Stuttgarter Cityring Breitere Straßen für das Milaneo

Von Thomas Braun 

Grünes Licht für den geplanten Umbau der Kreuzung Heilbronner Straße/Wolframstraße: Der Ausbau der Straßen ist vor allem dem neuen Einkaufszentrum Milaneo im Europaviertel geschuldet.

An der Ecke Heilbronner Straße/Wolframstraße wird der Belag aufgerissen. Foto: Steinert 14 Bilder
An der Ecke Heilbronner Straße/Wolframstraße wird der Belag aufgerissen. Foto: Steinert

Stuttgart - Im Mai beginnen an der Kreuzung Heilbronner Straße/Wolframstraße die umfangreichen Bauarbeiten für den neu konzipierten Cityring. Der bereits heute stark befahrene Knotenpunkt muss für insgesamt 6,6 Millionen Euro ertüchtigt und ausgebaut werden, um den Besucher- und Lieferverkehr für das Europaviertel reibungslos abzuwickeln und zudem den erwarteten Mehrverkehr auf der Heilbronner Straße aufnehmen zu können. Laut einem von der Stadt in Auftrag gegebenen Verkehrsgutachten aus dem Jahr 2011 ist auf der Heilbronner Straße mit rund 64 000 Fahrzeugen mehr pro Tag zu rechnen – eine Zunahme gegenüber heute um 25 Prozent. Auf der Wolframstraße, die künftig statt der Schillerstraße die neue Ostspange der City bildet und von der aus auch das neue Einkaufszentrum Milaneo erschlossen wird, werden rund 27 000 Fahrzeuge unterwegs sein und damit rund 41 Prozent mehr als bisher.

Der Technische Ausschuss des Gemeinderats hat am Dienstag den Weg für den Beginn der Bauarbeiten frei gemacht. Rund 60 Prozent der Kosten trägt die Bahn als Bauherr von Stuttgart 21, 40 Prozent schießt die Stadt zu. Allerdings haben die Grünen nochmals ihre Bedenken gegen die Zunahme des Verkehrs artikuliert. „Das Ziel sind nicht 25 Prozent mehr Autos, sondern 20 Prozent weniger Verkehr im Stadtkessel“, so Stadtrat Michael Kienzle in Anspielung auf eine Zielvorgabe seines Parteifreunds und Oberbürgermeisters Fritz Kuhn. Kienzle wies darauf hin, dass in dem Milaneo-Komplex mehr als 400 Mietwohnungen integriert werden. „Das A-1-Areal ist das verkehrlich am besten angebundene Gebiet in Europa, von dort aus kann man bald zum Shopping nach Bratislava fahren“, mokierte sich der Grüne über den seiner Ansicht nach überdimensionierten Straßenausbau.

CDU wirft den Grünen eine autofeindliche Politik vor

Ein Antrag der Grünen, die Schillerstraße im Gegenzug zurückzubauen, wurde zwar von den anderen Gemeinderatsfraktionen mit einem Zeithorizont von 15 Jahren bis zur Fertigstellung des Bahnprojekts Stuttgart 21 und der Aufsiedelung des heutigen Gleisvorfelds begrüßt. Zugleich warf CDU-Fraktionschef Alexander Kotz den Grünen aber vor, sie wollten den Autoverkehr mit immer neuen Restriktionen behindern. Dies werde in der Konsequenz zu mehr Staus und damit einer steigenden Feinstaubelastung führen. Auch die Christdemokraten dringen aber darauf, dass die Schillerstraße mit zusätzlichen Fußgängerüberwegen versehen wird, um das neue Europaviertel hinter dem Hauptbahnhof mit der Königstraße zu verbinden.

Für die SPD-Fraktion erklärte deren Vorsitzende Roswitha Blind, der Ausbau des Knotens an der Heilbronner Straße beinhalte Rad- und Fußwege sowie zusätzliche Überwege über die künftig breitere Hauptverkehrstraße. Damit werde deren trennende Wirkung deutlich reduziert. Joachim Fahrion (Freie Wähler) betonte, es sei „notwendig, für die Zukunft einen neuen Cityring zu haben“. Günter Stübel (FDP) sagte, der Ausbau solle Staus vermeiden, die zu Frust „und damit zu volkswirtschaftlichen Schäden“ führten: „Es bringt nichts, den Verkehr mit Gewalt um 20 Prozent reduzieren zu wollen.“ Die Mehrheit der Ratsmitglieder stimmte schließlich für den Baubeschluss – die Grünen und der SÖS-Stadtrat Gangolf Stocker enthielten sich.

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