Stuttgarter Caterer im Lockdown Jörg Rauschenberger: „Die Welt wird nach Corona anders aussehen“

Nur der  Fuhrpark ist zum Stillstand verurteilt: Jörg Rauschenberger bastelt an der Zukunft. Foto: Gottfried  / Stoppel 10 Bilder
Nur der Fuhrpark ist zum Stillstand verurteilt: Jörg Rauschenberger bastelt an der Zukunft. Foto: Gottfried / Stoppel

Die Restaurants haben im vergangenen Sommer wenigstens kurzfristig etwas Luft geschnappt, die Event-Caterer machten auch im Sommer kein Geschäft. Einer der größten und bekanntesten ist Jörg Rauschenberger, er schaut dennoch zuversichtlich in die Zukunft.

Stuttgart - Die Gastronomie verschafft sich lautstark Gehör, dringt auf eine Perspektive. Das freut Jörg Rauschenberger, der neben dem Pier 51 noch das Cube am Schlossplatz und das Sternelokal Goldberg in Fellbach betreibt. In erster Linie ist er der wohl bekannteste Event-Caterer der Stadt. Mit größeren Partys rechnet er so bald nicht.

Herr Rauschenberger, das hier sieht wie ein ziemlich luxuriöses Parkhaus aus.

Normal steigen hier Partys. Der Fuhrpark steht exemplarisch fürs das Unternehmen, wir können nichts machen und haben große Kosten. Man muss das ja alles in Schuss halten, unser Fuhrparkleiter ist jedenfalls beschäftigt. Und das Problem erstreckt sich aufs gesamte Equipment, man muss überall nach dem rechten sehen und hat null Umsatz. Wir müssen von der Substanz leben.

Wie ist das zu meistern?

Gott sei Dank leben wir in einem Land, in dem es Hilfen gibt. Auch wenn die nicht alle gerecht verteilt werden und trotz aller Auszahlungsschwierigkeiten, über die geklagt wird: Es sind eben doch Hilfen.

Für einen Stillstand ist hier im Büro immerhin noch ein bisschen was los?

Ja. Wir arbeiten an der Zukunft. Wir müssen die Zeit nun sinnvoll nutzen. Wir treiben die Digitalisierung in vielen Bereichen voran, wir verbessern das Marketing und erschließen neue Geschäftsfelder. Dazu hätten wir im Normalbetrieb gar keine Zeit gehabt. Aber es ist doch klar: Die Welt wird nach Corona anders aussehen. Und darauf wollen wir uns perfekt einstellen.

Sie haben auch eine Menge Azubis in Ihrem Betrieb?

Wir haben 60 Azubis, die können und wollen wir natürlich nicht in Kurzarbeit schicken. Die Azubis in der Verwaltung können wir ordentlich beschäftigen, mit den Köchen und Restaurantfachleuten zum Beispiel müssen wir eben Trockenübungen machen. Es ärgert uns schon sehr, dass wir junge Menschen für fast ein ganzes Jahr ausbremsen. Aber ohne Gast keine Gastronomie.

To-go-Geschäft geht nicht?

Nein. Wir sind eine große Firma, wir brauchen auch große Zahlen. Aber wir haben für Firmen Boxen zusammengestellt mit Rezept und Zutaten für einen Kuchen samt Wellholz, das können die als Dankeschön an ihre Mitarbeiter schicken. Das ist aber eher Versandhandel als Gastronomie. Wir bleiben so mit den Kunden im Gespräch, das ist gut. Aber Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis.

Das klingt ziemlich trostlos.

Zunächst ja, aber wir lassen uns nicht davon unterkriegen. Da müssen wir nun eben alle durch. Ich freue mich dennoch auf die Zukunft. (lacht) Vorher sollte eben das Geld nicht ausgehen. Aber ich bin optimistisch, ich kriege so viele Rückmeldungen, dass die Gastronomie nun als Wert viel besser anerkannt wird. Und auch die Firmen merken, dass man trotz Zoom und Homeoffice den direkten Kontakt zu den Kunden braucht. Um einen Kunden zu begeistern, muss man ihn wirklich sehen. Genau da machen wir ja tolle Sachen und bringen die Menschen zusammen.

Und wann passiert das wieder?

Wenn ich das wüsste, wäre ich in der „Tagesschau“. Ich glaube, unterstützt durchs Impfen, werden wir nach dem Sommer wieder aufs Gleis finden, vielleicht auch schon Ende Mai. Aber ich habe keine Hoffnung, dass man angesichts der britischen Mutante wieder hundert Leute auf eine Hochzeit lässt, das kann ich mir erst wieder im September vorstellen.




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