Stuttgarter Burlesque Festival im Varieté Vor jedem Auftritt muss erst mal aufgeräumt werden

Gruppenchoreografie heute mit Masken: Die Siren Sisters beim Stuttgarter Burlesque Festival. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 9 Bilder
Gruppenchoreografie heute mit Masken: Die Siren Sisters beim Stuttgarter Burlesque Festival. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Das fünfte Stuttgarter Burlesque-Festival im Friedrichsbau Varieté hat viele nationalen Größen im Programm.

Lokales: Armin Friedl (dl)
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Stuttgart - In einer Burlesque-Show haben die sonst eher unauffällig agierenden Bühnenmitarbeiter alle Hände voll zu tun. Nach jeder Nummer ist erst mal das große Aufräumen angesagt: Kleidungsteile, Fummel, Stofffetzen, Glitter, Glitzer und Federboas – all das muss erst mal husch husch weg, damit die Bühne frei ist für den nächsten Auftritt. Denn ausziehen oder besser: strippen ist ein wichtiger Bestandteil jeder Burlesque-Show.

Applaus und Begeisterungsstürme

Strippen freilich weniger unter pornografischen Aspekten, sondern als Ausdruck von Lebensfreude und Selbstbewusstsein. Und so wollen die Damen beim fünften Stuttgarter Burlesque-Festival im Friedrichsbau-Varieté vor allem bewundert werden, wollen viel Applaus und Begeisterungsstürme beim Publikum, auch wenn oder gerade weil sie weder Plakatschönheiten noch Magermodels sind von internationalen Laufstegen und Hochglanzprospekten.

So viel pralle Lebensfreude ist vielleicht genau das richtige nach den vielen Monaten Kultur-Diaspora, dachte sich Timo Steinhauer vom Varieté und lag damit genau richtig: Die erste Festival-Show war schnell ausverkauft, eine zweite war ebenso gefragt. Unter Corona-Bedingungen dürfen zwar maximal nur 200 Leute für einen Abend auf den Pragsattel pilgern, eigentlich wäre Platz für mehr als 300 Besucher. Aber auch die 200 müssen heute ja auch erst mal kommen und den aktuellen Sicherheitskonzepten trauen.

Farbenpracht und große Gesten

Die Künstlerinnen belohnten dies jedenfalls mit viel Leidenschaft und Spielfreude. Für Farbenpracht, große Gesten und entsprechende Musik sorgt ja schon das Genre Burlesque an sich. In der Programmauswahl selbst zeigen sich dann doch die besonderen Zeiten: Im Gegensatz zu früheren Festivals war hier keine internationale Prominenz vertreten, dazu sind die Reisemöglichkeiten aktuell doch ziemlich kompliziert. So war es eben eine nationale Schau, die abwechslungsreich genug ist, auch für mehr als drei Stunden Show wie bei diesem Festival.

Burlesque funktioniert auch mit Computerbeats

Und das Festival war eine gute Gelegenheit, die jüngere Geschichte des Burlesque Revue passieren zu lassen. Marlene von Steenwag erinnerte mit ihrer Nummer „Fächer“ an ihren ersten Auftritt in diesem Genre zunächst ganz züchtig als Verhüllungsspiel mit durchsichtigen Stoffbahnen, bevor es zur Sache ging. Fanny di Favola ist auch in organisatorischer Hinsicht eine wichtige Person in der Stuttgarter Burlesque-Szene. Hier hatte sie nun auch einen Auftritt als Künstlerin.

Besonders grell liebte es Raunchy Rita in „Boobs“ – viele rosa Luftballons spielten da eine wichtige Rolle. Sandy Beach ist derzeit wohl die angesagteste Burlesque-Künstlerin. Sie bettet ihre Auftritte in kleine Geschichten ein. Und Tronicat la Miez zeigt, dass Burlesque auch mit ätzend scharfen Computerbeats immer noch gut funktioniert.




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