rehberger 

Die Kids of Adelaide haben ein neues Album veröffentlicht und gehen jetzt auf Deutschland-Tour. Auch in Bad Cannstatt geben sie ein Konzert.

Severin Specht (links) und Benjamin Nolle sind die Kids of Adelaide.Foto: Gordon K. (z)

Bad Cannstatt - Bad Cannstatt - Weniger ist oft mehr. „Im Studio wird man oft dazu verleitet, einiges mehr in die Songs zu packen“, sagt Benjamin Nolle, ein Teil des Stuttgarter Duos Kids of Adelaide. „Das wollten wir beim neuen Album nicht.“ Es sollte so klingen, wie es auch live dargeboten wird. „Nur unsere beiden Gitarren, unsere Stimmen sowie Bassdrum und Snare“, beschreibt Severin Specht. Sechs Elemente, sechs Ebenen, mehr nicht. Das zeigt sich schon auf dem Cover des Albums „Into the less“. In der Scheune neben ihrem Wohnhaus hatte sich für einige Zeit ein Künstler niedergelassen, der die beiden Musiker inspirierte, selbst dort oben kreativ zu sein. Sie malten ein Bild in sechs Ebenen. „Das kam es zur Idee, die Platte so klingen zu lassen, wie wir auch live spielen.“ Ohne technischen Schnickschnack. Und genau so wurde es im Studio des Cannstatter Musikers und Produzenten Jens-Peter Abele umgesetzt. „Es klingt krass und ist irgendwie verrückt“, lacht Severin Specht, „aber 1:1 so wie es sein soll.“ Man habe quasi die Dynamik nach unten erweitert, ergänzt Benjamin Nolle.

Aber genau das machen die Kids of Adelaide aus. Sie haben keine Band im Hintergrund, stehen nur mit ihren Gitarren vor den Mikros auf der Bühne, einer bedient mit dem Fuß die Bassdrum, der andere die Snare. „Das ist unser Ding“, so Specht. „Das konnten wir nirgendwo abgucken.“ Dadurch sei ein ganz anderer Groove möglich, müsse die Rhythmik durchdachter sein. Und dennoch klingt der Sound irgendwie neu. Der Grund: „Wir haben erstmals keine Akustik-Gitarren verwendet,“ führt Nolle aus. Dies sei aber ganz unbewusst passiert.

Disziplin muss man lernen

Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, erfordere viel Disziplin. „Das muss man lernen.“ Es sei natürlich einfacher, den Sound durch weitere Instrumente und technische Möglichkeiten zu erweitern und ergänzen und dadurch wuchtiger klingen zu lassen. „Das ist dann live aber nicht oder sehr schwer umsetzbar“, sagt Severin Specht. „Wir sind uns treu geblieben und haben versucht, was zu zweit möglich ist.“ Trotzdem soll die „Mucke“ nach vorne gehen. Die frische Energie wirke sich auch auf die alten Songs aus, haben sie beim Proben für anstehende Tour bemerkt, die am 22. September in Erfurt startet und durch ganz Deutschland führt. Am 28. Oktober treten die Kids of Adelaide im Wizemann in Bad Cannstatt auf.

Auf Tour werden natürlich nicht nur Songs des aktuellen Albums gespielt, sondern auch ältere Stücke. Mittlerweile fünf Alben sind dann erschienen. Die beiden Schulfreunde setzten nach Abitur und Zivildienst auf die Karte Musik. Nach diversen Banderfahrungen schrieben sie 2010 gemeinsam die ersten Songs, die sie auf Stuttgarts Straßen präsentierten. Das lief sehr erfolgreich. „Bei der Musik auf der Straße muss man die Leute gleich fangen“, sagt Benjamin Nolle. „Das heißt, mit viel Leidenschaft und Kraft agieren.“ Das merkt man den beiden heute noch an. Das Publikum wird immer mit einbezogen. Das erste Album „Songs for you and me“ wurde 2011 aufgenommen. Die 500 Exemplare sind schnell vergriffen. Sie sind als Vorprogramm von Tiemo Hauer, Allen Bird, Marc Owen und Jamie Cullum unterwegs, lernen schnell und viel übers Musikerdasein und Musikbusiness. „Das kannten wir ja alles nicht.“

Unstimmigkeiten bleiben nicht aus

Schritt für Schritt geht es aufwärts. Sie beziehen das Haus von Nolles Oma, richten dort ein Studio ein. „Die 5er-WG funktioniert“, sagen sie. Und alles unter einem Dach zu haben, sei schon von Vorteil. Natürlich bleiben Unstimmigkeiten nicht aus. „Das Drumherum, die ganze Sache ist wichtiger, wir sind ehrlich zueinander und reden viel.“ In Eigenregie und unter Mitwirkung von Severins Bruder Sebastian, der auch als Live-Mischer dabei ist, entsteht 2012 das Album „Home“, gefolgt 2014 von „Byrth“. 2015 treten die „Kids“ im renommierten Zermatt Unplugged Festival auf und im Sommer als Support für Robert Plant. „Das war schon der Hammer“, schwärmen beide. Im Januar 2016 erscheint „Black hat & feather“, gefolgt von Touren durch Deutschland, Frankreich, Niederlande, Tschechien, Italien und England. Raus aus der Komfortzone könnte man sagen. Denn: „Es ist schon krass, wo einen die Musik hinbringt.“ Sie spielten vor 15 Zuschauern und in ausverkauften Hallen, nächtigten in „übelsten Absteigen“ und 4-Sterne-Hotels. Dennoch bleiben sie Stuttgart treu, sind in Plieningen zuhause. „Hier sind wir verwurzelt.“

Nach der Album-Veröffentlichung am 31. August geht es bis November erst mal auf Tour, steht auch das Reeperbahn-Festival im September noch auf dem Programm. Die Tour wird dann im kommenden Jahr fortgesetzt. Die bedien Musiker schauen sich an und lächeln. „Es läuft ganz gut.“