Stuttgarter des Jahres Ein Leben im Team

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Die Volleyballerin Renate Riek-Bauer ist mit 518 Einsätzen und drei Meistertiteln deutsche Rekordnationalspielerin. In die Jury für den Stuttgarter des Jahres bringt sie vor allem ihre langjährige Erfahrung als überzeugte Teamplayerin ein.

Renate Riek-Bauer ist bekannt für ihre fröhliche und mitreißende Art. Am Volleyballspiel schätzt sie vor allem den Teamgeist: Nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann eine Mannschaft erfolgreich sein. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Renate Riek-Bauer ist bekannt für ihre fröhliche und mitreißende Art. Am Volleyballspiel schätzt sie vor allem den Teamgeist: Nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann eine Mannschaft erfolgreich sein. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Sie ist ihrer Heimatstadt Stuttgart sehr verbunden. Daher hat Renate Riek-Bauer spontan zugesagt, als sie gebeten wurde, in der Jury für den Stuttgarter des Jahres mitzuarbeiten. Die prominente Volleyballerin ist mit 518 Einsätzen deutsche Rekordnationalspielerin. Mit ihrer Erfahrung als Sportlerin weiß sie, wie wichtig das Ehrenamt ist. Deshalb unterstützt sie das Engagement der Stuttgarter Versicherung und der Stuttgarter Zeitung als Jurorin für den Ehrenamtspreis.

14 Jahre lang hat Renate Riek-Bauer in der Nationalmannschaft gespielt und mit zwei Mannschaften je dreimal die Deutsche Meisterschaft gewonnen. 2009 hat sie mit 49 Jahren ihr letztes Bundesligaspiel absolviert – in einer Mannschaft, in der alle anderen deutlich jünger waren als sie. „Aber darauf kommt es nicht an“, sagt die fröhliche Sportlerin, die erst vor drei Jahren mit dem Volleyballspielen aufgehört hat. „Das Schöne an diesem Spiel ist eben der Teamgedanke.“

Eine Kindheit in Bewegung

Die Liebe zum Ballspiel wurde bei Renate Riek-Bauer frühzeitig gepflanzt. Als Kind sei es für sie ganz normal gewesen, auf der Straße zu spielen. „Ich war immer in Bewegung“, erinnert sich die Volleyballerin, die im März 1960 in Stuttgart zur Welt kam und in Feuerbach zur Schule ging. Am Gymnasium, an dem sie anfangs eine von vier Schülerinnen in einer von Jungs geprägten Klasse war, gab es eine Lehrermannschaft. Angestiftet von einer älteren Freundin machte Renate Riek-Bauer mit – und fand ihre Berufung, den Sport, dem sie länger als die meisten anderen Sportler verbunden blieb.

Ihre Jugend fand praktisch im TuS Stuttgart statt, wo sie bis zum Abitur trainierte. „Es war ein sehr harmonisches Team, das lange zusammengeblieben ist“, erinnert sie sich an die Gemeinschaft mit „den Mädels“. Auf der anderen Seite zeigte die junge Volleyballspielerin einen ausgeprägten Ehrgeiz. „Zur ersten Jugendmeisterschaft wollte ich unbedingt mit“, sagt sie schmunzelnd, die Abiturprüfungen mussten da eher nebenbei vorbereitet werden.

Sport und Kunst miteinander verbunden

Nach dem Schulabschluss begann Renate Riek-Bauer zunächst ein Studium an der Münchner Kunstakademie, um ihrer zweiten Leidenschaft, der Kunst, beruflich auf die Beine zu helfen. Doch schnell forderte das Volleyballspiel ihren ganzen Einsatz, und mit dem dortigen SV Lohhof, in dem sich besonders leistungsorientierte Spielerinnen tummelten, machte sie den Sprung in den Hochleistungssport. Mit diesem Verein wurde sie dreimal deutsche Volleyballmeisterin.

In ihrer alten Heimat aber sollte eine neue Topmannschaft aufgebaut werden. Und da zu dieser Zeit der Sport für sie immer Vorrang hatte, ging sie zurück nach Stuttgart. Studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Grafikdesign. Und feierte Erfolge mit dem CJD Feuerbach, mit dem sie ebenfalls dreimal die deutsche Meisterschaft gewann. Träger des Vereins war das Christliche Jugenddorf, eine Bildungseinrichtung, die neben Jugendlichen mit Förderbedarf auch besonders talentierte junge Menschen unterstützte.

Obwohl sie zu der Zeit wirklich viel in der Halle trainiert habe, sah sich Renate Riek-Bauer nicht ausschließlich als Sportlerin. „Mein Studium hat aber ein bisschen länger gedauert“, gesteht sie: Wenn ein Ereignis wie die Olympischen Spiele in Los Angeles anstanden oder die Weltmeisterschaften in China, dann mussten Ausbildung und Beruf notgedrungen etwas zurückstehen. Möglich wurde das auch durch den späteren Arbeitgeber Daimler-Benz, bei dem sie in 25 Jahren als Grafikdesignerin Ausstellungen gestalten konnte, ohne auf ihren Leistungssport verzichten zu müssen.

Grande Dame im Team

Mitte der 90er Jahre sah Renate Riek-Bauer ihre Karriere als beendet an. Warum? „Kein Mensch in meinem Alter hat noch gespielt“, sagt sie grinsend. Doch mit der TSG Tübingen gab es noch einmal ein Comeback. „Alle in der Mannschaft waren jünger als ich. Aber das war kein Thema, denn ich brachte ja viel Erfahrung mit“, beschreibt sie ihre Zeit dort. Sie sei auf ihrer Position als Zuspielerin glücklicherweise nie verletzt worden und fit geblieben. In erster Linie aber war Renate Riek-Bauer immer besonders motiviert.

Mit dem Wechsel zum MTV Stuttgart verlegte sich ihr sportlicher Schwerpunkt wieder nach Stuttgart. „Eine tolle Mannschaft, und mit Yang Xiaojun auch eine tolle Trainerin“, schwärmt sie noch heute von den Kolleginnen, die den Aufstieg in die erste Liga schafften. Aus dem MTV wurde Allianz Volley Stuttgart.

Von da an mischten sich Privates und Leistungssport, denn ihr Ehemann Rüdiger Bauer wurde Abteilungsleiter des Vereins. Kennengelernt hatte sie den Wirtschaftswissenschaftler bei einer Radtour zum Bodensee. „Wir haben uns beide verfahren“, erzählt Riek-Bauer amüsiert. Gemeinsam mit ihrem Mann war sie die treibende Kraft bei der Einrichtung der Scharrena, jener Mehrzweckhalle mit 2000 Sitzplätzen, die sozusagen im Bauch der Mercedes-Benz-Arena unterhalb der Untertürkheimer Kurve liegt.

Hier wird neben Volleyball auch regelmäßig Handball gespielt und geturnt. „Wir haben damals die Gunst der Stunde genutzt“, sagt Riek-Bauer zu dem gemeinsamen Erfolg, der – wie so vieles in ihrem Leben – auf Teamgeist und Engagement aufgebaut ist.

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