Um Frauen und trans* Menschen einen sicheren Heimweg zu ermöglichen, gibt es im Stuttgarter Club Romantica am Samstagabend erstmals eine Soli-Kasse für Taxifahrten nach dem Clubbesuch.
Ist der Abend im Club vorbei und der Heimweg zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln steht bevor, weicht die Ausgelassenheit oft der Angst vor Übergriffen. Vor allem Frauen, weiblich gelesene und queere Menschen kennen dieses Gefühl, sind es doch genau diese Gruppen, die besonders häufig bedrängt oder sogar bedroht werden. Im Stuttgarter Club Romantica nimmt man sich an diesem Samstag dem Problem an: Bei der Party, die vom Freeride Millenium organisiert wird, können Besucher:innen an der Tür für eine Soli-Kasse Geld spenden. Von diesem Geld werden Heimfahrten mit dem Taxi oder einem Uber bezahlt.
„Wenn es gebraucht wird, wollen wir das dauerhaft einführen“
„Ich habe mit trans* Freundinnen gesprochen, die mir unabhängig voneinander erzählt haben, dass sie sich nach dem Club unsicher fühlen. Es gibt einfach Ecken, wo sie schon bedrängt wurden. Es kann doch nicht sein, dass dann Leute zuhause bleiben, weil sie sich nicht sicher fühlen“, erklärt Jorkes, Kopf der Idee und Co-Gründer des Freeride Millenium. Seit acht Jahren veranstaltet das queere Kollektiv aus Wien einmal pro Monat ein Event im Stuttgarter Club Romantica. Zum Jubiläum am Samstag wird die Soli-Kasse das erste Mal angeboten. „Das ist jetzt ein Testlauf für uns. Wenn das Soli-Taxi gebraucht wird und Anklang findet, wollen wir das dauerhaft einführen“, erklärt Jorkes.
Da er selbst männlich gelesen wird, so Jorkes, sei ihm das Problem des unsicheren Heimwegs für queere, weibliche und trans* Menschen lange nicht präsent gewesen. Deswegen ist er froh, von seinen Freundinnen sensibilisiert worden zu sein. „Toll wäre es, wenn wir in einer Welt leben, in der so ein Angebot gar nicht gebraucht wird. Aber bis dahin, finde ich, ist das ein tolles Add-On für eine Clubnacht.“
Auch mit dem Restgeld wird Gutes getan
Wer das Angebot am Samstagabend nutzen möchte, kann sich an der Türe oder beim Awareness-Team der Romantica melden, die dann das Uber oder Taxi buchen. Sollte am Ende des Events Geld in der Kasse zurückbleiben, wird dies der Queer Base gespendet, einer Wiener Organisation, die Rechtsberatung für LGBTQIA*-Flüchtlinge anbietet. „Dann gibt es quasi doppelten Anreiz zu spenden“, freut sich Jorkes.
Um ebenfalls zur Sicherheit im Nachtleben beizutragen, hat Stuttgart im vergangenen Jahr die Nachtboje ins Leben gerufen. Über das Projekt haben wir hier berichtet >>>.
8 Jahre Freeride Millenium, Romantica, Hauptstätter Str. 40, Stuttgart-Mitte, 9.11., ab 23.56 Uhr