Stuttgarter Barbier „Ein Bart ist kein Trend, ein Bart ist Lifestyle“

Von Simon Rilling und Hagen Klosterberg 

Der Vollbart: vor zehn Jahren fast ausgestorben, seit fünf Jahren wieder auf der Überholspur. Wie konnte das passieren? Der Stuttgarter Barbier Ioannis Chronakis weiß, warum.

Er weiß, wie Bart geht: Der Stuttgarter Barbier Ioannis Chronakis über den perfekten Bart und der Suche nach echten Männern. Foto: Fatma Tetik 6 Bilder
Er weiß, wie Bart geht: Der Stuttgarter Barbier Ioannis Chronakis über den perfekten Bart und der Suche nach echten Männern. Foto: Fatma Tetik

Stuttgart - Ioannis Chronakis (38) betreibt seit 2015 den Barber-Shop „Jack the Ripper“ im Stuttgarter Osten – und das mit großem Erfolg: Ohne Anmeldung läuft nichts. Chronakis selbst trägt einen imposanten Vollbart: wuchtig, aber gepflegt und mit klarer Kontur.

Herr Chronakis, der Vollbart liegt voll im Trend – und das nach Jahren, in denen das Metrosexuelle als Ideal galt. Wie konnte das passieren?
Das fing an mit einer Zigarettenwerbung vor etwa fünf Jahren. Der Slogan lautete „Don’t be a maybe“. Abgebildet war ein Mann mit Vollbart und einer Zigarette im Mund. Die Werbung war überall zu sehen – und plötzlich trugen alle Bart. Ich höre zwar seit zwei Jahren, dass der Bart-Trend vorbei ist. Davon merken wir aber nichts, wir haben immer mehr Geschäft. Für mich ist das ohnehin kein Trend. Wenn ich das höre, stehen mir ­alle Haare zu Berge. Ein Bart ist kein Trend, ein Bart ist Lifestyle.
Was gehört denn dazu?
Auf jeden Fall die richtige Pflege. Man braucht drei Dinge: Bart-Shampoo, Bart-Öl und eine richtige Bart-Bürste beziehungsweise einen Bart-Kamm. Und natürlich muss man ihn immer wieder in Form bringen. Was bringt ein krasser Vollbart, wenn es nur wuchert und er nicht gepflegt aussieht?
Wollen die Männer denn heutzutage wieder als männlicher wahrgenommen werden?
Ich sag’s mal so: Die haben einfach gemerkt, dass sich einige Frauen nach richtigen Männern sehnen. Ob ein Vollbart einen richtigen Mann ausmacht, wage ich zu bezweifeln. Aber es sieht männlich aus – und zieht einen Großteil der Frauen tatsächlich an. Ich ­bekomme es auch immer wieder von Kunden zu hören: „Seitdem ich einen Vollbart habe, sprechen mich viel mehr Frauen an.“ Wenn man Komplimente für seinen Bart kriegt, trennt man sich nicht mehr so leicht von ihm.
Ist Ihre Kundschaft denn jünger geworden?
Nein, da hat sich nicht viel verändert. Wir haben junge und alte Kunden, die meisten sind so zwischen 25 und 40.
Auf welchen Bart steht denn ein gestandener Barbier?
Das ist natürlich eine Typ-Frage. Manchem steht ein wuchtiger Vollbart, anderen ein schöner Schnauzer. Wer einen guten Bartwuchs hast, kann sich praktisch jeden Bart stehen lassen. Ich persönlich empfehle den antiken Bart, so wie im alten Griechenland. Ein schöner, klassischer Vollbart. Wenn der in Form geschnitten ist, ist das der Bart schlechthin: schön voll, saubere Konturen, aber massiv – auch an den Seiten sauber runtergetrimmt, also nicht diese Dreiecksform, sondern gerade, abgerundet oder gerne auch etwas kantiger.
Gibt es einen Bart, von dem Sie abraten?
Ich mag zum Beispiel keine tief angesetzten Konturen. Viele Männer rasieren sich auch die Konturen der Koteletten so dünn, das geht dann über in einen wuchtigen Bart. Da sind richtige Kanten drin. Das sieht furchtbar aus. Es muss ein flüssiger Übergang sein.
Was sagen Sie zur Rückkehr des Schnauzbarts?
Ich find’s absolut geil. Das unterstreicht den Typ. Wenn jemand Schnauzer trägt, kombiniert mit dem passenden Outfit, repräsentiert man damit ja was. Wenn das einer also richtig zum Einsatz bringt, feier’ ich das!
Welchen Einfluss haben Vollbartträger wie der Bietigheimer Rapper Shindy?
Solche Leute haben natürlich einen gewissen Einfluss. Zum Beispiel der Fußballer Lionel Messi. Der trägt jetzt auch Bart.
Gefällt Ihnen Messis Bart denn?
Schauen Sie sich die alten Bilder an. Ohne Bart sah der aus wie ein kleines Kind. Jetzt sieht er aus wie ein Mann!