Stuttgarter Bosch-Konzern Der Diesel kostet weitere Jobs bei Bosch

Von Imelda Flaig 

Nach einem Rekordjahr stellt sich der Stuttgarter Konzern auf schwierigere Zeiten ein – auch weil der Diesel in Europa immer mehr Marktanteile verliert.

Bosch  setzt auch auf die Brennstoffzelle –  Komponenten dafür könnten künftig auch an den Dieselstandorten gefertigt werden. Foto: Bosch
Bosch setzt auch auf die Brennstoffzelle – Komponenten dafür könnten künftig auch an den Dieselstandorten gefertigt werden. Foto: Bosch

Renningen - Die sinkende Nachfrage nach Diesel-Pkw bekommt der weltgrößte Autozulieferer immer mehr zu spüren – vor allem an Dieselstandorten wie Feuerbach, Homburg oder Bamberg, wo auch in diesem Jahr weitere Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, wie Bosch-Chef Volkmar Denner bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Renningen ankündigte. Konkrete Zahlen nannte er nicht, man müsse abwarten, wie sich der Markt und die Abrufe der Kunden entwickelten. Dieselprojekte seien nicht storniert worden, doch die Dieselmarktanteile bei Pkw in Europa seien weiter rückläufig. Weltweit hängen bei Bosch rund 50 000 Mitarbeiter am Diesel, in Deutschland arbeiten in dem Bereich etwa 15 000.

„Unser Ziel ist, die Anpassungsmaßnahmen sozial verträglich durchzuführen und auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten“, sagte Denner. Bereits im vergangenen Jahr wurden rund 600 Jobs gestrichen – etwa durch auslaufende befristete Verträge oder Altersteilzeit. Viele Mitarbeiter hätten zudem auf das tarifliche Zusatzgeld (T-Zug) verzichtet und sich für die Wahloption Freizeit entschieden. Das werde auch auf Mitarbeiter ausgeweitet, die noch nicht berechtigt seien, sagte der fürs Autogeschäft zuständige Bosch-Geschäftsführer Stefan Hartung. Gleichzeitig bemüht sich Bosch um Alternativprodukte für die Dieselstandorte – das sollen etwa Komponenten für Brennstoffzellen sein.

Zunehmende Risiken durch Handelsbeschränkungen

Fürs laufende Jahr gab sich Bosch mit Umsatz- und Ergebniserwartungen vorsichtig. „Besonders betroffen von der abflauenden Konjunktur ist unser größter Markt, der Automobilsektor“, sagte Denner. Bosch erwartet bei der Autoproduktion ein Minus von drei Prozent auf 94,7 Millionen Fahrzeuge. Dieser Trend treffe alle Regionen. Auch gingen von Handelsbeschränkungen in aller Welt zunehmend Risiken aus. In den ersten drei Monaten lag der Bosch-Umsatz nahezu auf Höhe des Vorjahres, fürs Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz leicht über dem Niveau von 2018.

Im vergangenen Jahr hat Bosch ein Rekordjahr hingelegt, den Umsatz um nominal 2,2 Prozent auf 78,5 Milliarden Euro gesteigert und das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 5,3 auf 5,5 Milliarden Euro verbessert – was einer operativen Umsatzrendite von sieben Prozent entspricht. Die dürfte in diesem Jahr auf sechs Prozent sinken – aufgrund weiterhin erheblicher Vorleistungen in Zukunftsfelder, aber auch zur Bewältigung der Transformation, wie Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer mit Blick auf den Technologieumbruch in der Branche erklärte. Die Autosparte, unter die das Geschäft rund um die Mobilität fällt, ist immer noch das größte Standbein mit 47,6 Milliarden Euro Umsatz, und Dieselkomponenten sind ein wichtiger Umsatzbringer. Hier umzusteuern kostet Geld.

Mehr Geld für Forschung und Entwicklung

„Ungeachtet der wirtschaftlichen Herausforderungen werden wir auch 2019 hohe Summen in die Erschließung neuer Technik- sowie Geschäftsfelder und somit in die Zukunftssicherung des Unternehmens investieren“, sagte der Finanzchef. „Auch unser Beitrag zur CO2-Reduzierung und damit zum Klimaschutz wird sich nicht nach der Kassenlage richten, sondern ist von nachhaltiger Natur“, ergänzte Asenkerschbaumer. Die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen hat Bosch nochmals um 300 Millionen auf rund 7,3 Milliarden Euro erhöht, ebenso die Investitionen, die von 4,3 auf 4,9 Milliarden gestiegen sind. Schwerpunkte waren die Elektromobilität, automatisiertes Fahren und die neue Halbleiterfabrik in Dresden.

Im entstehenden Massenmarkt Elektromobilität etwa strebt Bosch die Marktführerschaft an. 2025 will der Konzern mit Elektromobilität fünf Milliarden Euro Umsatz erzielen, zehnmal so viel wie 2018.

Um die Herausforderungen zu meistern, sind bei Bosch vor allem IT- und Software-Experten gefragt, deren Zahl weiter steigen soll. In den nächsten fünf Jahren plant Bosch, weltweit knapp 25 000 IT- und Software-Experten neu einzustellen. Bereits 27 000 sind an Bord. Ende 2018 beschäftigte Bosch weltweit fast 410 000 Menschen, das waren rund 7700 mehr als ein Jahr zuvor. Im Inland hat Bosch mehr als 139 400 Mitarbeiter, das sind gut 1700 mehr als im Vorjahresvergleich.