Stuttgarter CDU und Armin Laschet Katzenjammer beim Gros der Basis über Kanzlerkandidaten

Der CDU-Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann kann mit der Entscheidung in der K-Frage der Union gut leben. Andere tun sich schwer damit. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Eine Mehrheit der Stuttgarter Christdemokraten hätte wohl lieber den CSU-Chef Markus Söder gehabt, nicht den CDU-Vorsitzenden Armin Laschet. Kann man sie jetzt für den Wahlkampf in Stimmung bringen?

Stuttgart - Als Benjamin Völkel Dienstagfrüh in seine Whatsapp-Gruppe mit Parteifreunden schaut, herrscht dort „Katerstimmung“: Weil die K-Frage in der Union über Nacht so entschieden worden war, dass Armin Laschet Kanzlerkandidat der Union ist, nicht Markus Söder.

 

Völkel ist einer der stellvertretenden Kreisvorsitzenden der Stuttgarter CDU mit knapp 2500 Mitgliedern und zudem Vorsitzender in Plieningen/Birkach. Auf beiden dieser Parteiebenen sehe der Großteil der Basis seinen Willen durch die Entscheidung für Laschet missachtet, meint Völkel. Denn hier wie dort sei die Mehrheit für Söder (CSU) gewesen, mit dem man „bessere Wahlchancen“ und „bessere Kommunikation“ verbunden habe. Auch Markus Bott, der CDU-Chef in Feuerbach, sagt, die Präferenz sei dort „ganz klar für Söder gewesen“. Nun werde gefragt, wie weit ein Parteipräsidium eigentlich von der Basis entfernt sein könne.

Total glücklich ist auch die Laschet-Befürworterin nicht

Annette Braun, die Vorsitzende im Stuttgarter Norden, berichtet zwar auch von einer Mehrzahl von Söder-Befürwortern; sie selbst tickte aber anders und konnte somit recht zufrieden sein. Total glücklich war sie aber nicht. Denn erstens seien beide Politiker beschädigt worden („vor allem Laschet durch Söder“) und zweitens war ihr eigentlicher Wunschkandidat in Sachen Spitzenkandidatur gar nie zur Debatte gestanden: Norbert Röttgen.

Christof Ebert, Vorsitzender in Stuttgart-Vaihingen, reagiert gelassen. Das liegt nicht nur daran, dass er dem siegreichen Aspiranten Laschet beachtliche Qualitäten beispielsweise als Integrator zuerkennt, „die uns guttun werden“. Bei zwei qualitätvollen Kandidaten gebe es in einer Volkspartei immer Befürworter des Einen und des Anderen, meint Ebert. Wichtig sei nun, dass es kein Nachkarten gebe.

Der Kreisvorsitzende hatte eine Positionierung vermieden

Und Stefan Kaufmann? Der Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete hatte vorher zwar eine öffentliche Positionierung vermieden. Aber es ist offensichtlich, dass er „mit dem Ergebnis gut leben“ kann. Laschet mache in NRW einen guten Job, sagt Kaufmann nun. Er wünscht sich jetzt Geschlossenheit, ist aber auch zuversichtlich, dass Söder-Befürworter „den ersten Frust wegschieben“ und mitkämpfen werden. Denn die Alternativen – eine Ampelregierung oder Rot-Rot-Grün – wären ja nur schlechter.

Sein Vize Völkel hofft ebenfalls auf Geschlossenheit. Man werde sich aber vielleicht schon etwas bemühen müssen, alle Helfer an die Wahlkampfstände zu bringen. Denn der mehrheitliche Willen der Basis in Stuttgart habe sich nun zum dritten Mal nicht durchgesetzt und die Unterlegenen in der Bundes-CDU seien von der Parteiführung hinterher nicht integriert worden: zweimal bei Entscheidungen über den Parteivorsitz, als Friedrich Merz den Kürzeren zog, und nun auch in der Causa Söder. Man müsse vielleicht nicht die Organisation und Strukturen ändern, aber die Bundesvorstandsmitglieder sollten ihr Verhalten hinterfragen – weil sie „losgelöst von der Basis entscheiden, die sie in Vorstandsämter wählte“, so Völkel.

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